Die Zukunft der Esskultur

Ernährungsentscheidungen werden immer bewusster getroffen. Doch was aus medizinischer Sicht tatsächlich gesund und was lediglich Foodie-Lifestyle ist, spielt für das Gesundheitsgefühl nur eine sekundäre Rolle. Ein Auszug aus unserer neuen Studie "Health Trends".

Von Diana Hertle

Pixabay / kaboompics / Water with Lemon / CC0

Wie ernst es den Deutschen mit einer gesünderen Lebensweise ist, verdeutlichen die Veränderungen auf dem Biermarkt. Lag der Bierkonsum im Vergleich zu Mineral- und Heilwasser im Jahre 1970 noch deutlich höher, hat sich das Verhältnis heute umgekehrt: 150 Liter Wasser zu 110 Liter Bier Pro- Kopf-Verbrauch. Gleichzeitig stieg die Diversität an Biersorten erheblich. Wenn also Bier, dann geht der Trend zum Exklusiven, Hochwertigen und handwerklich Gebrauten.

Als am gesündesten gelten Lebensmittel mit den Labels regional und bio. Zudem halten zwischen 60 und 80 Prozent der Befragten eine Ernährung ohne künstliche Aromen, ohne Gentechnik, ohne Gluten, ohne Fleisch oder vegan für gesundheitsfördernd. Free-from-Produkte genießen heutzutage ein immenses Vertrauen der Verbraucher und haben ein entsprechendes Labeling in den Verkaufsregalen befördert. In Zukunft wird das jedoch überflüssig werden. Denn der Kunde fordert vom Markt zunehmend ein Nahrungsangebot, bei dem gesunde Optionen zur Selbstverständlichkeit werden und nicht erst auf der Packungsrückseite herausgelesen werden müssen. Das bedeutet umgekehrt, die Masse an unnötig mit ungesunden Inhaltsstoffen versetzten Nahrungsmitteln künftig zu reduzieren und entsprechend zu kennzeichnen.

Früher punkteten Fertiggerichte durch Zeit- und Arbeitsersparnis. Heute halten sie den Anforderungen an eine gesunde, ausgewogene und genussvolle Ernährung aber oft nicht mehr stand. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Ready-to-cook-Mahlzeiten oder To-go-Produkte aktuell kein gesundes Image haben. In Zukunft geht es bei Convenience daher nicht mehr um bequeme Produkte um jeden Preis, sondern um alltagstaugliche Esslösungen, die ein gesünderes Essverhalten fördern und gleichzeitig einen Bezug zu den Nahrungsmitteln ermöglichen. Der Boom von Lieferdiensten ist Zeugnis dieser Entwicklung und geht von der Bio-Gemüsebox über die Rezeptbox, in der alle Zutaten für ein gewünschtes Rezept versammelt sind, bis hin zu solchen, die dezidiert gesunde Mahlzeiten ausliefern.

BEST PRACTICE: Garantiert gesunde Mahlzeiten

Der Online-Lieferdienst EatClever vereint Wissen über gesunde Ernährung mit den Skills der besten deutschen Lieferservices. Das Besondere: Ernährungswissenschaftler entwickeln Gerichte nach neuesten Erkenntnissen, die Kunden bekommen detaillierte Nährwert- und Zutatenangaben zu ihrem Essen. EatClever erleichtert es seinen Kunden, dem Bedürfnis nach gesunder Ernährung nachzugehen, indem ausschließlich gesunde und leckere Mahlzeiten angeboten werden.
eatclever.de

Wenn es um gesunde Ernährung geht, ist der Ruf nach staatlichem Eingreifen in Deutschland relativ laut. 92 Prozent der Bevölkerung fordern eine verpflichtende Ernährungsbildung in Kita und Schule. 78 Prozent sind der Meinung, dass neutrale Informationen zum Thema Ernährung bereitgestellt und vermittelt werden sollten, um einen wirkungsvollen Effekt zu erzielen. Sie verleihen dadurch ihrem Bedürfnis nach mehr Kontrolle und Sicherheit beispielsweise bei Produktkennzeichnungen Ausdruck. Eine höhere steuerliche Belastung von allgemein als "ungesund" verschrienen Lebensmitteln, hier besonders fett- oder zuckerreiche Lebensmittel, fordern 43 Prozent der Deutschen.

Spürbar wird, dass gesunde Ernährung nicht nur ein gesellschaftlicher Wert, sondern eine geforderte Norm ist. Der soziale Druck rührt nicht zuletzt aus der Angst, Opfer und nicht Profiteur des Solidarprinzips der Krankenkassensysteme zu sein. Er macht aber auch deutlich, dass Menschen künftig immer weniger bereit sind, einen Lebensmittelmarkt zu akzeptieren, bei dem die Gesundheit von Produkten nicht an erster Stelle steht.

Dieser Text ist ein Auszug aus der im Oktober 2016 erschienenen Studie "Health Trends".

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Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Diana Hertle

Die Studentin für Management sozialer Innovationen und ausgebildete Erzieherin befasst sich mit der Vereinbarkeit und Wechselwirkung von klassischer Wirtschaft und sozialen, ökologischen Herausforderungen. Dabei ist sie auf der Suche nach dem Social Business der Zukunft. Außerdem interessiert sie sich dafür welche Auswirkungen der Megatrend Gesundheit auf die Generation Y hat. Das Zukunftsinstitut unterstützt sie in den Bereichen Research, Bildredaktion und als Autorin.