Der Multi-Performer: Leistung als Selbstverwirklichung

Menschen, die den Lebensstil des Multi-Performers verkörpern, sind zielstrebige Karrieristen, die mit Leistung argumentieren und technische Mittel zur Optimierung von Beruf und Alltag nutzen. Ein gekürzter Auszug aus der Trendstudie und dem Workbook “Lebensstile”.

Von Verena Muntschick

Zukunftsinstitut // Martin Markes, Die Zeichner

Der Multi-Performer vereint in sich die Werte der Leistungsgesellschaft – und gleichzeitig eine kluge und durchaus zukunftsweisende Art, Technologie nach ihrem tatsächlichen Mehrwert zu beurteilen und erfolgreich im professionellen und privaten Alltag einzusetzen. Der Einfluss der Multi-Performer auf die Gesellschaft ist generell hoch, da sie Entscheidungspositionen besetzen, Macht ausüben können und über ausreichende finanzielle Mittel verfügen.

Freiheitsliebende Einzelkämpfer

Unter den Menschen, die den Lebensstil des Multi-Performers verkörpern, finden sich überdurchschnittlich viele Selbstständige, die in ihrem eigenen Betrieb ganz ihr eigener Herr oder ihre eigene Herrin sein können. In einer digitalisierten Welt, in der Freizeit und Beruf nicht mehr zu trennen sind, nimmt der Multi-Performer die Arbeit auch gern mal mit nach Hause oder dorthin, wo er gerade unterwegs ist – an mobile Working Stations in der Bahn, an Flughafen oder in Cafés, aber auch an den Strand im Urlaub.

Immer auf der Höhe der Zeit

Multi-Performer achten darauf, stets ausführlich und gründlich informiert zu sein. Nicht nur beruflich, sondern auch privat wollen sie nichts verpassen – und bilden sich daher auch regelmäßig weiter. Networking – on- wie offline – ist für sie das A und O, um ihre Karriere voranzubringen. Schon aus diesen Gründen kümmern sie sich darum, in Sachen Digitales und Technologie mit allen wichtigen Entwicklungen Schritt zu halten und sich unabhängig vom Alter ihre Aufgeschlossenheit für neue Entwicklungen zu bewahren. Multi-Performer sind die Menschen, an denen sich neue digitale Tools messen müssen: Ein Produkt, das vor ihnen besteht, hat einen kritischen Konsumenten auf seiner Seite. Und: Sie sind wichtige Multiplikatoren, weil sie in technischen Angelegenheiten von Menschen eher mal um Rat gefragt werden als andere.

Stilvoll genießen: Luxus als Selbstverständlichkeit

Die Errungenschaften des digitalen Fortschritts begrüßt der Multi-Performer auch in seinem eigenen Reich. Dort nutzt er nicht nur die neuesten und vor allem besten Notebooks, Tablets und HiFi-Anlagen, sondern auch einen sprachgesteuerten Heimassistenten. Ich handle stets klug und strategisch, um das Beste für mich zu erreichen – das, was ich verdiene Auch andere Smart-Home-Anwendungen lässt sich der Multi-Performer dort installieren, wo er einen besonders großen persönlichen Komfort erwarten kann. Nicht abgeneigt ist er auch gegenüber intelligenten Selftracking-Gadgets, die ihm ermöglichen, den eigenen Alltag noch effizienter zu organisieren und die eigene Performance zu überprüfen. Dabei verfügt alles, was sich in seinem Haus oder seiner Wohnung findet, über einen besonderen Stil. Design, Innovation und Funktionalität sind entscheidende Aspekte, mit denen man den Multi-Performer perfekt ansprechen kann.

Sein im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich höheres Durchschnittseinkommen investiert der Multi-Performer gern in eine luxuriöse Lebensweise. Dies tut er nicht nur für das gute Gefühl eines Mehr an Lebensqualität, sondern auch um in den Genuss der Außenwirkung zu kommen. Sei es der schicke Sportwagen in der Garage oder der Hightech-Grill im Garten, den er seinem ausgewählten Freundeskreis vorführt. Auch hier aber gilt: Teure Sachen leistet er sich nicht in einem emotionalen Spontankauf, sondern wohlüberlegt und kalkuliert.

Zudem inszeniert sich der Multi-Performer gerne als Genießer und tritt auch mit Freude als Kenner auf. In seinem Weinkeller finden sich edle Tropfen, die auch mal aus einer außergewöhnlichen Lage stammen oder mit einer ganz besonderen Geschichte verbunden sind. Er kennt die angesagten Szenelokale, aber auch die feinsten Sternerestaurants seiner Stadt. Und ebenso weiß er Bescheid über die aktuellen Themen der politischen Talkshows und Nachrichten – sowie über die neuesten Fußball- und Formel-1-Ergebnisse oder Action-Streifen. Hier pflegt der Multi-Performer seine Networking-Leidenschaft, die er auf dem Büroflur und in sozialen Netzwerken gleichermaßen nutzt, um über Smalltalk wichtige Kontakte zu knüpfen. Er kann sich perfekt an sein Gegenüber anpassen und es mit geeigneten Themen in ein Gespräch verwickeln.

Zukunftsausblick

Der technologiebegeisterte Multi-Performer sieht sich selbst weit vorn in der Gesellschaft. Er ist offen für Neues und probiert auch gern etwas aus. Zugleich muss die Technik für ihn aber auch funktionieren und einen echten Nutzen bringen. Somit ist er zwar kein Early Adopter, aber ein guter Gradmesser dafür, ob eine Technologie das Zeug dazu hat, im Mainstream erfolgreich zu sein. In einigen Wirtschaftsbereichen wird der Multi-Performer auch in den kommenden Jahren mit seiner Leistungsfokussierung erfolgreich sein. Langfristig und gesamtgesellschaftlich gesehen wird dieser Lebensstil jedoch nach und nach an Interesse verlieren: Unter den aktuell bereits sichtbaren Vorzeichen neuer sinn- und gemeinschaftsorientierter Wertewelten im Arbeits- und Wirtschaftsbereich wird sein Einfluss zurückgehen.

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus der Trendstudie und dem Workbook “Lebensstile”.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Lebensstile

Dossier: Lebensstile

Der Megatrend Individualisierung hat dazu geführt, dass sich Menschen nicht mehr an Cluster-Codes halten: Im 21. Jahrhundert wechseln sie zwischen Clustern nach situativen Anlässen, mehrmals pro Tag. Heutige Lebensstile definieren sich deshalb nicht mehr nach äußeren Zuschreibungen, sondern nach Wünschen und Werten.

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Verena Muntschick

Die studierte Germanistin, Anthropologin und Biologin ist seit 2014 für das Zukunftsinstitut tätig. Als Projektmanagerin, Researcherin und Autorin arbeitet sie an Studienprojekten und Auftragsarbeiten.