3D-Druck: The Future of Fashion

Drucken wir uns unsere Kleidung künftig ganz einfach zuhause aus? Ambitionierte Designer und Forscher zeigen das Potenzial dieser Technologie für die Modebranche auf.

Von Eva Maria Sirch (09/2016)

Danit Peleg / www.danitpeleg.com / Foto: Daria Tatiner

3D-Druck ist alltagstauglich geworden. In immer mehr Haushalten finden sich gebräuchliche 3D-Drucker und jede größere Stadt hat bereits einen 3D-Copyshop. So verwundert es auch nicht, dass auf den Mode-Laufstegen der Welt immer wieder außergewöhnliche 3D-gedruckte Kreationen zu sehen sind. Zwar gilt Kleidung aus dem 3D-Drucker immer noch als sehr exotisch, teuer und exklusiver Bereich in der Haute Couture, doch junge Designer und Apparel Labels adaptieren die Technologie und zeigen mit ihren außergewöhnlichen Kollektionen, welches Potenzial 3D-Druck für die Modebranche hat.

Die Ausstellung "Manus x Machina" im Met Costume Institute in New York präsentiert in diesem Jahr Mode im Zeitalter der Technologie. Bemerkenswerte Stücke von revolutionären Designern wie Iris van Herpen und einzigartige Entwürfe von Chanel & Co zeigen, dass 3D-Druck nicht nur das Modedesign, sondern den ganzen Fertigungsprozess revolutionieren könnte. Sobald die Technologie von mehr Modedesignern adaptiert wird, hat sie eine reelle Chance, einen Massemarkt anzusprechen. Andrew Bolton, Kurator der Ausstellung, vergleicht die Erfindung des 3D-Drucks deshalb sogar mit der Erfindung der Nähmaschine.

Allerdings steckt die Technologie – zumindest was die Fertigung von Bekleidung angeht – noch in den Kinderschuhen. Die Early Adaptors arbeiten vor allem im Accessoire-Bereich. Sonnenbrillen, Schmuck und Schuhe sind Produkte, die sich keiner bestimmten Form anpassen müssen und bereits von großen Labels produziert wurden. Vor allem in der Footwear-Branche entstand dadurch 2015 ein regelrechtes Wettrennen unter den großen Sportlabels: Wer schafft es zuerst, einen 3D-gedruckten Sportschuh auf den Markt zu bringen? New Balance gewann das Rennen vor Adidas und Nike: Mitte April 2016 lancierte die Firma den weltweit ersten High-Performance Laufschuh mit einer durchgehenden, 3D-gedruckten Mittelsohle.

Der ambitionierte Jungdesigner Eric Beaudette denkt da schon einen Schritt weiter: Er berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus eines 3D-gedruckten Kleidungsstücks. Um den Herstellungsprozess zu optimieren und Produktionsabfälle drastisch zu reduzieren, verbindet Beaudette das Recycling synthetischer Mischgewebe mit der individuellen Gestaltung durch Bodyscanning. Das Resultat sind wandelbare Bekleidungsstücke mit einem Mehrzweckdesign, die nach dem Gebrauch zurückgegeben werden können, um sie zu recyceln und zu neuen Modellen verarbeiten zu können.

Die Nachwuchsdesignerin Danit Peleg aus Tel Aviv hingegen realisierte zusammen mit 3D-Druck-Experten die erste Kollektion, die komplett mit gebräuchlichen 3D-Druckern ausgedruckt wird. Für ihre Abschlusskollektion an der Shenkar Universität verwendete Peleg das revolutionäre Filament FilaFlex. Es ermöglichte ihr den Druck von Bekleidung, die viel flexibler und robuster ist als herkömmliche Plastik-, Kunstharz- oder Nylon-Filamente.

Forscher an der britischen Universität Loughborough denken noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit der weltweiten Textil- und Bekleidungsmanufaktur Yeh Group arbeiten sie an einem Projekt, das die Art und Weise, wie wir 3D-gedruckte Kleidung produzieren, von Grund auf revolutionieren soll. Das Elektrospinnverfahren, das drei US-amerikanische Ingenieure entwickelt haben, ist zwar noch ein Prototyp, doch es ermöglicht es bereits, ein T-Shirt in einem einzigen Verfahren zu drucken. Dabei entsteht ein Material, das sich ähnlich wie ein echtes Textil verhält – flexibel, dehnbar und weich.

Die Beispiele zeigen: Mittels 3D-Druck kann die Art, wie wir Bekleidung produzieren, völlig neu gestaltet werden. Der gesamte Ressourcen-Verbrauch kann durch die Weiterentwicklung von 3D-Druck drastisch reduziert werden, von Energie und Wasser bis zum zu Einsatz von Chemikalien. 3D-Scans schaffen individuelle Formen, angepasst an die Wünsche des Konsumenten. Und noch einen Vorteil hat das Verfahren: Günstige Bekleidung konnte bislang nur mit einer hohen Stückzahl realisiert werden – 3D-Druck ebnet nun den Weg auch für Startups und kleine Firmen.

Ausschlaggebend für die Zukunftsvision des "Printing at home" ist letztlich, dass die Technologie einfach anwendbar ist – und dass die Strukturen angenehm zu tragen sind. Warum sollten Forscher künftig nicht Textil-Filamente entwickeln, die sich verhalten wie atmungsaktive Textilien, etwa Baumwolle oder Lyocell? Die Ambitionen von Nachwuchsdesignern und Produzenten und neue Technologien wie die Verwendung von Filamenten aus PET-Flaschen tragen dazu bei, dass sich die Art und Weise, wie wir Kleidung herstellen, schon bald fundamental verändern wird.

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