Fünf Szenarien zur Zukunft des Bezahlens

Wie tickt das Geld-Gehirn und wie reagiert es auf neue Währungstechnologien? Fünf konkrete Szenarien zeigen, wie sich die Zukunft des Geldes auf den Alltag und die Wirtschaft auswirken wird. Ein Auszug aus der Trendstudie „Geld-Gehirn“.

Von Christof Lanzinger

Zukunftsinstitut / Ksenia Pogorelova

„Wir werden in Zukunft eine Vielzahl an unterschiedlichen Geldformen erleben. Wir werden uns viel mehr damit beschäftigen, mit welcher Währung wir was bezahlen möchten. Das ist ein völlig neuer Zugang, im Umgang mit Geld, der unseren Alltag bestimmen wird.“ Der Zeithorizont der skizzierten Entwicklungen ist auf 15 bis 20 Jahren festgesetzt worden. Harry Gatterer, Zukunftsinstitut

Das Geld aus der Cloud

Mit dem Bild einer Cloud, die sämtliche wichtigen Daten von uns enthält – einer eigenen „Me-Cloud“ – wurden wir in diversen Zukunftsutopien schon konfrontiert. Aber was, wenn in dieser Cloud auch unser Geld gespeichert sein würde?

Wir sind Bequemlichkeit gewohnt: Sämtliche Einkäufe können an einem Ort getätigt werden. Kamera, Telefon, Wecker und meistens sogar ein kleiner Computer sind mittlerweile in einem einzigen Gerät vereint. Wäre also ein Kombinationstool, das sämtliche monetären Angelegenheiten abdeckt, nicht eine naheliegende Überlegung?

Eine Cloud als digitales Wallet würde speziell dann Sinn machen, wenn man bedenkt, dass Fintech-Apps aktuell wie Pilze aus dem Boden schießen. Vor allem Peer-to-Peer-Payment scheint an breiter Akzeptanz zu gewinnen. Kürzlich wurde die neue Zahlungsrichtline PSD2 auf EU-Ebene beschlossen. Damit wird es ab 2018 möglich, dass auch andere Unternehmen Bankdienstleistungen anbieten können, basierend auf Bankkontodaten der Kunden. Das kann jedoch nur auf Wunsch eines Kontoinhabers stattfinden. Die europäischen Banken werden durch PSD2 verpflichtet, Schnittstellen für Testsysteme dafür zur Verfügung zu stellen.  

Da diese Art von Apps oft spezifisch auf einen bestimmten Zahlungsvorgang zugeschnitten ist – und sich dadurch nicht sämtliche Bankgeschäfte über eine Anwendung steuern lassen –, ist der Gedanke einer zusammenfassenden Cloud entstanden.

Alle 5 Szenarien im Überblick

Das Bezahlen von morgen - Zukunftsinstitut / Ksenia Pogorelova

1. Parallelwelt Kryptowährungen

Eine Verschmelzung des bestehenden Finanzsystems mit Kryptowährungen und Blockchain ist vorerst nicht absehbar. Es wird in Zukunft daher komplementäre Parallelwelten geben.

2. Das Geld aus der Cloud

Wir erwarten eine Geld-Cloud als digitales Wallet, die auf unsere spezifischen Zahlungsvorgänge zugeschnitten ist und sämtliche Bankgeschäfte in einem bündelt.

3. Verifizierungsakte der Zukunft

Trotz der grundsätzlich positiven Stimmung in Europa hinsichtlich des Einsatzes biometrischer Identifizierung beim Bezahlen besteht Diskussionspotential bei den Themen Nachvollziehbarkeit und Anonymität.

4. Die Zukunft des Bargeldes: Monetäre Werte im neuen Lifestyle

Objekte, die Rückschlüsse auf die eigene Vermögenslage ziehen lassen, werden als altmodisch bezeichnet, aber aufgrund seiner Anonymität wird Bargeld attraktiv bleiben.

5. Die Bank der Zukunft: Authentische Beziehungen

Die Bank der Zukunft wird zu einem sozialen Raum, in dem Qualitäten wie Vertrauen und menschliche Beziehung spürbar werden.

In der Trendstudie „Geld-Gehirn“ finden Sie eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Szenarien.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Finanzen

Dossier: Finanzen

Seit Urzeiten begleitet das Medium Geld die gesellschaftliche Evolution und Geld ist heute die einzige Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird. Zugleich ist Geld auch das wichtigste Informationssystem der Menschheit und die zukünftigen Konzepte für dieses Informationssystem sind so differenziert, weitreichend und faszinierend wie noch nie. Die Zukunft der Finanzwelt erfordert daher neue strategische, digitale Ausrichtungen - und ein neues finanzielles Werteverständnis.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Christof Lanzinger

Der Betriebs- und Volkswirt durchleuchtet für das Zukunftsinstitut die Welt der Zahlen und Statistiken. Ganz besonders interessieren ihn dabei die Trendrelevanz von Daten und die Visualisierung komplexer Zusammenhänge.