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Trendspot #11: Die Zukunft des Lesens
Warum Bücher allein nicht mehr ausreichen und weshalb wir trotzdem auch morgen noch lesen werden. In der Wissensgesellschaft ist nicht nur von User-generated Content und Digitalisierung die Rede. Das Buch bleibt ein Zukunftsmedium.

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Leseratten oder Bildungstiger – wie sieht die Kernzielgruppe der Buchbranche aus?
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Ab heute hat die größte Buchmesse der Welt in Frankfurt geöffnet. Seit Jahrhunderten wird die Zukunft des Buches in düsteren Farben gezeichnet. Trotzdem ist die erwartete Katastrophe bisher ausgeblieben.
Das Buch ist tot – es lebe das Buch
Die Mehrzahl der Bücher wird vorwiegend in klassischen Buchhandlungen gekauft (81%). Um sich gegen die smarten Informationsmöglichkeiten des Internets behaupten zu können, müssen sich Verlage allerdings verändern. Denn fast die Hälfte aller online gekauften Artikel sind Bücher (45%). Nur Bücher anzubieten, reicht jedoch nicht mehr aus, denn die Konsumenten von heute erwarten viel mehr. Hier unser Einblick in die Lesekultur der Zukunft:
Im deutschsprachigen Raum steht der Buchdiscounter Thalia an der Spitze der Buchhandlungen. Im vergangenen Jahr hatte Thalia allein in Deutschland einen Umsatz von 332 Mio. Euro erwirtschaftet und droht, die kleine Liebhaberbuchhandlung (durch Sortimentsgröße) und Verlage (aufgrund der Marktmacht) an die Wand zu drücken. Klar ist auch: Das billige Buch als demokratisches Massenprodukt ist aus der Mode gekmmen. Dies weiß auch Neil Van Uum. Seine Joseph-Beth-Buchhandlungen in den USA (www.josephbeth.com) können es in Sachen Größe und Auswahl (durchschnittlich hat jeder Laden eine Verkaufsfläche von 2.700 m2) mit Giganten wie Thalia aufnehmen, vor allem aber überzeugt der amerikanische Buchhändler durch emotionale Brücken zu Kundenbedürfnissen jenseits von Gedrucktem.
Die neuesten Kochrezepte zum Test: Wie ein konkurrenzfähiger Buchladen der Zukunft aussieht
In den JB-Buchfilialen findet man nicht nur Lese-Genuss, sondern etwa auch eine Musik- und Spielwarenabteilung. Vor allem aber: Essen. Statt nur eines kleinen Kaffee- und Snack-Angebotes hat der Besucher hier ganze Menüs zur Auswahl und kann Gerichte aus den neuesten Kochbüchern Probe schmecken – Kaufentscheidung leicht gemacht. In Dinner-Runden werden mit Experten Bücher wie Dan Browns „Sakrileg“ diskutiert. Und zur Weinprobe kann man gleich das passende Regal mit nach Hause nehmen. Dem monotonen „Charme“ einer Handelskette entgeht Van Uum, indem er auf regionale Besonderheiten Rücksicht nimmt: Kunden finden ebenso die Veröffentlichungen eines lokalen Historikers wie die Pralinen des nahe gelegenen Klosters. Die JB-Buchläden treffen den Nerv der Zeit und bedienen mit einem ganzheitlichen Retailtainment-Konzept Konsumentenbedürfnisse

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Grundbedürfnisse des Lesers in der Zukunft
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wie Convenience, Authentizität und Regionalität. Der Jahresumsatz liegt bei 50 Mio. US-Dollar.
Buch und Wissensgesellschaft bleiben auch in Zukunft enge Verbündete
Das Verhältnis zwischen Industrie- und Wissensarbeitern hat sich inzwischen gedreht: Arbeiteten 1960 noch 56 % der Menschen in Industriebetrieben, so sind es heute 62 % „Wissensarbeiter“. Lebenslanges Lernen ist in der Wissensgesellschaft die Erfolgsformel jedes Einzelnen, von der auch die Buchbranche profitiert. Nur: Laut einer Emnid-Umfrage unter Studenten empfindet ein Viertel der Befragten das in Schule und Studium erworbene Wissen teilweise bereits wieder als veraltet. Lernen und Bildung wird sich aber auch in den nächsten Jahren auf gedrucktem Papier und über die personale Vermittlung eines Lehrers, Dozenten oder Professors abspielen. E-Learning bleibt eine – wenn auch erstarkende – Nische. Bücher werden deshalb zukünftig noch schneller auf aktuelle Debatten und Leitthemen eingehen müssen. Denn das Buch ist und bleibt ein Leitmedium. Allerdings müssen sich Verlage und Buchhandlungen auf schnellere Produktionsmodi einstellen, um der Publikationsgeschwindigkeit elektronischer Ressourcen Paroli bieten zu können.
Vom Massen- zum Zusatzgeschäft: Zeitungsverlage machen den Buchmarkt lukrativ
Derzeit startet das altehrwürdige Blatt „Die Zeit“ seine neue Sonderedition „Klassik“. In 20 Bänden hat die Redaktion einen musikalischen Klassikkanon zusammengestellt, auf den sich der Kunde der Marke „Die Zeit“ offenbar sehr gerne verlässt: CD und Buch als Einheit. Mit derartigen Aktionen schafften es die großen Zeitungshäuser (man denke an den Literaturkanon der „Süddeutschen Zeitung“), rückgängige Leserzahlen (und vor allem die Anzeigenverluste) zu kompensieren. Die Nachfrage unterstreicht, dass die Lust am Lesen vorhanden ist. In den nächsten drei Jahren, so die Prognose einer aktuellen Studie des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, werden ein Viertel der Verlagsumsätze mit Extraprodukten erzielt.
Fazit:
Lesekultur wird sich in den nächsten Jahren in zwei Sphären weiterentwickeln: Als komplexe Informationsbeschaffungsmaßnahme in der globalen Wissensgesellschaft und als Entschleunigung über belletristische Angebote. Mit dem Kauf eines Buches erhofft sich der Kunde von morgen Erweiterung des Bildungshintergrunds (und damit Wettbewerbsfähigkeit), Horizonterweiterung, aber auch das Eintauchen in emotionale Kontrastwelten.
Veröffentlichung:
Oktober 2006
Autor(en):
Redaktion Zukunftsinstitut
Quelle:
Trendspot
Preis:
kostenfrei
Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Seit Jahrhunderten wird die Zukunft des Buches in düsteren Farben gezeichnet. Trotzdem ist die erwartete Katastrophe bisher ausgeblieben. • Die Mehrzahl der Bücher wird vorwiegend in klassischen Buchhandlungen gekauft (81%). Um sich gegen die smarten Informationsmöglichkeiten des Internets behaupten zu können, müssen sich Verlage allerdings verändern. Denn fast die Hälfte aller online gekauften Artikel sind Bücher (45%). Nur Bücher anzubieten, reicht jedoch nicht mehr aus, denn die Konsumenten von heute erwarten viel mehr. Dieser Artikel liefert einen Einblick in die Lesekultur der Zukunft. • Leseratten oder Bildungstiger – wie sieht die Kernzielgruppe der Buchbranche aus? • Thalia • Joseph-Beth-Buchhandlungen • Die neuesten Kochrezepte zum Test: Wie ein konkurrenzfähiger Buchladen der Zukunft aussieht • Buch und Wissensgesellschaft bleiben auch in Zukunft enge Verbündete • Vom Massen- zum Zusatzgeschäft: Zeitungsverlage machen den Buchmarkt lukrativ
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