Feiern mit Gewissen und Genuss

Zwei Dinge, die unvereinbar schienen, haben zusammengefunden: Sustainability und Partying. Bei Events wird auf Emissionsreduzierung geachtet - und in Clubs ökologisch korrekt getanzt.

Quelle: Trend Update 05/2014

Anton Gvozdikov / fotolia.com

Superfoods sind der neue Gesundheitstrend aus New York. Superfoods – das ist die Wiederentdeckung nähr stoffreicher Lebensmittel wie Blaubeeren, Brokkoli, Lachs, Avocado oder Rote Bete. Superfoods haben üblicherweise einen besonders hohen Anteil an Antioxidantien, Vitaminen, Mineralien oder anderen wertvollen Nährstoffen, und ihnen wird ein positiver Effekt auf die körperliche und geistige Gesundheit sowie auf das allgemeine Wohlbefinden nachgesagt. Dieser Trend verändert die Gastronomie - und damit auch die Musik- und Eventbranche.

Sustainability ist sexy

Der Eventbranche war das Thema Sustainability bislang eher fremd: Hedonismus, ökosoziales Gewissen und Sparsamkeit – das schien nicht zusammenzupassen. Doch diese Auffassung hat sich geändert: Clubs und Konzerte haben sich Clubs und Konzerte als Treiber des nachhaltigen Bewusstseinswandels mittlerweile als ideale Veranstaltungsorte entpuppt, um den nachhaltigen Bewusstseinswandel voranzutreiben. Events sind Veranstaltungen mit Ereignischarakter und von großer Emotionalität, bei denen sich Besucher als Konsumenten aktiv einbringen können. Sustainability kann sexy sein! Dieses hedonistische grüne Credo ist das Lebensmotto des „Lifestyle of Health and Sustainability“.

Der Green Events Report 2013 des Event-Management-Dienstleisters amiando bestätigt, dass grüne Aspekte für die Veranstaltungsbranche immer wichtiger werden. Eine im Rahmen des Reports durchgeführte Online-Befragung brachte zum Vorschein: Für über drei Viertel der befragten Veranstalter spielt das Thema Nachhaltigkeit eine größere Rolle als in den Jahren zuvor.

Wer einmal bei Tageslicht über ein Festivalgelände gegangen ist, weiß: Niemand verursacht so viel Dreck wie Menschen, die Spaß haben wollen. Das wird sich ändern. Charakteristisch für die innovativen, nachhaltigen Event-Konzepte ist der Fokus auf Emissionsreduzierung, Energie- und Ressourceneffzienz. Das kann durch Wärmedämmung und andere ökologische Baumaterialien erreicht werden, oder auch durch den Einsatz von LED-Leuchten und fluoreszierenden Leuchtstäben, die ebenfalls energiesparend sind. Andere Maßnahmen sind die Reduzierung des Wasserverbrauchs, die vermehrte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Müllvermeidung bzw. Recycling. Hinzu kommt eine Umstellung auf biologisch hochwertige Lebensmittel aus der Region, vorzugsweise in Bio-Qualität. Der Ernährungsaspekt des Phänomens ist im Kontext des Megatrends Gesundheit zu sehen, dessen nächste Stufe der Trend Healthness ist. Der Fokus liegt auf Prävention und ganzheitlicher Medizin.

Elektrische Energie aus Tanzbewegungen

Die Sustainable-Partying-Bewegung hat ihren Ursprung in den USA und inzwischen auch in den Niederlanden, Skandinavien und Großbritannien Verbreitung gefunden. Prinz Charles hat bereits eine Sustainable Living Garden Party in seiner offziellen Residenz in London ausgerichtet, zu der auch die Öffentlichkeit Zugang hatte. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Unternehmen, Initiativen und Kampagnen, die sich diesem Themenbereich widmen: Das Crowdfunding-Unternehmen Enviu ist ein Impulsgeber in Sachen Sustainability. Enviu ist unter anderem der Sustainable Dance Floor zu verdanken, der die Bewegung der Tanzenden in elektrische Energie umwandelt.

Auch die Green Music Initiative thematisiert Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Musik- und Eventbranche. Zusammen mit der InitiativAgentur Zuendwerke und dem Kompetenzzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes hat sie 2012 in Hamburg das erste GreenMusicEvents (GME) BarCamp organisiert. Hier trafen sich Clubbetreiber und Festivalveranstalter mit Dienstleistern, Beratern und Vertretern aus der Politik, um sich über nachhaltige Ansätze und Ideen in der Musik- und Veranstaltungsbranche auszutauschen.

Ausblick: Nachhaltig vernetzt

Genuss und Gesundheitsbewusstsein gehören zusammen. Superfoods und der daraus folgende Trend zum Sustainable Partying sind Indikatoren für eine größere Entwicklung: Ein gesunder und nachhaltiger Lebensstil wird immer weniger als etwas verstanden, wozu man sich notgedrungen quälen muss, sondern wird immer mehr zum Genussfaktor, Statussymbol und Konsumgut. Sustainability bietet professionellen Veranstaltern Raum für die Entwicklung spannender, innovativer Konzepte. Industrien, die vormals wenig involviert waren, haben Anknüpfungspunkte gefunden. Nach der Mode- und Beautybranche hat es nun auch die Event- und Musikindustrie „erwischt“. „Eco Chic“ goes Mainstream!

Und was kommt als Nächstes? Da es bereits einige nachhaltige Unternehmen, Initiativen und Kampagnen in Deutschland gibt, ist der nächste Schritt: die Vernetzung. Man kann mit Spannung zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich abwarten – oder auch selbst die Initiative ergreifen.

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