
Trendspot #30: Future Fun
Was hat die Sportartikelbranche zu bieten – ein Trendspaziergang über die ISPO. Von Patrick Mijnals
Immer wieder müssen wir lernen, dass Innovationen nicht gleichbedeutend sind mit höheren Umsätzen. In der letzten Woche ging in München die weltweit größte Sportartikelmesse ISPO Winter 07 zu Ende. Ähnlich wie der Schnee in vielen Ski-Ressorts leider ausblieb, gab es in diesem Jahr auch nur wenige spannende Neuheiten, deren Verkaufswert noch dazu mehr als fraglich ist.
Ein Lichtblick: Der Ski mit gespaltener Persönlichkeit
Die Power-Switch-Technologie von Völkl gehörte da noch zu den größeren Highlights im Bereich Wintersportartikel, auch wenn diese sich sicher nicht mit einer Produkteinführung wie die der Carving-Ski messen kann: Durch das Umlegen eines Schalters lassen sich die (Persönlichkeits-)Eigenschaften der Skier von aggressiv/kraftvoll auf entspannt/smooth umstellen.
Pimp my Jacket: Die Wunschträume der Konsumelektronik-Industrie
Wie schon mehrmals in den vergangenen Jahren wurde von der Textil- und Elektronik-Industrie auch dieses mal wieder der Aufbruch in eine neue Ära der „Wearable Technology“ verkündet. Die Versuche, elektronische Geräten und althergebrachte Kleidungsstücke zu verschmelzen und auf den Massenmärkten zu platzieren, werden mangels Kundeninteresse wohl auch weiterhin fruchtlos bleiben.
Im Windschatten des iPod könnte aber zumindest das eine oder andere elektronische Zubehör seinen Weg in die Kleiderschränke der Wintersportler bahnen (s. auch Zukunftsletter 07/2006). Rund um die mobile Jukebox entsteht nämlich gerade ein ganzer Markt von textilen Bedienelementen, die zukünftig direkt über die Kleidung gesteuert werden sollen. Allein der Hersteller Burton bietet momentan zehn unterschiedliche Jacken-Modelle mit eingebauter iPod-Fernbedienung, unsichtbaren Kabelkanälen und Bluetooth-Anschlüssen an. Quicksilver stellte seinen völlig übertunten Prototypen einer 40 Gigabyte „schweren“ solarbetriebenen Camcorder-Jacke mit Ärmel-Display für den Heavy-YouTube-Producer vor.
Die ISPO war ein Markt des technologischen Wettrüstens – dabei ist schon lange klar, dass weniger in Zukunft mehr ist
Dass sich für solche Technik-Gadgets noch kein Massenerfolg eingestellt hat, verwundert eigentlich nicht. Wichtiger als unsere Garderobe mit mehr Technik-Schnick-Schack zu überladen, wird es in Zukunft sein, Produkte mit einfacher Funktionalität und ansprechendem Design gleichermaßen auszustatten. Da könnte Bosch Sensortec mit seinem ActiShirt genau richtig liegen: Das T-Shirt mit integrierter Sensorik liefert ohne lästigen Brustgurt oder klobiger Pulsuhr sofort mit dem Überstreifen diverse Messdaten, vom Langzeit-EKG bis zur Schrittfrequenz.
Aber warum nicht noch einfacher und die Herzfrequenz beispielsweise mit einer Farbänderung des T-Shirts anzeigen? Solch ein intuitiver Umgang mit den Messdaten könnte vor allem auch das Interesse der älteren
Sportlergenerationen wecken.
Neuerungen entlang der Megatrends: Wo wirklich Zukunft drin steckt
Nachdem der Megatrend „Alternde Gesellschaft“ im Sportartikel-Business bislang von fast allen Herstellern kläglich vernachlässigt wurde (dabei gibt es genug Gründe dagegen), installierten die Messeveranstalter in diesem Jahr erstmalig eine eigene Ausstellung zum Thema „Golden Generation“ und mit der „Best Ager Innovationswerkstatt“ ein dazugehöriges Workshop-Programm. Ansonsten suchte man bei den meisten Ausstellern jedoch vergeblich nach Produkten und entsprechender Kommunikation, die eine ältere Zielgruppe erfolgreich anzusprechen vermögen.
In anderen Bereichen zeigten die Fachhändler durchaus mehr Ehrgeiz, was ihre „Future Fitness“ betrifft. Die Ergebnisse des ISPO-Trendbarometers 07, einer Onlinebefragung von ca. 600 Fachhändlern, ergab, dass beispielsweise dem Megatrend „Neue Frauen“ durchaus Rechnung getragen wird: 67% der Befragten stellen sich auf eine verstärkte Nachfrage im Bereich der speziell an die Bedürfnissen von Frauen ausgerichteten Produkte ein und liegen damit goldrichtig (s. dazu Zukunftsletter 02/2005). 80% der Händler bereiten sich laut Umfrage auf den Aufbruch in die Service-Ökonomie (s. dazu Zukunftsletter spezial 09/2006) vor und sehen einen steigenden Handlungsbedarf, etwa was Garantie-Leistungen, Testcenter für Sportartikel und umfassende Kursangebote betrifft.
Ein edler Zwirn für LOHAS
Auch für die sportlichen LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability, siehe dazu die aktuelle Studie aus dem Zukunftsinstitut) hatte die ISPO was zu bieten: Egal ob Soja, Bambus, Holz oder Kokos, die Textilindustrie entdeckt die regenerativen Naturstoffe. Der Hersteller Traptek bietet mit „cocona“ feuchtigkeitsabsorbierende und geruchshemmende Fasern mit UV-Schutz an, die aus Kokosnussschalen gewonnen werden. Bei SeaCell handelt es sich um eine Cellulose-Faser, in die Algen eingearbeitet werden. Dies verleiht den Stoffen, wie das Fresenius Institut in Berlin nachwies, entzündungshemmende und zellerneuernde Eigenschaften.
Die Industrie erkennt endlich, das Funktionalität, Style und Natürlichkeit einander nicht ausschließen und der Megatrend Gesundheit auch in Zukunft nachhaltiges Wachstum verspricht.
Fazit: Der nächste Winter kommt bestimmt ...
... vielleicht ja auch bei uns. Und falls nicht, bleibt immer noch das Ausweichen auf den osteuropäischen Markt. Ohnehin schnellte der Anteil der Besucher und Aussteller aus dem Osten in diesem Jahr nach Angaben der Veranstalter stark nach oben. Und bereits in der nächsten Woche beginnt die ISPO Russia.
Veröffentlichung:
Februar 2007
Autor(en):
Patrick Mijnals
Quelle:
Trendspot
Preis:
kostenfrei
Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Ein Lichtblick: Der Ski mit gespaltener Persönlichkeit • Pimp my Jacket: Die Wunschträume der Konsumelektronik-Industrie • Die ISPO war ein Markt des technologischen Wettrüstens – dabei ist schon lange klar, dass weniger in Zukunft mehr ist • Neuerungen entlang der Megatrends: Wo wirklich Zukunft drin steckt • Ein edler Zwirn für LOHAS
Thema
keine Spezifizierung
Megatrends
keine Spezifizierung
Branchen
- Mode / Kosmetik
- Tourismus / Sport / Freizeit
zurück zum Suchergebnis »
|