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Von der staatlichen zur persönlichen Gesundheitsreform
Gastkommentar von Erik Händeler zur „großen Gesundheitsreform“ in Deutschland
Wieder ist eine „große Gesundheitsreform“ verabschiedet, und wieder wird sie scheitern, die ständig steigenden Krankheitskosten in den Griff zu bekommen. Weil sie volkswirtschaftlich nur Geld von der linken in die rechte Hosentasche umverteilt, ohne die Menschen im realen Leben gesünder zu machen. Die Kosten würden aber erst dann stagnieren, wenn wir ein System hätten, das in die Gesunderhaltung der Menschen investiert. 90 Prozent aller Diabetesfälle sind erworbener Diabetes, der sich durch mäßige Bewegung, ausgewogenem Essen und Lebensstil vermeiden ließe. Doch noch wird der einzelne weder gefordert noch gefördert, seine Gesundheit zu erhalten, um die Gemeinschaftskasse zu schonen. Das wird sich ändern. Denn das Gesundheitswesen ist der Schlüssel zu den meisten anderen Problemen, von der Arbeitslosigkeit bis zur Staatsverschuldung. Gesundheit (im umfassenden Sinn) wird das knappste Gut der Gesellschaft. Aus der Sicht der Wirtschaftstheorie von Nikolai Kondratieff (1892 – 1938) entstehen die Märkte und Berufe von morgen an den Knappheiten von heute (als in der Vergangenheit Transport zu aufwändig wurde, musste die Eisenbahn gebaut werden; als die Informationsflut überschwappte, musste der Computer angewendet werden). Investition in Gesundheit – ob persönlich, als Betrieb oder als Staat – wird die Wirtschaft der nächsten 20 Jahre antreiben. Denn Wachstum entsteht durch eingesparte Ressourcen, die dann in anderen Branchen ausgegeben werden können. Die Eisenbahn sparte Zeit ein, die mit zusätzlicher Produktivität und Arbeit gefüllt werden konnte. Gesundheit wird Wachstumsmotor, in dem wir länger
produktiv am Leben teilnehmen können. Die nominalen Krankheitskosten sind am Ende vielleicht dieselben, aber sie werden über mehrere Jahre erwirtschaftet, Bildungskapital und Krankheitskosten amortisieren sich besser. Damit sich die bisher staatlich eingeengte Nachfrage nach Gesundheit entfalten kann, braucht es ein völlig neues Gesundheitssystem mit Anreizen, Geld mit Gesunderhaltung zu verdienen: Krankenkassen zahlen für die Gesunderhaltung (Erährungsberater, Vorsorge, individuelle Körperbewegung), dafür funktioniert das System im Krankheitsfall wie eine Teilkaskoversicherung mit Zuahlung, die hoch genug sein muss, damit die Menschen mehr in ihre Gesundheit investieren. Da der Lebensstil die meisten Krankheitskosten verursacht, wir aber keine Gesundheitsdiktatur einführen wollen und eine Überwachungsbürokratie undurchführbar ist, wird der eigene Geldbeutel, also eine stärkere Zuzahlung im Krankheitsfall, die Leute zwingen, eine persönliche Gesundheitsreform zu vollziehen und durch ihren Lebensstil die Kosten zu senken: sich körperlich mehr bewegen, Stress reduzieren, besser essen. Investitionen in Gesunderhaltung bekommen das wirtschaftliche Gewicht wie früher Investitionen in Machinen.
Der Volkswirtschaftler und Bestseller-Autor Erik Händeler ist einer der profiliertesten Experten zu den so genannten Kondratieffzyklen, den langen Konjunkturwellen. Für das Zukunftsinstitut hält er Vorträge (Infos und Buchungen über Margit Meyer; m.meyer@zukunftsinstitut.de) und ist als Dozent der Zukunftsakademie tätig.
Veröffentlichung:
Juli 2006
Autor(en):
Erik Händeler
Quelle:
Gastkommentar
Preis:
kostenfrei
Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Große Gesundheitsreform • Krankheitskosten • Lebensstil • Nikolai Kondratieff • Wachstum
Thema
- Politik und Institutionen
Megatrends
Branchen
keine Spezifizierung
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