Der Wandel der Welt

StockSnap / NASA / Earth / CC0

2016 war ein krisengeschütteltes Jahr: Flüchtlingsströme, AfD und dann auch noch Trump. Eine Krise jagte die andere, und die Meldungen über Terror und Umweltkatastrophen brachen nicht ab. Wer kann da noch optimistisch ins neue Jahr sehen?

Die Internetseite OurWoldInData.org präsentiert die Welt in einer beindruckenden Sammlung von Informationsgrafiken. Diese Daten zeichnen ein Bild der Realität, das oft nicht mit der medialen Berichterstattung im Einklang scheint: Der in Deutschland geborene Ökonom Max Roser hat ein Werkzeug geschaffen, das der Welt einen Spiegel vorhält – den Spiegel der Realität in Zahlen. Und diese Daten erzählen eine ganz andere Geschichte: Die Menschheitsgeschichte wird von Fortschritten und Entwicklungen zum Guten getragen.

So macht der anhaltende globale Fortschritt die Menschheit friedlicher, demokratischer und weniger gewalttätig. Weltweit steigt der Lebensstandard und ermöglicht immer mehr Menschen ein gesünderes und glücklicheres Leben. Die zurückgehende Armut und eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln erhöhen die Lebensqualität vieler Menschen. Um diese positiven Entwicklungen sichtbar zu machen, sammelt und visualisiert Max Roser mit seinem Team an der University of Oxford eine Fülle von Daten über die Entwicklung der Welt. Die Infografiken, die Sie hier sehen, basieren weitgehend auf diesem Material. Sie eröffnen eine neue, hoffnungsvollere Perspektive auf drei große Themen des alten und neuen Jahres.

1. Flüchtlinge

Das beherrschende Thema in der EU war 2016 der Zustrom von Flüchtlingen, vor allem aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Die EU zeigte sich bei ihren Lösungsbemühungen auch deshalb gelähmt, weil sich der Zustrom der Flüchtlinge und Asylsuchenden sehr ungleich über Europa verteilte.

Schon vor dem plötzlichen Zustrom gab es in den EU-Ländern stark unterschiedliche Quoten von im Ausland geborenen Bewohnern. Eine durchweg sehr niedrige Quote haben die jüngsten Beitrittsländer – mit Ausnahme der baltischen Staaten, die einen hohen Anteil von in Russland geborenen Menschen aufweisen. Auf der anderen Seite verzeichnen fast alle "alten" EU-Länder einen zweistelligen Anteil. Die höchsten Werte in Europa haben die Schweiz (nicht in der EU), Schweden, Österreich, Irland und Deutschland – allerdings stammt die stärkste Zuwanderergruppe hier oft aus anderen EU-Ländern.

2. Demokratie

Die meisten Länder der Welt sind heute Demokratien: Die Menschen können über Wahlen oder Abstimmungen am politischen Entscheidungsprozess partizipieren, und der Schutz von Menschenrechten und Minderheiten ist rechtlich verankert. Die Entstehung und Etablierung der Demokratie als Regierungsform war ein langwieriger und von Rückschlägen geprägter Prozess. Er gewann erst nach dem Ersten Weltkrieg an Dynamik – nur um in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg wieder einen deutlichen Dämpfer zu erhalten. Die Nachkriegszeit war von den Blöcken des Kalten Krieges dominiert. Erst der Zusammenbruch des Warschauer Paktes führte zum Entstehen vieler neuer Demokratien.

Zur Demokratiemessung nutzt OurWorldInData.org die Daten des Polity-Index, wobei fünf Dimensionen zum Einsatz kommen:

  • Wie kompetitiv ist der Wettbewerb um Regierungsmacht?
  • Wie offen ist der Wettbewerb um Regierungsmacht?
  • Inwieweit ist die Macht der Regierung eingeschränkt?
  • Wie kompetitiv ist die politische Partizipation?
  • Inwieweit ist die politische Beteiligung reguliert?

3. Bildung

Der vielleicht wichtigste Weg zu mehr Wohlstand und Lebensqualität ist Bildung. Der Grundstein dafür liegt in der Fähigkeit, lesen und schreiben zu können. Heute gibt es noch immer mehr als 1 Milliarde Analphabeten auf der Welt. Setzt man diese Zahl allerdings ins Verhältnis zu der enorm angestiegenen Weltbevölkerung, werden die großen Erfolge der vergangenen Jahre deutlich. Während im 1820 nur 12 Prozent der Weltbevölkerung lesen und schreiben konnten, hat sich das Verhältnis nun beinahe umgekehrt: Nur noch 17 Prozent der Weltbevölkerung sind Analphabeten.

In Westeuropa wurde das Fundament für eine erfolgreiche Bildungsgeschichte bereits im 18. Jahrhundert gelegt. So führte Norwegen bereits 1739 die verpflichtende Volksschule ein. In wirtschaftlich schlecht aufgestellten Ländern setzte die Alphabetisierung erst langsam nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Prognosen zeigen aber, dass die Menschheit global immer gebildeter wird: Verfügten 1970 nur rund 700 Millionen Menschen über mindestens einen Hauptschulabschluss (Sekundarstufe), wird sich diese Zahl bis zum Ende des 21. Jahrhunderts auf 7 Milliarden verzehnfachen. Dieses Aufholen wird vor allem in den ärmeren Ländern stattfinden und dort zu einer beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Wir können davon ausgehen, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2100 wesentlich gebildeter sein wird als heute.

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