Zukunftsmusik liegt in der Luft. Die Wirtschaft wächst wieder. Firmen stellen verstärkt ein und die Arbeitslosenzahlen sind auf einem historisch niedrigen Stand. Mit der steigenden Betriebstemperatur in den Unternehmen wächst auch der Aktionismus. Das Handeln wird kurzfristiger. Dabei geht der Blick für das große Ganze verloren. Doch genau dort – in den Tiefenstrukturen von Gesellschaft und Wirtschaft – finden aktuell die entscheidenden Systemveränderungen statt. Wir brauchen neue Antworten auf drängende Zukunftsfragen, wie z.B. den intelligenteren Umgang mit Ressourcen – seien es Rohstoffe oder unsere eigene Gesundheit.
Konzentration auf Zukunfts-Chancen
Der Zukunftskongress 2011 nahm daher die Megatrends in den Fokus. Sie bilden die Grundlage für den sozio-ökonomischen Wandel, der in vielen Bereichen kurz vor dem „Tipping Point“ steht – der Moment, wo Systeme kippen und eine neue Ordnung bilden. Die Megatrends weisen die Wege in Richtung Zukunft. Von diesen Wegen haben die meisten von uns bereits gehört, doch was auf der Reise passiert, ist ein unbeschriebenes Blatt. Megatrends wirken innovationsbeschleunigend. Sie setzen uns unter Druck – und können uns zugleich entspannen. Denn sie wirken wie ein Spiegel, in dem wir uns selbst und die Welt erkennen. Wenn wir sie richtig verstehen, helfen sie uns, die Zukunft nicht nur zu ahnen, sondern zu gestalten.
Der Zukunftskongress 2011 gab einen Überblick über die aktuell wichtigsten Veränderungen und lieferte Antworten aus Theorie und Praxis, wo sich neue Zukunfts-Chancen und -Märkte auftun.
Unser Kooperationspartner
Video vom Zukunftskongress 2011
Impressionen vom Zukunftskongress 2011
Das Programm
Future TED Warm-up Begrüßung durch die Geschäftsführerin des Zukunftsinstituts Christiane Friedemann. Durch den Tag führt unsere Gäste Andreas Steinle, Geschäftsführer und Leiter der Consulting-Unit des Zukunftsinstituts.
9:30 – 10:30 Uhr
Das Geheimnis der Megatrends Was wir über die Zukunft wissen können Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts
10:30 – 10:45 Uhr
High Speed Heads Trainieren Sie Ihre Wahrnehmung: Wie die Welt und der Wandel in unseren Kopf kommen Dr. Carl Naughton, Linguist und Wissenschafts-Kabarettist
10:45 – 11:15 Uhr Pause
11:15 – 12:15 Uhr
Neue urbane Lebensstile Megatrend Urbanisierung: Wie die Städte im 21. Jahrhundert neue Ordnungs- und Lebensmuster hervorbringen Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts
12:15 – 12:45 Uhr
Pictures of the Future Von Zukunftsbildern zu Zukunftsmärkten: Wie Unternehmen den Blick für das Wesentliche bewahren. Aus der Praxis eines Corporate Future Consultants Ulf Pillkahn, Corporate Research & Technologies Siemens AG
12:45 – 14:00 Uhr Lunch
14:00 – 14:15 Uhr
Wenn Sie denken, Sie denken... Trainieren Sie Ihren Realitätssinn: Wie kreative Problemlösung stattfindet Dr. Carl Naughton, Linguist und Wissenschafts-Kabarettist
14:15 – 14:45 Uhr
Märkte der Identität Megatrend Individualisierung: Wie Personality-Design zum branchenübergreifenden Innovationsmotor wird. Inklusive Happy End: Ein Vortrag mit drei optionalen Enden für Sie zur Auswahl Harry Gatterer, Geschäftsführer Zukunftsinstitut Österreich
14:45 – 15:15 Uhr
Arbeitszeit Adieu
Megatrend New Work: Wie sich die Arbeit individualisiert und warum das Leben JETZT Spaß machen soll Prof. Sissi Closs,
Informations- und Medientechnik,
Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und Geschäftsleitung von Comet Computer GmbH und Comet Communication GmbH
15:15 – 15:45 Uhr Pause
15:45 – 16:10 Uhr
Megatrend-Quiz Wetten auf die Zukunft: Von Female Shift zu New Work – Große Veränderungen und große Mythen. Testen Sie bei diesem interaktiven Vortrags-Wettspiel Ihr Zukunfts-Know-how Petra Kehr & Sarah Volk, Zukunftsinstitut
16:10 – 16:40 Uhr
Emergency Room Megatrend Gesundheit: Neue Märkte im Spannungsfeld von Reparatur-Medizin und gesundem Lebenswandel Susanne Köhler, Zukunftsinstitut
16:40 – 17:15 Uhr
Megatrends 20200 Weak Signals – Vorboten der Zukunft: Was uns das Übermorgen für das Morgen lehrt Dr. Karlheinz Steinmüller, Wissenschaftlicher Direktor Z_punkt, Physiker, Science-Fiction-Autor
17:15 – 17:30 Uhr
Erhellender Dialog im Dunkeln Ein zukunftsoptimistischer Ausblick gewürzt mit visionärer Weitsicht und innerer Gelassenheit Matthias Horx im Zukunftsdialog mit Dr. Karlheinz Steinmüller
Sechs Thesen zu Megatrends und Märkte
Wie aus vernetzten Megatrends disruptive Innovationen werden
1. These: Mit der Vernetzung
von Megatrends entfalten sich selbstverstärkende Kräfte
Kräfte
potenzieren sich, wenn Umfeldveränderungen zusammenwirken. Dieses Phänomen
erleben wir derzeit mit den Megatrends, jenen großen Veränderungsprozessen in
Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. In der arabischen Welt konnte sich der
Funke der Freiheit vor allem
deshalb so explosionsartig verbreiten, weil dabei gleich mehrere Megatrends
zusammenwirken. Entwicklungen wie der Megatrend Connectivity, der sowohl die
technologische wie soziale Vernetzung beinhaltet, führen den Protest der Bürger
über Social Media (Facebook & Co) zusammen. Verstärkt durch den großen
Megatrend Individualisierung wächst der Anspruch auf ein autonomes,
selbstbestimmtes Leben unter demokratischen Verhältnissen. Der Geist der
Freiheit hat die arabische Welt in einem unumkehrbaren Prozess erfasst. Die Demokratie
ist der größte Exportschlager der Globalisierung.
2. These: Aus dem
Zusammenspiel von Trends entstehen neue, vernetzte Märkte
Was
im Politischen zu großen Umwälzungen führt, findet auch im sozialen,
kulturellen und ökonomischen Bereich statt. Es kreuzen sich gesellschaftliche
Entwicklungspfade, die disruptive Innovationen erfordern und befördern – also
Innovationen, die zu systemischen Veränderungen führen. Blicken wir nur einmal
auf den aktuellen Megatrend Urbanisierung. Der Anteil der Stadtbevölkerung
wächst weltweit. Das berührt nicht nur die Boom-Towns in Asien, sondern auch
die Ballungsgebiete von Hamburg, Frankfurt oder München. Moderne Familien zieht
es wieder in die Stadt, weil hier die Betreuungsangebote für Kinder besser sind
– eine Notwendigkeit, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind. Was für die
Jüngeren gilt, ist auch für die Älteren relevant: Sie schätzen die kurzen Wege,
das kulturelle Angebot und die gute medizinische Versorgung. Doch wenn die
Städte ihre Lebensqualität bewahren wollen, müssen sie Verkehr und Logistik
anders organisieren, um nicht im Verkehr zu ersticken. Auf dieser Notwendigkeit
basierend, entstehen neue, vernetzte Mobilitätsmärkte.
3. These: Neue
Mobilitätsmärkte durch die Vernetzung von Neo-Ökologie und Urbanisierung
Ortsbezogene
Mobilitätsdienstleistungen, die zur öko-urbanen Transformation der Städte
beitragen, sind ein Wachstumsmarkt. Im Wettbewerb der Regionen setzen sich die
Stadtoberen ehrgeizige Klimaziele. Außerdem können sich immer mehr Menschen
vorstellen, auf das eigene Auto, aber nicht auf Mobilität zu verzichten. So
setzen sich von Ulm bis Austin, Texas,
Autoverleihsysteme wie car2go (Daimler) durch, die eine minutenweise
Abrechnung für innerstädtische Fahrten erlauben und Informationen über den öffentlichen
Nahverkehr in ihr System integrieren. Es sind die intelligenten Schnittstellen,
welche die Mobilitätsmärkte von morgen auszeichnen. So verknüpft beispielsweise
die Mobile App My City Way in mehr als 40 US-Städten Echtzeit-Informationen zu
öffentlichen Verkehrsmitteln, verfügbaren Parkplätzen und lokalen
Unterhaltungsangeboten. Im Zuge der globalen Marktexpansion sollen 40 weitere
Städte folgen, darunter auch München. Kein Zufall, denn an My City Way hat sich
BMW i Ventures beteiligt, ein von BMW gegründetes Risikokapitalunternehmen mit
Sitz in New York, das in innovative Mobilitätsdienstleistungen investiert.
4. These: Neue
Dienstleistungsmärkte durch die Vernetzung von Female Shift und New Work
Eine
der wohl größten und nachhaltig wirkenden Überschneidungen von Megatrends liegt
in dem Zusammentreffen des Female Shift und der neuen Arbeitskultur. In der
Zukunftsgesellschaft von morgen sind Frauen wie Männer gleichermaßen
erwerbstätig und das überwiegend in Wissensberufen. Wahrscheinlich dauert es nicht
mehr lange, bis die Frauenquote europaweit eingeführt wird. In der Konsequenz
heißt das, dass sich Arbeit hochgradig individualisieren muss. Um den Alltag,
die Kinder- und Altenbetreuung weiterhin meistern zu können, müssen Menschen
autonomer über ihre Arbeitszeit und den -ort (Home Office) entscheiden können.
Und sie benötigen in einem viel größeren Umfang als heute unterstützende
Dienstleistungen – vom Wäsche-Service über Kinderbetreuung bis hin zum
Bildungs-Coach für den Nachwuchs. Ein innovatives Angebot auf diesem Feld macht
z.B. das US-Unternehmen Chickensoup + Nursing. Es bietet spezialisierte
Kinderbetreuung für den Fall an, dass die lieben Kleinen krank werden. Bis dato
musste ein Elternteil zu Hause bleiben, was jährlich einen gesamtwirtschaftlichen
Schaden in Milliardenhöhe verursacht.
5. These: Neue
Gesundheitsmärkte durch die Vernetzung von Individualisierung und Connectivity
Gesundheit
ist vor dem Hintergrund alternder Gesellschaften und einem steigenden Anspruch
an Lebensqualität DER Megatrend, der alle Märkte beeinflusst. Neue Dynamik
bekommen die Gesundheitsmärkte von morgen durch das Zusammenspiel von
individueller Eigenaktivität und sozialer Vernetzung. Bestes Beispiel hierfür
ist das börsennotierte Diätunternehmen Weight Watchers, das seit den letzten
Quartalsergebnissen seinen Marktwert um fast 50 Prozent steigern konnte. Das
Ernährungsprogramm mit eigenen Supermarkt-Produkten ist vor allem deshalb so
erfolgreich, weil es mit dem Punkte-Prinzip für bestimmte Speisen und
Aktivitäten nicht nur Gaming-Aspekte integriert, sondern neben
Online-Informationen auch reale Treffen mit Gleichgesinnten organisiert. Es
wurde ein Ökosystem für gesundes Verhalten geschaffen, das auf dem Zusammenspiel von Produkten,
Services und Informationen basiert. Gesundheit ist in Zukunft vernetzte
Gesundheit mit einer ganzheitlichen Perspektive auf den Menschen.
6. These: Die Innovationen
der Zukunft sind vernetzte, systemische Lösungen
Egal
ob My City Way, Weight Watchers oder Chickensoup + Nursing: Die Beispiele
zeigen, dass es für eine vernetzte Welt auch vernetzte Lösungen braucht, um
substanziell etwas zu verbessern. In vielen Märkten hat die klassische
Innovationsentwicklung ihren Grenznutzen bereits überschritten. Ob ein Auto
einen Liter mehr oder weniger verbraucht, macht nicht mehr den großen
Unterschied, um fundamental etwas am Ressourcenverbrauch oder der
Verkehrsdichte zu ändern. Anders sieht es aus, wenn jemand aufgrund einer
innovativen Mobilitätsdienstleistung komplett auf sein Auto verzichtet und es
so zu einer disruptiven Änderung des Systems kommt. In vielen Märkten verhält
es sich ähnlich: Wir werden nicht gesünder, wenn die Pharmaindustrie noch
wirksamere Pillen herstellt, sondern wenn Gesundheitsdienstleistungen
medizinische Versorgung, Ernährung und Bewegung miteinander verknüpfen. Wir
werden nicht klüger, wenn wir bessere Lehrbücher haben, sondern wenn wir neue
Formen der Wissensvermittlung erproben. Soziale Innovationen werden in den
vernetzten Märkten von morgen die entscheidende Rolle spielen.