Streaming Retail

Der Trend zum Streaming macht aus dem Konsum einen Kreislauf: Der Akt des Kaufens ist nie endgültig abgeschlossen, das Produkt nie endgültig vollständig. Updating wird zum Credo, das auch dem Handel neue Vertriebschancen bietet.
Retail Report 2017

Starbucks Corporation / news.starbucks.com

Nur was kommt, hat Wert: In einer Zeit, in der alles jederzeit verfügbar erscheint, begeben sich Handel und Konsum auf die Überholspur. Für Konsumenten, die ständig auf der Suche nach der immer besseren Lösung sind, ist nur noch selten das Vergangene von Bedeutung. Lange Zeit wurde im Handel damit gearbeitet, die Produktzyklen zu verkürzen: von Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektionen in der Mode bis zu Fast Fashion, womit bis zu zwölf Kollektionen im Jahr möglich sind. Auch die Hersteller von Consumer Electronics setzen auf die Karte, dass sich Technik, sobald sie auf dem Markt ist, innerhalb von kürzester Zeit überholt.

Der schnelle Konsum hat zwar noch viele Menschen im Griff, doch immer mehr beginnen, diese Form des Verbrauchs zu hinterfragen. Dinge zu besitzen, um sie für kurze Zeit zu nutzen und danach wegzuwerfen, entspricht nicht mehr den Werten der heutigen Gesellschaft. Das Prinzip des Streaming Retail ist Teil der Circular Economy, die Produkte im Kreislauf hält, um Müll möglichst gänzlich zu vermeiden, und doch sorgt es für einen langfristigen Konsum. Den Wunsch, schon heute die Zukunft zu kaufen, setzt der Streaming Retail gekonnt ein. Denn das bedeutet nicht, ein Mehr an Produkten zu kaufen, sondern Produkte, die man bereits besitzt, permanent zu optimieren und upzudaten. Mit dem Verkauf von Erweiterungen und Abonnements statt fixer Produkte und mit Never-Ending-Services bieten sich dem Handel neue Möglichkeiten.


Unser "Retail Report 2017"

Der Handel steckt mitten in der digitalen Disruption. Wer jetzt den Einstieg in die Vernetzung nicht schafft, bleibt auf der Strecke. Der Retail Report lädt Sie ein auf eine Reise in die Gegenwart der Zukunft und dient zugleich als Instrument, den Handel voranzubringen – online wie offline. Denn wir sind überzeugt: Der stationäre Retail bietet genügend Raum für Innovationsgeist  – es ist an der Zeit, diesen Raum zu nutzen. 

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Von der Beschleunigung zur Update-Kultur

Glück ist neben der Sinnsuche einer der wichtigsten Faktoren der Individualgesellschaft. Jeder will glücklich sein, doch statistisch gesehen hält dieser Zustand im Durchschnitt heute nicht länger als zwölf Stunden an. In unserer Gesellschaft, in der alles sofort machbar und möglich erscheint, ist das Glücklichwerden keine Schwierigkeit, das Glücklichbleiben scheint dagegen umso schwerer. Immer werden wir vom Gefühl begleitet, dass noch etwas Besseres, Schnelleres, Bunteres, Schöneres auf uns wartet. Ein Zustand, der nicht nur den Handel, sondern auch die Kunden selbst ermüdet.

Mit der zunehmenden Schnelligkeit, die der heutige Handel mit sich bringt, ist es normal geworden, schon wieder an das nächste Produkt zu denken, wenn man gerade etwas gekauft hat. Der Konsum soll im Hier und Jetzt stattfinden, doch die Bedürfnisse sind die von morgen oder der nächsten Stunde. Noch nie war der Kunde so wankelmütig wie heute und so schnell auf der Suche nach dem nächsten Produkt-Highlight.

Einen großen Einfluss auf diese ständige Update-Kultur haben dabei die digitalen Streaming- und Sharing-Anbieter, die nicht mehr starre Produkte, sondern Leistungen bieten, die zu der jeweiligen Stimmung und Lebensphase passen. Die bekanntesten Dienstleister sind wohl Spotify und Netflix, die Abonnements anbieten, statt CDs und DVDs zu verkaufen.

  • Mit Musikstreaming werden 2016 weltweit voraussichtlich 3,7 Milliarden Euro umgesetzt, wobei die USA, China, Deutschland und Japan die umsatzstärksten Märkte sind. Bis 2020 wird ein jährliches Wachstum von 11,1 Prozent prognostiziert.
  • Subscription-Video-on-Demand beschreibt den unbegrenzten Zugang zu digitalen Bibliotheken von Videoinhalten gegen eine monatliche Abonnementgebühr. 2016 wird der weltweite Umsatz bei knapp 8 Milliarden Euro liegen. Bis 2020 wird mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 11,7 Prozent gerechnet. In Deutschland liegt die Nutzerpenetration lediglich bei 6,4 Prozent, in Skandinavien und den USA dagegen bereits bei über 20 Prozent (Statistas Digital Market Outlook).

Streaming-Angebote sind nicht nur ein Phänomen der Digitalisierung, sondern eine Reaktion auf die Nachfrage von Kunden, die ständig Veränderung und individuelle Flexibilität verlangen. Sie zahlen für eine regelmäßige Dosis Glückskonsum, die jedem Kaufmoment einen weiteren, passenderen folgen lassen kann. Dabei wird das nie endende Angebot Erfolgsfaktor der Dienste und gleichzeitig Verpflichtung, stets in die Zukunft zu blicken: Angebote, die der permanenten Aktualität nicht standhalten, werden schnell ersetzt.


Permanent Beta: Die Evolution von Produkten

In diesem neuen Marktumfeld gilt jedoch ebenfalls noch immer das Credo: Produkte müssen dem Kunden gefallen. Nur ist das heute für “fixe” Produkte und Marken schwieriger denn je. Denn über den ständigen Blick in die Zukunft hinaus erfordert es die Individualität der Update-Gesellschaft, je nach Situation und Lebensphase den ständigen Erwartungen entgegenzukommen. Das verändert die heutigen Produktzyklen grundlegend. Mit dem Anspruch, den Bedürfnissen der Kunden zu gefallen, werden auch die gefragten Verkaufsmodelle immer individueller und flexibler.

So verkaufen Handelsunternehmen adaptierbare Erweiterungen und Erwartungen statt der letztendlich “fertigen” Produkte. Diese begleiten den Kunden langfristig und verhindern Die individuellen Bedürfnisse der Kunden machen auch die Verkaufsmodelle immer flexibler. somit, dass er zum nächsten Anbieter springt. Ein großer Vorteil sind die neuen digitalen Möglichkeiten, Produkte vernetzt zu evoluieren und damit langfristig attraktiver zu gestalten. Ein Beispiel ist das Album “The Life of Pablo” des Musikers Kanye West, das, obwohl bereits im Handel erhältlich, dennoch ständig neu entworfen wird.

Trendprognose

Das Prinzip des Streamings beginnt im Handel als neues, vielversprechendes Konzept Fuß zu fassen. Viele Händler und Marken befinden sich in der Testphase mit neuen Always-on-Konzepten. Dass das Potenzial des Streaming Retails dabei noch nicht seinen Zenit erreicht hat, zeigen allein die ökonomischen und ökologischen Vorteile des Phänomens. Die stark individualisierte Erwartungsgesellschaft nimmt den Streaming-Trend gerne an. Ständig aktuell zu sein, den Kunden in seiner Wankelmütigkeit zu begleiten und auf Knopfdruck zu reagieren, das sind die Parameter des erfolgreichen Streaming Retail. Wer hier langfristig Loyalität erreichen will, muss unweigerlich seine Strukturen flexibler und vernetzter gestalten und jederzeit auf Abruf Services und Lösungen bieten.

In Zukunft kann der Handel aus dem Trend zum Streaming neue Impulse ziehen: in Form von regelmäßigen lebendigen Live-Geschichten, die den Kunden im Alltag begleiten, Abonnements und Updatefunktionen von Services und Produkten, die den Konsumenten immer auf dem neuesten Stand halten, und neuen Realtime-Streaming-Formaten, die dem stationären Handel neue Präsenz und Schlagkraft verleihen.

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Dossier: Handel

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„Handel ist Wandel“ – das ist die Devise einer Handelslandschaft. Das Flächenwachstum im stationären Einzelhandel stößt an seine Grenzen, und im Internet wird die Handelswelt neu vermessen.

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