Innovationsfeld Social Business

Social Business setzt auf innovative Lösungen – zum Wohl der Welt. So werden Fairness, Nachhaltigkeit und sozialer Nutzen als unternehmerische Erfolgskriterien immer wichtiger.

Von Jacqueline Becker (12/2015)

© Coca-Cola Journey / coca-colacompany.com

Nachdem die globale Wertschöpfungskette lange Zeit auf pure Effizienz gepolt war, setzt bei Konsumenten und Unternehmen ein Sinneswandel ein: Der Fokus liegt immer mehr darauf, Mitarbeiter fair zu behandeln, Produzenten, Lieferanten und Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und den gesellschaftlichen Nutzen des unternehmerischen Tuns zu hinterfragen. Angetrieben von ermächtigten Konsumenten, für die ein sauberes Image und faire Produktionsbedingungen entscheidende Kaufargumente sind, etabliert sich ein ganz neuer Unternehmenstypus: Social Business.

Der innovative Ansatz dieser Unternehmen besteht darin, dass sie soziales und ökologisches Engagement nicht nur als Teil des Marketings oder der CSR verstehen. Im Gegenteil: Das Social Mindset bildet den grundlegenden Treiber ihres unternehmerischen Engagements. So übernehmen Social Businesses zunehmend die Funktion, die einst Regierungen und NGOs innehatten: Sie lösen gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischem Geist und rücken die “Weltverbesserung” ins Zentrum ihrer Wertschöpfungskette. Dieser Ansatz begünstigt die Entstehung von innovativen Produkten und Services – wie die folgenden Beispiele belegen.


Slow Business 

Jahrzehntelang war das Streben nach Fortschritt vom Glauben an Beschleunigung bestimmt. Entscheidungen im Management, Innovationsprozesse, Immobilienprojekte, kreative Geistesblitze – wenn etwas zu lange dauerte, war es schlecht. Langsam wird jedoch klar: Zeitknappheit und Alltagsstress erlöst man nicht durch noch mehr Effizienz. In der Studie Slow Business signalisieren 8 Wirtschaftsbereiche die Absage an die alte, dem Ende entgegenrasende Beschleunigungsökonomie. Entdecken Sie in Slow Business, was Fortschritt ohne Schnelligkeit im Zeitalter der Achtsamkeit bedeutet.
Mehr über diese Studie

Slingshot: Sauberes Wasser für alle

Dean Kamen, Avantgardist für anwendungsbezogene Technologien und Preisträger des Global Humanitarian Action Award, hat ein Gerät entwickelt, das mehr Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen soll: Der Slingshot reinigt jede Art von Wasser durch Destillierung, ohne Einsatz von Chemikalien. Im Gegensatz zu vergleichbaren Geräten ist der Slingshot kleiner, mobiler, weniger wartungsanfällig – und preiswerter: eine Technologie, die künftig in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen könnte. Erweitern möchte Kamen den Slingshot durch einen Generator, der die für die Destillierung benötigte Energie durch die Verbrennung von Müll liefert. Eingesetzt wird der Slingshot bereits in den solarbetriebenen Ekocentern der Coca-Cola Company, von denen bis Ende 2015 ca. 2000 weltweit aufgestellt werden sollen. Neben sauberem Trinkwasser bieten sie auch Kühlschränke, Internetzugang, Hygieneartikel – und natürlich Coca-Cola-Produkte. Die Idee stammt von dem Berliner Unternehmen Solarkiosk.

Manomama: Zweite Chance für Benachteiligte

Hinter dem Augsburger Textilproduzenten Manomama steht eine soziale Gründungsidee: Benachteiligte Menschen, etwa Langzeitarbeitslose oder psychisch Kranke, können bei Manomama unbefristete Verträge und einen geregelten Lohn von mindestens 10 Euro pro Stunde erhalten. Zudem werden die Textilien ausschließlich aus ökologisch und zum Großteil auch regional produzierten Rohstoffen hergestellt. Alle weiteren Verarbeitungsschritte finden zudem in einem Umkreis von 300 km statt. Gründerin Sina Trinkwalder finanzierte ihre Idee komplett selbst, denn staatliche Förderung und ein Bankkredit blieben aus. 2014 machte das Unternehmen rund acht Millionen Euro Umsatz. Im April 2015 eröffnete der erste Manomama-Store in der Augsburger Innenstadt – auch hier arbeiten nur Menschen, die regulär kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Discovering Hands: Blinde Brustkrebsexperten

Das Unternehmen Discovering Hands will eine frühestmögliche Erkennung von Brustkrebs ermöglichen. Dazu werden in einer speziellen neunmonatigen Ausbildung blinde und sehbehinderte Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) ausgebildet – sie verfügen über einen deutlich ausgeprägteren Tastsinn. Das innovative Konzept eröffnet also neue Berufschancen für Blinde und Sehbehinderte: Die Behinderung wird zur Begabung. Mittlerweile wird das Programm in 24 Praxen in Deutschland angeboten.

MagDas: Flüchtlinge integrieren

Die von der österreichischen Caritas realisierten Projekte unter der Dachmarke MagDas – unter anderem zwei Großküchen, ein Supermarkt, eine Recycling-Firma und ein Hotel in Wien – haben die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen zum Ziel. Neben wenigen Profis arbeiten in den Projekten ausschließlich Flüchtlinge, die in Österreich als Asylbewerber anerkannt sind oder eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung haben.

Carla: Mit Second Hand zum neuen Job

Ein weiteres Projekt der österreichischen Caritas sind die Second-Hand-Läden Carla. Sie geben Langzeitarbeitlosen eine befristete Arbeitsstelle und somit eine Qualifizierung für den Wiedereinstieg in einen neuen Job. Die Läden bieten auch Dienstleistungen an, etwa Gartenarbeiten oder Teppich- und Möbelreinigung. Jeder Einkauf unterstützt die Projekte der Caritas.

Der Erfolg dieser Social Businessmodelle zeigt: Soziales Engagement und wirtschaftlicher Gewinn können Hand in Hand gehen. In einer globalisierten Welt wird dieses Modell ein wichtiger Treiber – für soziale Gerechtigkeit wie für wirtschaftlichen Erfolg.

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