Forever Youngster: Gesundheit als Lebensziel

Der Lebensstil des Forever Youngsters gibt einen Vorgeschmack auf die Rolle, die individuelle Gesundheitsvorsorge in Zukunft spielen wird. Ein gekürzter Auszug aus der Trendstudie und dem Workbook “Lebensstile”.

Von Philipp Hofstätter

Zukunftsinstitut // Martin Markes, Die Zeichner

Der Forever Youngster ist Protagonist einer Gesellschaft, die Gesundheit zum wichtigsten Wert erhoben hat. Die “Herausforderung Gesundheit” wird nicht mehr nur dem Staat überlassen, sie wird zusehends auf individueller Ebene angesiedelt. Dabei geht es vor allem um die Optimierung der eigenen Gesundheit, um Präventionsarbeit und individuelle Gesundheitskompetenz. Das explosionsartige Anwachsen der Gesundheitsliteratur im Buchhandel sowie gesundheitsbezogener Foren, Ratgeberseiten und Selbsthilfegruppen im Internet ist ein bereits in der Breite sichtbares Symptom dieser Bewegung. Die Forever Youngsters, deren Kerngruppe 60 bis 79 Jahre alt ist, haben diese Entwicklung grundlegend vorangetrieben.

Gesundheitskonsum: Wachsende Märkte

Ausgaben für die Gesundheitsversorgung sind für den Forever Youngster Investitionen in Lebensqualität. Auch technische Hilfsmittel zur Überwachung des eigenen Gesundheitszustandes sind mittlerweile Bestandteil des individuellen Gesundheitsmanagements. Ein wachsender Markt für Selftracking-Geräte weist auf das Bedürfnis von gesundheitsbewussten Menschen wie dem Forever Youngster nach Selbstüberwachung hin. Auch den neuen E-Health-Angeboten gegenüber ist der Forever Youngster nicht abgeneigt: Bei Gesundheitswerten, die ein wenig von der Norm abweichen, wünscht er sich schnelles Feedback – und ist zum Beispiel durchaus bereit, sich via Videotelefonie direkt von einem Mediziner beraten lassen.

Zwischen Selbstoptimierung und Statussymbolik

Der Forever Youngster versteht seine eigene Gesundheit als Lebensaufgabe. Dabei geht es ihm nicht nur darum, sein Leben möglichst gesund zu verbringen, Mein Körper ist mein Tempel – ich pflege und verbessere ihn täglich sondern auch, als möglichst fit und jung wahrgenommen zu werden. Gesundheit als Statussymbol ist eng an die Vorstellung von einem jugendlichen Auftreten geknüpft – ein Paradigma, das im Mainstream der Gesellschaft nach wie vor eine wichtige Rolle spielt. Optimierung ist das Prinzip, nach dem der Forever Youngster seine Gesundheitsvorsorge betreibt. Denn Gesundheit ist ein dynamischer Prozess und kein Zustand. Daraus schließt der Forever Youngster: Es gibt immer etwas zu tun.

Health als Lifestyle

Dem Forever Youngster ist es nicht nur wichtig, gesund zu sein, sondern auch, gesund und vital zu wirken – und das heißt in der Regel: möglichst jung. Dafür trägt er gern auch mal Sportkleidung, selbst wenn er gar nicht zum Sport geht, und ist umfangreich informiert über das Portfolio an Kosmetikprodukten, mit denen man die kleinen Zeichen des Alters schnell und effektiv verschwinden lassen kann. Auch neue Pflegeprodukte probieren Menschen, die diesen Lebensstil verkörpern, gerne aus – es könnte ja etwas dabei sein, was sie noch nicht kennen und ihr Erscheinungsbild noch frischer macht. Diese “Verjüngungsprodukte” lässt sich der Forever Youngster auch etwas kosten – solange er überzeugt ist, dass Qualität und Effekt stimmen.

Slow Food für die Seele

In den Essensgewohnheiten zeichnet sich der Charakter der Forever Youngster besonders deutlich ab. Denn Essen ist für ihn nicht nur zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils, sondern erlaubt ihm gleichzeitig – wenn es richtig angestellt wird – Entspannung und Genuss. So greift er gern auf regionale Produkte und Bioware zurück, bei denen er die Wertigkeit besser einschätzen kann. Er geht gern auf dem Wochenmarkt einkaufen oder pflanzt sein eigenes Gemüse im Garten an. Generell ist Essen für Forever Youngsters eine Quelle des Genusses.

Balsam für die Seele

Der Forever Youngster weiß, dass es Körper und Seele gut gehen muss, um wirklich gesund zu sein. Dafür lässt er auch gern einmal bei einem Wellnessurlaub die Seele baumeln. Genuss und Wellness bedeuten für ihn aber nicht, sich ein schönes Leben zu machen und dem Luxus zu frönen. Forever Youngsters nehmen das Leben nicht auf die leichte Schulter, sondern verstehen es als ernste Angelegenheit: Lieber einmal mehr aufpassen, als sich aus Spaß und aus einer Laune heraus einen Fehltritt zu leisten, der gesundheitliche Folgen nach sich ziehen könnte.

Zukunftsausblick

Der Forever Youngster vertritt ein ehemaliges Avantgarde-Werteset von Jugendlichkeit als Statussymbol. Ein auf Gesundheitsoptimierung ausgerichteter Lebensstil wird in Zukunft vor allem für ältere Menschen noch attraktiver, nicht nur, weil sich damit die Aussichten auf ein langes Leben verbessern, sondern auch, weil sie mit einer gesunden, aktiven Ausstrahlung dem Stigma des “Altseins” zu entkommen versuchen. Gesundheit wird auch künftig ein Statussymbol sein. Statt mit Angst blicken Menschen, die den Lebensstil des Forever Youngsters pflegen, mit Optimismus und Gestaltungswillen auf die Lebensphase des Alters – auch wenn sie das Altern an sich zu verdrängen versuchen und sich damit vom gesellschaftlichen Wandel abhängen.

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus der Trendstudie und dem Workbook “Lebensstile”.

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Dossier: Lebensstile

Dossier: Lebensstile

Der Megatrend Individualisierung hat dazu geführt, dass sich Menschen nicht mehr an Cluster-Codes halten: Im 21. Jahrhundert wechseln sie zwischen Clustern nach situativen Anlässen, mehrmals pro Tag. Heutige Lebensstile definieren sich deshalb nicht mehr nach äußeren Zuschreibungen, sondern nach Wünschen und Werten.

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