Playful Future: Das Spiel mit den Maschinen

Welche Formen wird das Spiel(en) in der nächsten Gesellschaft annehmen – und welche Rolle werden „intelligente“ Maschinen dabei spielen? Ein gekürzter Auszug aus der Studie „Playful Business

Von Christian Schuldt

Eisenhardt / Zukunftsinstitut

Wie werden sich die zukunftsweisenden Technologien von heute auf die verspielte Welt von morgen auswirken? Im Zentrum steht hierbei die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine – und dabei gilt es zunächst, genau und differenziert hinzuschauen. Denn die allgemeine Verunsicherung, die der digitale Wandel gesellschaftsweit verbreitet, macht einfache, simplifizierende Mensch-Maschine-Erzählungen besonders attraktiv.

Mensch und Technik standen schon immer in einem Verhältnis der Koevolution, und seit jeher neigt der Mensch dazu, seine Ängste auf Technik zu projizieren. Dieses Muster verschärft sich im Zeichen des digitalen Wandels. Die Qualität und Komplexität der technologischen Veränderungen und die Fortschritte im Bereich der Künstlichen Play will be to the 21st century what work was to the industrial age – our dominant way of knowing, doing and creating value Intelligenz (KI) verunsichern uns. Die beiden Haupterzählungen sind schwarz und weiß gemalt.

Dystopie – Mensch versus Maschine: Das düstere Szenario „Mensch gegen Maschine“ erzählt die Geschichte von den intelligenten Maschinen, Robotern und Algorithmen, die den Menschen die Arbeit wegnehmen oder sie sogar zu ihren Untergebenen machen. Könnten supersmarte Maschinen uns das nehmen, was im Zentrum der Spielfreude steht, unsere Freiheit und Autonomie? Das Resultat wäre eine „Gamepocalypse“ (Jesse Schell): eine rundum spielifizierte Welt, in der Menschen von smarter Technologie unbewusst und unreflektierbar manipuliert werden.

Utopie – Menschgleiche Maschinen, gottgleiche Menschen: Eine ganz andere Geschichte erzählen die KI-Enthusiasten, die in einer maschinellen „Superintelligenz“ (Nick Bostrom) keine Bedrohung, sondern eine Erlösung sehen: Der technologische Fortschritt verleihe dem Menschen übermenschliche Kräfte und befreie uns von der Last unnützer Arbeit.

Neue Spielräume: Mensch mit Maschine

Beide KI-Erzählungen kranken daran, dass sie auf eine Definition von „Intelligenz“ verzichten und die komplexe Dynamik soziotechnischer Fortschritte auf simple, lineare Szenarien reduzieren. Ob etwa Maschinen, wie es die Anhänger der Theorie der „Singularität“ glauben, jemals das Niveau menschlicher Intelligenz erreichen können, also zu intentionalem Handeln und Selbstreflexion fähig sein werden, ist mehr als fraglich.

Um dieser Trivialisierung entgegenzuwirken und um zu verstehen, wie Technologien heute und künftig in unsere Gesellschaft passen, braucht es komplexere, subtilere und experimentierfreudigere Narrative, die das Spiel von Mensch und Maschine einbeziehen und die Frage nach der Verantwortung und Zurechenbarkeit von KI stellen. Ein solchermaßen kritisch-konstruktiver und spielerischer Blick auf zukunftsweisende Technologien kann auch helfen, neue Spielfelder zu erschließen, in denen Mensch und Maschine kreativ kooperieren.

Lob der Unsicherheit

Das Selbstverständnis des Menschen – auch und vor allem als “Homo ludens” (Johan Huizinga), als Spiel-Wesen – ist untrennbar verbunden mit einer Kultur der Unausrechenbarkeit, die aus dem komplexen und intransparenten Zusammenspiel von Natur, Geist und Gesellschaft resultiert. Dies ist das kreative Prinzip, das die menschliche Gesellschaft in Schwung hält – und auch künftig spielerische Strategien gegen eine Big-Data-Gamepocalypse hervorbringen wird.

Denn je stärker smarte Technologie die Spielregeln der menschlichen Kommunikation mitbestimmt, von Predictive Technologies bis zu Persuasive Computing, umso wichtiger und wertvoller wird diese grundlegend humane Unsicherheit: die Fähigkeit zur Überraschung, die Potenziale für Veränderungen und Erneuerung erschließt.

Vor dem Hintergrund nahezu unbegrenzter digitaler und virtueller Möglichkeiten stellt sich also eine alte Frage neu und dringlicher denn je: Was macht den Mensch zum Mensch? Die Antwort der westlichen Welt lautete seit mehreren Jahrhunderten, spätestens seit Descartes’ Diktum „cogito, ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“): Der Mensch ist ein Homo oeconomicus – rational, egoistisch, utilitaristisch.

Diese „mechanistische“ und „technizistische“ Sicht wird nun im Zuge der fortschreitenden Vernetzung zunehmend infrage gestellt. Ins Zentrum rücken wieder die genuin menschlichen Fähigkeiten – und zwar umso mehr, je stärker unsere Lebenswelten von Automatisierung und Algorithmisierung durchdrungen werden. Auch deshalb erleben wir heute einen gesellschaftsweiten Boom der „Achtsamkeit“ und einen neuen Fokus auf soziale Resonanz, Emotion und Empathie.

Das nächste Spiel des Lebens

Eine der großen gesellschaftlichen Zukunftsherausforderungen besteht deshalb darin, die Spielpotenziale, über die der Mensch von Natur aus verfügt, wieder stärker zur Entfaltung zu bringen. Die Bedingungen dafür sind heute besser denn je, denn die zunehmende Vernetzung verändert auch unser kollektives Mindset. Immer mehr gewinnen Themen rund um Selbstentfaltung, Mehrdimensionalität, Lebendigkeit, Kreativität und „Wir-Kultur“ an Kraft – und lösen eindimensionales Funktionieren, lineare Zielgerichtetheit und starre Routinen ab.

Letztlich verweist die Beschäftigung mit Spiel und Playfulness damit auch auf eine ganz grundsätzliche lebensphilosophische Frage: Was macht ein  The stories we tell about technology direct our attention and determine our future „gutes“, „richtiges“ Leben aus? Vor diesem Hintergrund wird die Schaffung neuer Spiel- und Resonanzräume zu einem existenziellen Thema – zumal in einer Netzwerkgesellschaft, die nur noch dynamisch, also spielerisch, stabilisierbar ist.

Diese nächste Gesellschaft braucht ein Playful Mindset, das keine Angst vor Komplexität hat. Denn im 21. Jahrhundert geht es nicht mehr um Entweder-oder-Alternativen, sondern um das Spiel mit den maximierten Möglichkeiten. Für genau für dieses verspielte – und gezielte – „Aus-dem-Vollen-Schöpfen“ steht ein Playful Business.

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus der Studie “Playful Business”

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Playful Business

Dossier: Playful Business

Eine vernetzte und digitalisierte Wirtschaft und Gesellschaft verlangt neue Spielregeln: Nur wer künftig spielerisch denkt und handelt, ist flexibel, innovativ und zukunftsfähig. Playfulness wird zum Erfolgsfaktor für Unternehmen.

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Christian Schuldt

Der Systemtheoretiker und Autor beleuchtet in Publikationen und Vorträgen den digitalen Kultur- und Medienwandel. Sein Blick ist geschult für die kommunikativen Muster, die Menschen und Unternehmen verbinden.