Greenvestment als Motor des Wandels

Mangelndes Vertrauen in die Motive klassischer Finanzinvestoren lässt die Nachfrage nach Modellen, um Geld “anders” anzulegen, stetig wachsen.

Quelle: Gutes Geld (2014)

Dmitry/ Fotolia

66 Prozent der Unternehmen haben das Thema Nachhaltigkeit auf dem Schirm - aber weniger aus eigener Initiative, sondern aufgrund von Kundennachfragen; und 60 Prozent reagieren lediglich auf die Anforderungen von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen und von nachhaltigen Investoren (Oekom Research 2013). Das bestätigt auch Claudia Tober, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG): „Vor allem institutionelle Investoren legen bei ihrer Vermögensverwaltung Wert auf nachhaltige Anlagekriterien.”

Zugleich sind aber auch die privaten Anleger von Bedeutung - mit Marktanteilen von 41 Prozent in der Schweiz, 25 Prozent in Deutschland und immerhin 14 Prozent in Österreich. Im Mai vermeldete der FNG im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Aufwärtstrend bei nachhaltigen Geldanlagen in allen deutschsprachigen Ländern (Deutschland: +25 Prozent, Selten war die Zeit so sehr geprägt von alternativen Bankkonzepten Österreich: +27 Prozent, Schweiz: +17 Prozent).

Es herrscht also ein großes Interesse an alternativen Anlagemethoden - weshalb es kein Wunder ist, dass die Verbraucher noch einen Schritt weitergehen: Sie nehmen ihre Bankgeschäfte nach Peer-to-Peer-Prinzipien selbst in die Hand oder lassen sie mit Hilfe von Crowdinvesting-Banken fast überflüssig werden. Die entsprechenden Strategien, Konzepte und Praktiken gehen subversiv und nonkonformistisch vor: Sie geben die Macht wieder an den Kunden zurück - und entthronen die Mächtigen als Wächter über die Finanzmärkte zumindest ein Stück weit.

  • Fidor: Finanzmanagement in Social-Media-Manier. Fidor ist eine der ersten Banken, die auf das Peer-to-Peer-Prinzip setzt. Das eigentliche Kapital bilden die Kunden, die sich gegenseitig in Finanzthemen beraten. Doch bei Fidor kann der Kunde mehr: etwa per Girokonto Geld an Twitter-Accounts versenden, per Facebook-Likes den Dispozins verwalten oder in 60 Sekunden Transaktionen durchführen. Fidor sorgt regelmäßig mit neuen Innovationen für Aufmerksamkeit, etwa durch den Handel mit Bitcoins oder als erste Bank, die das sogenannte Ripple-Zahlungsprotokoll verwendet, das kostengünstige Zahlungen in nahezu Echtzeit ermöglicht und das in allen Währungen, ganz gleich ob gesetzliche oder virtuelle.
  • Moven: Finanzmanagement für Digital Natives. Die Mobile-Banking-App Moven, ein Produkt der US-amerikanischen CBW Bank, orientiert sich an den modernen technischen Möglichkeiten des Onlinezeitalters. Mit neuartigen Serviceangeboten und innovativen Formen der Beratung setzt die Anwendung auf die Gewohnheiten der Digital Natives. Sie können nicht nur direkt per Smartphone ein Bankkonto eröffnen, Kunden bekommen darüber auch eine ausführliche Bewertung ihrer finanziellen Situation samt Analyse des Ausgabeverhaltens. Bei jeder Transaktion wird man benachrichtigt und die finanzielle Performance des laufenden Monats wird mit der des Vormonats verglichen. Zusätzlich kann die Moven-App alle anderen Bankkonten des Kunden integrieren. Ausgaben lassen sich dann nach Wünschen, notwendigen Bedürfnissen und Ersparnissen kategorisieren. Die App soll so helfen, eine Balance unterschiedlicher Ansprüche zu finden. Kunden sollen so Anreize zum soliden Wirtschaften bekommen, was auch der Bank zugute kommt. Über einen PayPass-Sticker von MasterCard, den sie auf die Rückseite ihres Smartphones kleben, können Moven-Kunden darüber hinaus kontaktlose Zahlungen an entsprechend ausgerüsteten Kassenterminals vornehmen. Ein weiteres interessantes Feature ist die Option, Geld per Facebook, SMS oder E-Mail zu verschicken, auch wenn die Empfänger kein Moven-Konto besitzen.
  • DikoBA: Kunden bauen sich ihre Bank. Während Fidor oder Moven sehr modern auftreten und die Kunden klassische Web 2.0-Nutzer der kreativen Klasse sind, setzt die DikoBa bewusst auf ein konservatives Publikum. Noch befindet sich die „erste echte Mitmach-Bank“ mit Sitz im nordrhein-westfälischen Schöppingen in Gründung. Das Konzept der „ersten Crowdfunding-Bank mit konservativen Wurzeln“, so die Unternehmensvision, basiert auf einem klassischen Genossenschaftsmodell. Im Fokus stehen Einlagen, Kredite und Kontoführung. Ziel ist es, dass die Bank aus dem Münsterland zwar eine gesicherte Rendite erwirtschaftet, aber nicht die Absicht einer Gewinnmaximierung im Vordergrund steht.
  • Ein-Mann-Bank: Private Banking der besonderen Art. Ansässig im baden-württembergischen Gammesfeld ist die dortige Raiffeisenbank ein Ein-Mann-Betrieb, der bis heute nicht online ist. Aus allen Teilen Deutschlands melden sich interessierte Kunden, doch die kleinste Bank Deutschlands lehnt dankend ab. Ausschließlich Kunden aus Gammesfeld werden bedient, auch die 319 Genossen stammen aus dem Dorf in der Hohenlohe. Regionale Wertschöpfung ist wichtig, Wachstum nicht.

Das soziale Finanznetzwerk der Zukunft

Ob modern, konservativ oder nonkonformistisch – selten war die Zeit so sehr geprägt von alternativen Bankkonzepten. Zugrunde liegt der Wunsch der Kunden nach Transparenz, Selbstbestimmung, Ehrlichkeit und Vertrauen. Und so erklären sich dann auch Erfolge von Lendstar, einem Startup aus München, bei dem sich Freunde und Gleichgesinnte gegenseitig zinsfrei Geld leihen können. Nach dem Motto „Trust your friends, not banks!“ warb Lendstar auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch um die Finanzierung ihrer Idee eines neuen sozialen Finanznetzwerks. Das angestrebte Fundingziel von 100.000 Euro war so schnell erreicht, dass man sich dazu entschied, das Limit zu erhöhen. Am Ende wurde zur Entwicklung einer App, die mittlerweile bei iTunes und GooglePlay erhältlich ist, über Lendstar 183.250 Euro eingesammelt.


Unsere Studie "Gutes Geld"

Seit Urzeiten begleitet das Medium Geld die gesellschaftliche Evolution und Geld ist heute die einzige Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird. Grund genug, diesem großen Thema eine eigene Studie zu widmen.
Mehr über die Studie

Empfehlen Sie diesen Artikel!

Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Megatrend Neo-Ökologie

Megatrend Neo-Ökologie

Umweltschutz, Ressourcenschonung, Corporate Social Responsibility: Der Megatrend Neo-Ökologie verschiebt die Koordinaten des Wirtschaftssystems in Richtung einer neuen Business-Moral, die Märkte und Konsumverhalten radikal verändert. Wachstum wird künftig als eine neue Mischung bestehend aus Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlichem Engagement verstanden.

Dossier: Finanzen

Dossier: Finanzen

Seit Urzeiten begleitet das Medium Geld die gesellschaftliche Evolution und Geld ist heute die einzige Sprache, die überall auf der Welt verstanden wird. Zugleich ist Geld auch das wichtigste Informationssystem der Menschheit und die zukünftigen Konzepte für dieses Informationssystem sind so differenziert, weitreichend und faszinierend wie noch nie. Die Zukunft der Finanzwelt erfordert daher neue strategische, digitale Ausrichtungen - und ein neues finanzielles Werteverständnis.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Online-Redaktion

Die Online-Redaktion des Zukunftsinstituts kümmert sich um alle sichtbaren Inhalte auf dieser Website und sorgt dafür, dass die ständig wachsende Anzahl neuer Informationen einen angemessenen Platz bekommt.