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Trendspot #35: Geschäftsmodell Bildung


Wie man mit Schulen Geld verdient



Trendspot #35:Nichtstaatlich organisierte Bildungsangebote florieren – von der Privatschule bis zum Tchibo-Gutschein für Nachhilfeunterricht. Die Hintergründe des Booms sind allerdings längst nicht so einseitig, wie vielfach angenommen: Die Verunsicherung der Eltern und Skepsis gegenüber dem staatlichen Bildungssystem aufgrund der schlechten PISA-Ergebnisse und den Berichten über Gewalt an Schulen sind nur eine Ursache. Ebenso entscheidend ist die Erkenntnis vieler Eltern, dass Bildung in der kommenden Wissensgesellschaft das höchste Gut ist, in das zu investieren sich lohnt. – Erst recht, wenn es um den eigenen Nachwuchs geht.

Deutschland erlebt derzeit einen Privatschulboom wie noch nie: Im Schuljahr 2005/06 gab es bundesweit 4.637 private allgemeinbildende und berufliche Schulen – 44% mehr als 1992. Damit ist mittlerweile jede zehnte Schule in Deutschland eine Privatschule – in der Regel gemeinnützig organisiert, als Stiftung oder Verein. Die Zahl der Schüler an privaten Schulen wuchs im selben Zeitraum kontinuierlich um 52% auf 873.000; ihr Anteil an allen Schülern liegt damit inzwischen bei 7,1% (1992: 4,9%). 30% der Eltern würden, wenn das Geld keine Rolle spielt, ihre Kinder gern auf eine private Schule schicken. Die Nachfrage kann in Deutschland aktuell nicht mal annähernd gedeckt werden. Nachholbedarf gibt es vor allem in Ostdeutschland, wo private Schulen gänzlich neu aufgebaut werden müssen. Dass private Schulen den öffentlichen wirklich überlegen sind, ist allerdings bisher auch durch die PISA-Studien noch nicht bewiesen.

Eine Schule fürs 21. Jahrhundert


Der vorläufige Höhepunkt des Trends hierzulande: Die PHORMS-Schule in Berlin Mitte, die erste Schule Deutschlands, die von einer Aktiengesellschaft geführt wird. Sie ist schick, aber nicht nobel, besonders, aber nicht elitär: Ganztagsbetrieb, kleine Klassen, hoch motivierte Lehrer, individuelle Förderung, Nutzung neuer Medien, international kompatible Ausbildung, d.h. bilingualer Unterricht nicht nur nach Landes-Lehrplan, sondern auch nach Cambridge International Curriculum, als möglicher Abschluss neben dem Abi auch das Internationale Bekkalaureat. – Alles was man an staatlichen Schulen nur schwer bekommt. Klar, dass da die Eltern, trotz einkommensabhängigem Schulgeld von 220 bis 860 Euro monatlich, Schlange stehen. Waren es bei der Eröffnung im August 2006 erst 43 Schüler hat sich die Zahl inzwischen auf 87 verdoppelt. Schon ab 140 Schülern trägt sich die Schule selbst.

Startkapitalgeber ist die übergeordnete PHORMS Management AG, die bis 2017 deutschlandweit 40 solcher Schulen eröffnen will. Als profitorientiertes Dienstleistungsunternehmen bietet es den PHORMS-Schulen, aber auch anderen Bildungsinstitutionen alle relevanten Leistungen an: von der Lehrerfortbildung bis zum IT-Service.

Megatrend Bildung: Die ökonomischen Chancen sind riesig


Was hierzulande ein absolutes Novum ist, ist im Ausland gang und gäbe. Nicht nur dass der Anteil der Privatschüler in vielen Ländern deutlich höher liegt (NL: 76%, B: 57%, UK: 41%, E & AUS: je 30%, F: 21%), im Ausland verdienen Unternehmen mit Bildung viel Geld. In Großbritannien beträgt der jährliche Umsatz der Privatschulen rund 6 Milliarden Euro. Wie in Deutschland gerät aber auch hier das Schulsystem zunehmend unter Effizienzdruck. Diverse Anbieter sehen darin allerdings auch Marktchancen:

  • Schulen leiten UND managen: Der professionelle Bildungsdienstleister Cognita wurde 2004 gegründet und hat seither 31 Schulen in England aufgekauft. Die mehr als 7.000 Schüler werden von über 900 Lehrern unterrichtet. Bei der Privatisierung und Reorganisation geht es aber weder um den Ausverkauf der Bildung noch um teure Eliteschulen, sondern um Produktivitätssteigerung und Qualitätsmaximierung für die bestmögliche Ausbildung zu erschwinglicheren Preisen verglichen mit den traditionellen Privatschulen Englands.
  • Die Globalisierung der Erziehung: Dasselbe Ziel verfolgt GEMS Education. Ebenfalls profitorientiert, managt das Unternehmen mit Hauptsitz in Dubai erfolgreich ein ständig wachsendes Netz von heute 65 internationalen Privatschulen in 6 Ländern u.a. in Indien und dem Nahen Osten. GEMS versorgt fast 65.000 Schüler mit Top-Bildungsangeboten und beschäftigt 5.200 Lehrkräfte, Experten und andere Mitarbeiter.

Insbesondere in den bevölkerungsreichen, wachstumsstarken Schwellenländern, die einen enormen Nachholbedarf bei der Bildungsversorgung haben, sind die Marktpotenziale in den kommenden Jahren riesig.

Nach dem PISA-Schock: Discounter mischen den Bildungsmarkt auf


Auch Tchibo steigt ins Bildungsbusiness ein: Neben Sport-Outfit, Bettwäsche und Handys hat der Hamburger Kaffeeröster im Februar auch erstmals Gutscheine für einen Monat Nachhilfe verkauft. Für nur 50 Euro bekommen Kinder 24 Stunden privaten Zusatzunterricht beim TÜV-zertifizierten Anbieter Studienkreis – einem der größten Nachhilfeinstitute Deutschlands. Auch die Billig-Supermarktkette Norma hat Ende 2006 ein Nachhilfe-Starter-Paket vom Studienkreis angeboten: 9 Doppelstunden à 90 Minuten für 89 Euro.

Nachhilfeunterricht ist ein Megamarkt: Die Zahl der Schüler, die Nachhilfe bekommen, ist drastisch gestiegen: Zwischen 2002 und 2006 um mehr als ein Viertel. Rund jeder vierte Schüler bekommt nach Schulschluss Nachhilfestunden gegen Bezahlung. Etwa 2 Milliarden Euro geben Eltern in Deutschland jährlich dafür aus, schätzen Experten. Je mehr sie verdienen, desto eher sind sie bereit zu zahlen.

Maßnahmen von Eltern zur Förderung des Kindes
Bereitschaft „sicher“/„wahrscheinlich“

Maßnahmen von Eltern zur Förderung des Kindes
Quelle: Communication Networks 10.0


Veröffentlichung:
März 2007

Autor(en):
Redaktion Zukunftsinstitut

Quelle:
Trendspot

Preis:
kostenfrei

Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Nichtstaatlich organisierte Bildungsangebote florieren – von der Privatschule bis zum Tchibo-Gutschein für Nachhilfeunterricht. Die Hintergründe des Booms sind allerdings längst nicht so einseitig, wie vielfach angenommen: Die Verunsicherung der Eltern und Skepsis gegenüber dem staatlichen Bildungssystem aufgrund der schlechten PISA-Ergebnisse und den Berichten über Gewalt an Schulen sind nur eine Ursache. Ebenso entscheidend ist die Erkenntnis vieler Eltern, dass Bildung in der kommenden Wissensgesellschaft das höchste Gut ist, in das zu investieren sich lohnt. – Erst recht, wenn es um den eigenen Nachwuchs geht. PHORMS: Eine Schule fürs 21. Jahrhundert Megatrend Wissen: Die ökonomischen Chancen sind riesig Nach dem PISA-Schock: Discounter mischen den Bildungsmarkt auf Maßnahmen von Eltern zur Förderung des Kindes (Abb.)

Thema
keine Spezifizierung

Megatrends
  • Bildung

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  • Bildung / Wissen / Consulting / Coaching



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