Die neue Achtsamkeit - der Mindshift der Avantgarde

Der Trend zur Achtsamkeit wird von Menschen aller Altersgruppen vorangetrieben, die in einer von dynamischen Veränderungen geprägten Welt einen grundlegenden Wertewandel subtil vorantreiben. Dieser Text verknüpft die Trendstudie Die neue Achtsamkeit mit den Erkenntnissen der Lebensstile Workbox.

Von Lena Papasabbas und Julia Senft

In einer Welt, die sich immer schneller zu wandeln scheint, werden die Themen Down-Shifting, Entschleunigung und die Rückkehr zum bewussten Leben immer präsenter. Achtsamkeit (engl. Mindfulness) – ist der wichtigste Gegentrend unserer Zeit.

Bemerkenswert ist, dass sich der Trend zur Achtsamkeit durch sämtliche Altersgruppen zieht. Aber auch wenn Mindfulness langsam im Mainstream ankommt, ist längst nicht jeder Lebensstil achtsam. Werte des Achtsamkeit-Trends, wie Selbstverwirklichung, Lebensqualität und Einfachheit, werden insbesondere von drei Lebensstilen auf unterschiedliche Weise geteilt und maßgeblich repräsentiert: den Self Balancern, Free Agern und Sinn-Karrieristen. Zusammen machen sie fast 35 Prozent der Gesellschaft aus: 23,8 Millionen der Deutschen führen einen dieser achtsamen Lebensstile. 

Self Balancer

Das individuelle Wohlbefinden und die eigene Gesundheit sind die dominierenden Lebensthemen der Gruppe der Self Balancer. Mit einer Kerngruppe im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, ist dieser Lebensstil vor allem unter Millennials weit verbreitet. Self Balancer sind sowohl genügsam als auch anspruchsvoll und ziehen Qualität der Quantität vor. Das Streben nach innerer Ich möchte mich beruflich verwirklichen und gleichzeitig mit mir selbst im Reinen sein und niemals meine Lebensenergie durch Stress oder Kummer verlieren Ausgeglichenheit und der perfekten Balance zwischen Freizeit und Arbeit ist für sie zentral. Hierbei integrieren sie den Grundgedanken des Yoga, im Hier und Jetzt die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu respektieren, in alle Bereiche ihres Lebens.

Self Balancer versuchen Stress möglichst zu vermeiden. Statt Karriere und Jetset-Lifestyle entscheiden sie sich für einen ruhigen Job in einem angenehmen Umfeld mit netten Kollegen. Indem die Self Balancer einen alternativen Lebensentwurf zur Leistungs- und Optimierungsgesellschaft vorleben, üben sie einen indirekten Einfluss auf sie aus. Mit ihrem Fokus auf ganzheitliches Wohlbefinden, Entschleunigung und Selbstverwirklichung verkörpern sie den Achtsamkeits-Trend in ihrer Generation wie kaum ein anderer Lebensstil. 

Free Ager

Pioniere des Achtsamkeits-Trends sind die Free Ager mit ihrem alterslosen Mindset. Dieser Lebensstil ist zwar in der Altersgruppe 50 bis 64 am weitesten verbreitet, jedoch wird er auch von Jüngeren (und Älteren) geführt. Free Ager möchten sich auf die für sie relevanten Dinge im Leben fokussieren. Werte wie Gelassenheit, Harmonie, Menschlichkeit, eine gesunde Umwelt und ein soziales Miteinander liegen ihnen am Herzen. Dabei ist ihnen in erster Linie wichtig, mit sich selbst zufrieden zu sein und stets im Hier und Jetzt zu leben. Vor allem in Bezug auf ihr Alter sind Vertreter dieses Lebensstils sehr gelassen.

Diese lebensfrohen Optimisten schätzen die Schönheit des Alters, sind aktiv und lehnen den Jugendwahn kategorisch ab. Die Free Ager sind durchaus hedonistisch geprägt, sie begeben sich lieber auf eine genussreiche Slow-Food-Reise nach Süditalien als auf Rentner-Kaffeefahrten. Ebenso wie die Self Balancer sind die Free Ager eher eine stille Avantgarde. Sie propagieren ihre lebensfreudige Haltung nicht groß, sondern leben sie einfach. Mit ihrer inneren Ruhe besitzen sie eine positive Ausstrahlung auf ihre Umwelt. 

Sinn-Karrieristen

Für die Sinn-Karrieristen ist es wichtig, im Einklang mit sich selbst und der eigenen Umwelt zu leben. Ein nachhaltiger Lebensstil, bewusster Konsum, Gesundheitsbewusstsein und Lebensqualität sind für sie besonders wichtig. Die meisten Sinn-Karrieristen sind zwischen 40 und 54 Jahre alt und in ihrem Leben dreht sich alles um den Sinn des eigenen Handelns. Dabei haben sie nie nur sich selbst, sondern stets die Gesellschaft und das soziale Miteinander im Blick. Ob privat oder im Beruf, Sinn-Karrieristen haben ehrgeizige Pläne und Ziele und möchten aktiv an Veränderungen mitwirken.


Im Alltag leben sie Achtsamkeit, indem sie sich auf ihre Grundbedürfnisse konzentrieren, einen eher minimalistischen Lebensstil pflegen und sinnerfüllte Beziehungen schätzen. Dabei achten die Sinn-Karrieristen besonders auf ihren Konsum. Sie wägen Kaufentscheidungen sorgfältig ab, Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle, viel wichtiger sind Kriterien wie Nachhaltigkeit, Qualität und sozialer Mehrwert von Marken und Produkten.

Sie kaufen lieber einen upgecycelten, fairen Parker vom Start-up aus der Region als Massenware von der Stange – auch zum zehnfachen Preis. Sie sind kommunikative Mitglieder der Gesellschaft, die gerne mit anderen über die Beweggründe ihres Handelns sprechen. Dadurch tragen sie das Thema Achtsamkeit in ihr Umfeld und treiben den Trend aktiv voran.


Die Grundlage dieses Artikels bildet die Lebensstile Workbox. Erhältlich in unserem Onlineshop.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Lebensstile

Dossier: Lebensstile

Der Megatrend Individualisierung hat dazu geführt, dass sich Menschen nicht mehr an Cluster-Codes halten: Im 21. Jahrhundert wechseln sie zwischen Clustern nach situativen Anlässen, mehrmals pro Tag. Heutige Lebensstile definieren sich deshalb nicht mehr nach äußeren Zuschreibungen, sondern nach Wünschen und Werten.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Lena Papasabbas

Lena Papasabbas ist Kulturanthropologin und begleitet seit 2014 für das Zukunftsinstitut Projekte im Research-Bereich. Ihr Schwerpunkt ist die redaktionelle Arbeit bei Auftragsstudien.