Social Startups werden erwachsen

Social Businesses sind auf dem Vormarsch. Untersucht man die erfolgreichen und gescheiterten Unternehmen der vergangenen Jahre, lassen sich einige Trends erkennen.

Von Holger Heinze (05/2017)

StockSnap.io / Jungwoo Hong / CC0

Social Startups sind denselben Herausforderungen ausgesetzt wie konventionelle Gründungen: Das Team muss sich finden, menschlich funktionieren und die benötigten Kompetenzen abdecken. Das Produkt muss einen Markt haben und die Gründer müssen wissen, wie sie sich diesen Markt erschließen können.

An einigen Stellen haben es Social Startups aber schwerer als ihre gewinnorientierten Pendants. Der Halo-Effekt sorgt dafür, dass kritisches Feedback oft ausbleibt, da ja an einer guten Sache gearbeitet wird und niemand Spielverderber sein will. Social Startups sind zudem nicht zwingend an ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell gebunden. Im Zusammenspiel mit der pulsierenden Welt von Stiftungen und öffentlichen Förderungen beispielsweise kann eine soziale Initiative ohne profitables Geschäftsmodell durchaus langfristig funktionieren.

Allerdings fällt so das Regulativ des finanziellen Business Case weg: Das Ausbleiben eines Gewinns führt nicht zwingend zu einem Überdenken der Idee, was das Scheitern des Unternehmens oft nur hinauszögert. Hinzu kommt, dass im konventionellen Bereich die erfolgreichen Gründungen meist von erfahrenen (Serien-)Gründern getrieben werden, während im sozialen Bereich tendenziell unerfahrene, überzeugte Erstgründer am Werk sind.

Dennoch lassen sich in jüngster Vergangenheit folgende vier Trends hin zu mehr Professionalisierung in der Social-Startup-Szene beobachten:

  1. Investoren werden mehr und besser
    Vor einigen Jahren war der deutsche Markt für Social Impact Investment noch aufgeteilt unter einer Handvoll Pioniere. Mittlerweile sehen wir immer mehr Investoren, die ihre Prozesse und Best Practices aus der Welt der konventionellen Investmentfonds in den sozialen Bereich mitbringen – von objektiver Erfolgsmessung über proaktives Eingreifen durch Coaches und Mentoren bis hin zu „Entrepreneurs in Residence“-Programmen, die den Gründern erfahrene Manager zur Seite stellen.
  2. Werkzeuge werden verfügbar und genutzt
    Jeder reifende Markt bringt nach einer gewissen Zeit Werkzeuge und Standards hervor, die wiederverwendet werden können. Zusätzlich werden Arbeitserleichterungen aus anderen Sektoren übernommen und angewendet. So stehen auch für Sozialunternehmer mittlerweile technische Tools (z.B. Webseitenbaukästen, bezahlbare 3D-Drucker), betriebswirtschaftliche Tools (z.B. Blaupausen für Finanz- und Marketingpläne, Best-Practice-Ansätze für Pressearbeit oder die Arbeit mit Stiftungen) und ganze Plattformen (z.B. zum Crowdfunding oder zur teaminternen Organisation) zur Verfügung, die die Rüstzeit der Projekte tendenziell deutlich verringern.
  3. Ökosysteme werden umfassender
    Der Ansatz sozialer Unternehmen wird immer bekannter, ihr Ruf immer lauter und sie selbst dadurch immer häufiger zu einer validen Karriereoption für Young Professionals. Außerdem sehen wir ein Zunehmen von Meta-Startups – also Startups, die anderen Startups helfen. Dazu gehören spezifische Co-Working-Angebote wie das Social Impact Lab, aber auch Agenturen, die in der Preisgestaltung und Angebot auf Social Startups spezialisiert sind, Netzwerke wie The Changer oder die Global Shapers Community und Bildungsangebote wie die Social Entrepreneurship Akademie. Dazu kommt, dass das Angebot an Pro-bono-Beratung (z.B. durch Anwaltskanzleien) zunimmt.
  4. Das Gründen wird professioneller
    Methoden wie „Lean Startup“ oder „Design Thinking“ halten Einzug und bringen professionelle Vorgehensmodelle in die Welt der Social Startups. Produkte werden am Markt oder Kunden entlang entwickelt. Auf der anderen Seite werden Produkte ohne Markt mehr und mehr als Problem angesehen – nicht als Auszeichnung oder Merkmal eines Non-Profit-Ansatzes. Treiber sind hier vor allem Startup Hubs wie die Impact Hubs oder Social Impact Labs, die in unterschiedlichen Programmen Unterstützung für Gründer fördern.

In Summe sehen wir also: Die Social-Startup-Szene wird langsam erwachsen, der Sektor der Social Startups professionalisiert sich – getrieben von innen und von außen. Für Social Startups zählt am Ende das gleiche wie auch im konventionellen Sektor: Es gilt, mit einer gut zum Problem passenden Lösung den Markt zu erreichen.

Über den Autor

Holger Heinze ist Gründer und Geschäftsführer der Monagoo GmbH. Das 2014 als Netzwerk für nachhaltigen Handel gegründete Unternehmen unterstützt heute (Social) Startups und kleine Unternehmen bei Gründung, Expansion, Produktentwicklung und Content Marketing.

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