Interdisziplinäre Innovation braucht Freiraum

Interdisziplinäre Innovationsteams sind die Hoffnungsträger vieler Unternehmen. Eine Studie zeigt, dass die Potenziale solcher Teams oft nicht ausgeschöpft werden.

Von Patricia Wolf (12/2015)

Wer sich nicht ständig erneuert, wird vom Sturm des Wandels weggeblasen. Ein permanent steigender Wettbewerbsdruck hat das Thema Innovation in den vergangenen Jahren ganz nach oben auf die Agenda gerückt. Neue Kundenanforderungen, Konkurrenzprodukte oder Technologiesprünge veranlassen über die Hälfte der Unternehmen, innovativ zu arbeiten - und viele setzen dabei auf interdisziplinäre Teams. Mit gutem Grund? Das Zukunftslabor CreaLab der Hochschule Luzern ging dieser Frage im Rahmen einer Studie nach.

Für 80 Prozent der befragten Unternehmen bilden interdisziplinäre Teams den Rahmen, um Innovationsprozesse anzustoßen. Den Mehrwert sehen die meisten in originelleren und qualitativ hochwertigeren Ideen. 64 Prozent der Befragten gaben sogar an, interdisziplinäre Arbeit verkürze die Zeit bis zur Markteinführung einer neuen Businessidee.

Mitglieder interdisziplinärer Innovationsteams weisen jedoch selten soziodemographische Unterschiede auf. Zwar unterscheiden sie sich oft bezüglich Ausbildungshintergründen (43 Prozent), Abteilungszugehörigkeiten (68 Prozent) und Hierarchiestufen (32 Prozent), doch Alter (4 Prozent), Geschlecht (2 Prozent) und Nationalität (6 Prozent) sind überraschenderweise fast nie Kriterien bei der Teamzusammensetzung. Dabei wäre gerade eine Durchmischung in Bezug auf Geschlecht und Alter vielerorts leicht erreichbar und sinnvoll - denn Unterschiedlichkeit fördert die Vielfalt von Ideen.

Zudem unterliegen interdisziplinäre Teams meist starren Führungs- und Organisationsstrukturen. Die Führung wird von einer festgefahrenen Hierarchieebene geregelt. Lediglich ein Drittel der Teams arbeitet selbstbestimmt, während die Mehrzahl streng kontrolliert wird. Nur knapp ein Viertel verfügt frei über ein Budget. Drei Viertel fällen Finanzentscheide nur in Rücksprache mit Vorgesetzten oder agieren ohne designiertes Budget in einem Projektumfeld.

70 Prozent der Innovationsverantwortlichen koordinieren interdisziplinäre Arbeit überdies vor dem Hintergrund begrenzter Zeitbudgets der Teammitglieder. Auch Unterschiede in Motivation (43 Prozent) und Erwartungen (57 Prozent) der Teammitglieder halten die Befragten für schwierig. Sie berichten von Verständigungsproblemen wegen verschiedener Kommunikationsstile (43 Prozent), Erfahrungen (40 Prozent) und Fachjargons (29 Prozent).

Die Befragung zeigt also Widersprüchliches: Als wichtig gelten klare Strukturen, Freiraum und Unterschiedlichkeit. Praktiziert wird jedoch wenig Selbstbestimmung in Projektumgebungen - und Alter und Geschlecht spielen für die Teamzusammensetzung selten eine Rolle.

Die Erfahrungen der befragten Innovationsmanager führen zu folgenden Konsequenzen:

  1. Gemeinsamkeiten herstellen: Ziele und Ideen sollten Teammitglieder gemeinsam  entwickeln. Kreativitätsmethoden, professionelle Sitzungsmoderation und Teambildungsmaßnahmen unterstützen dies.
  2. Klarheit schaffen: Klare Führungsstrukturen und transparente Kommunikations- und Entscheidungswege ermöglichen, dass Teammitglieder sich auf ihre Aufgabe konzentrieren.
  3. Freiraum fördern: Interdisziplinäre Innovation braucht gelebten Freiraum und Offenheit. Flache Hierarchien und Co-Leitungen helfen.

Über die Autorin

Prof. Dr. Patricia Wolf ist Leiterin des Zukunftslabors CreaLab und Forschungskoordinatorin des Instituts für Betriebs- und Regionalökonomie an der Hochschule Luzern.

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