Cool Queers: Gender Drift in der Popmusik

Eindeutige Gender-Zuordnungen sind in der Unterhaltungsindustrie nicht mehr obligat. Im Gegenteil: Queerness wird zum Erfolgsrezept.

Von Lena Papasabbas (07/2015)

Musiker, die sich der LGBT (Lesbian, Gay, Bisexuell, Transgender)-Szene zugehörig fühlen oder sonstwie “queer” sind, also nicht den üblichen Zuschreibungen von “Mann” und “Frau” entsprechen, sind auf dem Vormarsch. Was mit Einzelkämpfern wie Elton John, Prince oder Freddie Mercury begann, ist massenkompatibel geworden. Musikalisch breit gefächert, machen erfolgreiche Künstler wie The Gossip, Patrick Wolf, The XX oder Conchita Wurst ganz nebenbei Queerness zur Normalität.

Zum Beispiel Shamir Bailey, besser bekannt als Shamir: Der 1994 in Las Vegas geborene Künstler feiert mit seinem androgynen Habitus Erfolge. Seine tanzbare Mischung aus Pop, Disco und Funk besticht vor allem durch die ungewöhnliche Falsettstimme. Auch seine Auftritte sind eindeutig uneindeutig. Shamir selbst wehrt sich gegen eine Kategorisierung: “nicht weiblich, nicht männlich, sondern ein fröhliches Dazwischen. Ich denke, wenn es mehr davon in der Welt gäbe, würden unserer Probleme verschwinden.”


Unsere Studie "Gender Shift"

Der Gender Shift ist zu einem richtungsweisenden Megatrend geworden, der gigantische Auswirkungen auf Kultur, Politik und Wirtschaft hat und haben wird – langfristig und weltweit. Geschlechterrollen werden aufgebrochen und verlieren an Bedeutung. Und damit auch an Verbindlichkeit.
Mehr über die Studie

Das Fehlen einer eindeutigen Geschlechtszuordnung und vermeintliche sexuelle Devianz werden heute nicht nur akzeptiert, sondern können gerade zum Erfolgs-Katalysator werden. Denn was die Fangemeinde liebt, ist Authentizität - und die findet sich oft abseits von traditionellen Rollenzuschreibungen. Musiker haben gerade für junge Leute eine Idolfunktion, und heute identifizieren sich Hunderttausende mit queeren Charakteren. 

Das verändert auch den gesamtgesellschaftlichen Diskurs. Diese Popularität von queeren Musikern ist Oberflächenphänomen eines tiefgreifenderen Wandels: der langsamen Erosion des traditionellen binären Geschlechter-Modells.

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