Studien

Specials

Trenddossiers

Auftragsstudien

Zukunftsletter

Bücher

Online-Archiv

Autoren





Login











Drucken




Trendspot #27: 2030 – Wie wahrscheinlich ist der Aufstand der Alten?


Der ZDF-Dreiteiler „2030 – Aufstand der Alten“, der im Januar 2007 ausgestrahlt wurde, schürt die Ängste angesichts der alternden Gesellschaft. Doch wie realistisch ist das skizzierte Szenario? Ein Gastkommentar von Erik Händeler.



Trendspot #27Rentner überfallen Apotheken, weil ihnen das Geld für Medikamente fehlt; Greise vegetieren in afrikanischen Verwahrlagern. Beim ZDF-Dreiteiler „Aufstand der Alten“ läuft es einem kalt über den Rücken – vor soviel Gestrigkeit und eindimensionalem Denken. Denn diese Vergreisungsszenarien sind eng gekoppelt an die Erwerbsbiografien der alten Industriearbeitsgesellschaft, als man in der Produktion arbeitete oder in starren 8-bis-17-Uhr-Büros, und das Lebensarbeitsende kam so abrupt wie vollständig. Die Generation dagegen, die in die Informationsgesellschaft hineingewachsen ist, leistet hauptsächlich immaterielle Wertschöpfung: Planen, organisieren, Wissen finden, das man braucht, um ein Problem zu lösen. Das erzwingt direkte Zuarbeit und oftmals wechselnde Kollegen in verschiedenen Projekten statt Hierarchie und Gleichförmigkeit. Und es hilft, auf unspektakuläre Weise länger zu arbeiten.

Abschied vom industriellen Arbeitsethos


Die Zukunft ist eben nicht mehr der Standardmitarbeiter mit der Standardleistungsfähigkeit, sondern Teams, die die individuellen Stärken der Einzelpersonen nutzen. Während früher die älteren Mitarbeiter entweder nach oben befördert oder in den Vorruhestand geschickt wurden, bekommt der Informationsarbeiter eine neue Perspektive: Er wird im Alter bei Projekten Kundenkontakte pflegen, Kollegen beraten und – ohne Gesichtsverlust – hierarchisch „niedriger“ als früher Einzelaufgaben übernehmen. Dabei wird er flexibler als in seinen besten Jahren eingesetzt, zeitlich weniger arbeiten und weniger verdienen als bisher, aber eben nicht zwischen 60 und 80 so verarmen, dass er Apotheken überfallen müsste.

Es ist wahr, dass wir mit zunehmendem Alter an Kraft und manche Fähigkeiten verlieren. Wahr ist aber auch, dass wir manche Eigenschaften eben erst mit den Jahren herausbilden: Die Fähigkeit, drohende Fehler schon vorher zu erkennen; das Überblickswissen über Markt und Kunden; eine Breite an kommunikativem Repertoire. Ältere sichern Entscheidungen besser ab, schätzen Probleme realistischer ein – alles auch aus dem gesammelten Schatz eigener Niederlagen. Wer dann ohne zuviel Stress in Abläufe eingebunden bleibt, der bleibt auch länger lebenstüchtig.

Downaging: Die „jungen“ Alten – alt ist nur das Altersbild


Was wir derzeit erleben, ist gar nicht ein „Oh wie schrecklich“: Die genetische Ausstattung des Menschen taugt theoretisch für 120 Jahre. Wenn die Menschen früher mit Mitte 40 an Erschöpfung oder an Seuchen starben, das war unnormal. Es ist normal, rüstig 80 Jahre alt zu werden. Was da gerade passiert, ist angesichts unserer historischen wirtschaftlich-technischen Entwicklung schlicht eine Normalisierung. Nicht das Altern ist das Problem, sondern der Lebensstil, der zu einem großen Teil Krankheit und Pflegebedürftigkeit verursacht.

Und darauf wird unser Alltag reagieren. Die Marktwirtschaft wird jene Firmen belohnen, die nachhaltig mit ihren Mitarbeitern umgehen. Die Wirklichkeit wird ein Gesundheitssystem erzwingen, in dem nicht wie heute alle Akteure nur ein Interesse an Kranken haben, sondern in dem sie das Geld der Krankenkassen mit Gesunderhaltung verdienen: Individuell passende Bewegung für den Stoffwechsel, Gedankenhygiene, Lebensberatung. Technischer Fortschritt wird nicht nur Geld kosten, er wird vor allem Geld einsparen – auch weil sich Bildungskapital länger amortisieren kann. Zugegeben: Wir werden auch in Zukunft sterben. Aber auf dem Weg bis dahin werden sich die Alten von übermorgen noch einiges einfallen lassen.

Erik Händeler ist Buchautor, Zukunftsreferent und Dozent an der Zukunftsakademie. Im Frühjahr 2007 erschien die aktualisierte sechste Auflage seines Bestsellers „Die Geschichte der Zukunft – Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen“ im Brendow-Verlag. Mehr zu Erik Händeler »


Veröffentlichung:
Januar 2007

Autor(en):
Erik Händeler

Quelle:
Trendspot

Preis:
kostenfrei

Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Abschied vom industriellen Arbeitsethos Downaging: Die „jungen“ Alten – alt ist nur das Altersbild

Thema
keine Spezifizierung

Megatrends
  • Alternde Gesellschaft

Branchen
keine Spezifizierung



zurück zum Suchergebnis »




Seitenanfang


Drucken

  Sitemap | Presse | AGB | Disclaimer | Impressum | © 2010 Zukunftsinstitut GmbH





 Suchen:










   in WEBSITE
   in ARCHIV




   Future Circle
   Membership





   Wir über uns
   About us




   Kontakt
   Anreise




   Newsletter
   Podcast | RSS




   Kongresse &
   Veranstaltungen