Keine Angst vor Tools!

Wie können wir uns arrangieren in einer immer komplexer vernetzten Welt? Der intelligente Umgang mit digitalen Tools wird zur neuen Zukunftskompetenz.

Von Harry Gatterer (11/2015)

Es gibt viele Kompetenzen, die wir im 21. Jahrhundert neu entdecken und erlernen müssen. Paradoxie-Kompetenz zum Beispiel: der Umgang mit extrem widersprüchlichen, gleichzeitigen Ereignissen. Oder Kontext-Kompetenz: die Fähigkeit, bei Entscheidungen nicht nur das Unmittelbare zu überblicken, sondern die weiteren Zusammenhänge zu sehen. Daneben gibt es aber noch eine weitere wesentliche Fähigkeit, die wir erlernen müssen, auch wenn sie weniger aufregend erscheinen mag: Tool-Kompetenz

Es handelt sich um die Fähigkeit, viele unterschiedliche (elektronische) Tools im Alltag zu verwenden, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Auf unseren Smartphones können wir das schon nachvollziehen: Wir haben jede Menge Apps, die jeweils nur ein Fragment unseres Alltagslebens bedienen, weil sie sich darauf spezialisiert haben. Die Wetter-App kann eben Wetter-Vorhersagen, die Mail-App Mails, die Notiz-App Notizen. Trotz dieser populären Form der Tool-Anwendung sehnen wir uns im beruflichen Alltag stets nach finalen Lösungen. Nach dem einen Supertool, der einen tollen Anwendung für alles. 

Fakt ist jedoch: In einer so hoch komplexen Welt wie der unseren, die mit Begriffen wie „entgrenzt“, „fluide“ oder „hyperkomplex“ beschrieben wird, gibt es dieses eine Tool nicht mehr. Und wenn, dann ist es schon bald wieder falsch oder veraltet. 

Dafür gibt es viele Tools, die jeweils sehr spezialisiert sind auf bestimmte Anwendungen; es gibt viele Schnittstellen zwischen Tools, die Daten transferieren und abgleichen – und es gibt vor allem immer wieder neue Tools, die etwas noch besser, lässiger, einfacher können. Der Versuch, das eine, finale Supertool zu finden, ist also zum Scheitern verurteilt.

Selbst bei Großprojekten wie dem „Smart Home“ ist dies phänomenologisch nachzuvollziehen. In Deutschland versuchen sich ganze Industrien darin, Standards zu fixieren und Einheiten zu schaffen. In den USA hingegen baut man einfach einzelne Tools und geht davon aus, dass ihre Vernetzung im Nachgang passieren wird. Man baut das Potenzial der Zukunft mit in die Tools ein – und versucht nicht, die Zukunft vorwegzunehmen. Man entwickelt nicht erst das ganze System – um dann festzustellen, dass man an vielen Stellen scheitert.

Tool-Kompetenz ist deshalb eine Kompetenz, die nicht nur die Anwendung unterschiedlichster Werkzeuge meint. Tool-Kompetenz beinhaltet auch eine Haltung zur Zukunft, in der wir davon ausgehen, dass Tools und Anwender mit der Zeit wirklich intelligenter werden, sich vernetzen können und somit zu einem schlauen Tool-Set fusionieren. In diesem Sinne ist Tool-Kompetenz eine Zukunftskompetenz

Mehr zum Thema

Trust Economy: Die neue Netz-Wirtschaft

Trust Economy: Die neue Netz-Wirtschaft

Sicherheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor der Netz-Ökonomie. Dabei geht es nicht nur um technischen Support, sondern auch und vor allem um vertrauensbildende Maßnahmen.

Shitstorm vs. Candystorm

Shitstorm vs. Candystorm

Social Media funktioniert nicht einseitig: Jeder wird zum Kommunikationsagenten. Die „Golden Circle“-Methode hilft, die eigene Botschaft für soziale Medien herauszufinden.

Beim Hacken geht es um das Lernen! [Interview]

„Es geht ums Lernen“

Hacker-Ethik, Diversität und verbindende Elemente im Chaos Computer Club: Interview mit einem Hacker der ersten Stunde, der anonym bleiben möchte.

Empfehlen Sie diesen Artikel!