Fokusmedien: Volle Konzentration

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Die Situation, in der Fokusmedien genutzt werden, ist davon gekennzeichnet, dass sich der Nutzer ganz und gar auf die Inhalte konzentrieren will. Denn durch die parallele Nutzung verschiedener (Diffusions-)Medien findet zwar Zerstreuung, aber kaum nennenswerte geistige Weiterentwicklung statt. Diese ist aber in Zeiten des Selfness-Trends für viele ein wichtiger Anreiz zur Mediennutzung. Wie bei den Diffusionsmedien werden die Nutzer von Fokusmedien aber nicht nur „gezogen“, sondern auch „geschoben“: Die ständige Belästigung durch Pop-ups, Jingles und sonstige marktschreierische Inhalte weckt die Sehnsucht nach Ruhe, nach einer stillen Oase im lärmenden Alltag, nach einer geordneten Traumwelt als Gegenstück zu einer chaotischen Wirklichkeit.

Fokusmedien liefern in der Regel abendfüllende Inhalte, die viel Zeit beanspruchen. Diese Zeit und durchaus auch Geld sind die Nutzer in dieser Situation bereit zu investieren, weil sie zum Zeitpunkt der Nutzung recht klar wissen, was auf sie zukommt. Neben Filmtrailern und Klappentexten orientieren sich die Fokusnutzer auch an Empfehlungen von Freunden – und an Diffusionsmedien.

“Slow Media” als “Rabbit Holes”

Die Gleichzeitigkeit des medialen Interagierens hat einen Retro-Trend ausgelöst: die Sehnsucht, sich endlich mal wieder ganz in Ruhe auf etwas konzentrieren zu können. Medien werden in dem Moment zu „Rabbit Holes“, in dem sie uns erlauben, ganz und gar in ihnen zu verschwinden. „Es ist überraschend“, schreibt Marketing-Guru Seth Godin in seinem Blog, “dass wir mitten im 140-Zeichen-Zeitalter auch in einem Goldenen Zeitalter der Langsamen Medien (‘Slow Media’) leben.“

Diese „langsamen Medien“ definiert Godin wie folgt: „Slow Media sind geduldig. Sie haben keine Deadline. Sie werden nicht in Zeichenzahlen gemessen. Sie sind ruhig anstelle von sensationslüstern; sie sind nicht oberflächlich, sondern gehen in die Tiefe.“ Doch ohne die Konzentration des Nutzers geht das nicht. Nur mit gesammelter, fokussierter Aufmerksamkeit kann der Nutzer gleichsam das Wunderland hinter dem Kaninchenloch betreten: Entweder rein oder raus, dazwischen gibt es nichts.


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Dossier: Medien

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In der Medienwelt von morgen werden sich Geschichten noch weiter von ihren Trägermedien lösen und alte Denkschemata in „Zielgruppen“ obsolet machen. Im Zentrum strategischer Überlegungen wird die individuelle Nutzungssituation stehen - und damit auch die Frage, ob ein Medium Diffusions- oder Fokusmedium sein will. Den Medien von morgen gelingt es, beides miteinander zu verbinden.

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