Virtual Money: Die neuen digitalen Möglichkeiten

Einige Fintechs wollen nicht nur das alte Geschäftsmodell des Bezahlens von den Banken übernehmen, sie wollen diese überflüssig machen. Neue virtuelle Währungen sind ein wichtiger Schritt dorthin. Ein Auszug aus der Trendstudie „Geld-Gehirn“.

Von Janine Seitz

Zukunftsinstitut / Ksenia Pogorelova

Blockchain schickt sich an, nicht nur die Finanzbranche zu revolutionieren, sondern alle Transaktionen zwischen Computern grundlegend zu verändern. Doch eine neue Währung zu kreieren, die auch funktioniert, erfordert viele Voraussetzungen: Sie muss fälschungssicher sein und darf nicht unkontrolliert ausgegeben werden oder sich inflationär vermehren. Auch die Sicherheit von Transaktionen und die sichere Aufbewahrung von Beträgen muss gewährleistet sein. Außerdem wollen diese Alternativwährungen oftmals nicht Teil des bestehenden Finanzsystems sein, um unabhängig von diesem zu sein. Den neuen Geld-Medien im Netz liegt zudem der Wunsch zugrunde, dezentral organisiert zu sein und von allen Nutzern gemeinsam kontrolliert zu werden. Bitcoins (digitale Münzen) sind aktuell die bekannteste Alternativ-Währung. Nach eigenen Angaben der Hauptentwickler und Community erfüllen Bitcoins die typischen Geldeigenschaften, nämlich Beständigkeit, Portabilität, Übertragbarkeit, Knappheit, Teilbarkeit und Erkennbarkeit.  

Kryptowährung Bitcoin als alternatives, virtuelles Geld-Medium

Das Netzwerk von Bitcoin-Clients ermöglicht und kontrolliert die dezentrale Verarbeitung von Zahlungen. Abgespeichert werden all diese Transaktionen in einer Textdatei, der Blockchain. Block für Block beinhaltet und dokumentiert diese Kette die Historie aller mit Bitcoins getätigten Zahlungen. Da alle Informationen immer für alle zugänglich sind, braucht es keine zentrale Verwaltungsstelle mehr. Es entsteht ein dezentrales selbstorganisiertes System, das die Banken in der bisherigen Form künftig überflüssig machen könnte.

Die Bitcoin-Clients sind zugleich eine digitale Brieftasche, Wallets genannt, und manche von ihnen stellen auch einen Kommunikationsknotenpunkt im Netzwerk dar: an den Nodes werden die Transaktionen geprüft, mit der Blockchain abgeglichen und an Der Zahlungsverkehr wird durch das gesamte Netzwerk kontrolliert andere Nodes im Netzwerk weitergeleitet. Die Richtigkeit und Gültigkeit eines Zahlungsverkehrs wird also nicht durch eine Instanz kontrolliert, sondern durch das gesamte Netzwerk.

Wer braucht noch einen Vermittler?

Die Kryptowährung Bitcoin zeigt, dass der Vermittler bei einer Transaktion überflüssig werden kann. Traditionelle Vermittler verlieren in der digitalen Ökonomie ihre Macht und ihr Alleinstellungsmerkmal als „Geldhüter“, die die Sicherheit der Transaktion und der Aufbewahrung garantieren.

Blockchain schickt sich an, nicht nur die Finanzbranche zu revolutionieren, sondern alle Transaktionen zwischen Computern grundlegend zu verändern, so z.B. auch das Online-Shopping. Macht und Kontrolle werden somit nicht nur von Instanzen auf die Crowd übertragen, sondern auf ein Netzwerk von Rechnern, das sich dann selbst kontrolliert. Blockchain gilt als nicht manipulierbar und vollkommen transparent, da jeder die getätigten Transaktionen einsehen kann. Deshalb findet diese Technik auch abseits von virtuellen Währungen immer mehr Aufmerksamkeit. Viele Vorgänge, die mittels Verträgen geregelt sind und der (zumindest stichprobenweisen) Überwachung bedürfen, können mit Smart Contracts, die auf der Blockchain basieren, selbst organisierend und selbst überwachend abgewickelt werden.

 

 

Blockchain: das dezentrale Netz! / Zukunftsinstitut / Ksenia Pogorelova

Empfehlen Sie diesen Artikel!

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Janine Seitz

Die studierte Kulturanthropologin ist seit 2008 Redakteurin des Zukunftsinstituts. Ihr Fokus: die Zukunft des Handels, Digitalisierungstrends und Global Sustainability. Als Projektleiterin verantwortet Seitz die inhaltliche Koordination der Branchen-Reports.