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Trendspot #58: H2O
Die neue Lust am elementaren Geschmack
Deutschland ist im Wasserrausch. Im Jahr 2006 ist der Absatz von Mineral- und Heilwasser um 7,1 Prozent gestiegen, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von 132,2 Liter entspricht. Hingegen sinkt der Bierverbrauch seit Jahren: Seit 1997 ist der Pro-Kopf-Verbrauch des ehemaligen Lieblingsgetränks der Deutschen um mehr als 15 Liter gesunken. Und für das Jahr 2010 wird den Deutschen sogar ein Pro-Kopf-Konsum an Heil- und Mineralwasser von mehr als 150 Liter vorausgesagt. Der Trend dahinter: Nicht nur das gestiegene Gesundheits- und Körperbewusstsein, sondern auch der konsequente Imagewandel des Wassers.
Ende der Limo-Kultur: Megatrend Gesundheit erreicht die Kids
In New York ist derzeit der Hype um Leitungswasser im vollen Gange. Nicht nur aus Kosten- und umweltethischen Gründen liegt in der US-Metropole das Wasser aus dem Hahn derzeit voll im Trend. Dabei wollen gerade die Kids nicht mehr von dem ungesunden Zuckerwasser wissen und trinken lieber Wasser aus der Leitung. Das gleiche Bild zeigt sich auch in Norwegen: Dort gaben kürzlich 67 Prozent der befragten 15 bis 24-Jährigen an, dass sie auf zuckerhaltige Limos weitestgehend verzichten wollen (1997 waren es nur knapp 45 Prozent). Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der wöchentlichen Cola-Trinker von 54 auf 35 Prozent. Hingegen ist für fast jeden fünften Jung-Norweger (17 Prozent) der Verzehr von Wasser normal – über die Hälfte von ihnen zapfen sich das kühle Nass aus dem Hahn.
Die Getränkeindustrie reagiert auf den Wasser-Trend: Rund ums Wasser entstehen Zukunftsmärkte
Coca-Cola hat den Hype um das Elementargetränk längst erkannt: Im Mai 2006 kaufte die berühmteste Marke der Welt den deutschen Mineralwasserhersteller Apollinaris. Mittlerweile tobt ein weltweiter Kampf um die gesunden Genießer: Nestlé (rund 20 Prozent weltweiter Anteil am Wassergeschäft), Danone etc. führen einen erbitterten Wettbewerb um die Gunst der gesunden Genießer. In Deutschland reüssieren sogar die Discounter mit dem „geschmacklosen“ Wasser: 46 Prozent des hier zu Lande abgefüllten Wassers wird
bei Aldi verkauft. Besonders stilles Wasser erreicht die Deutschen mit ihrem Wunsch nach Frische und Ursprünglichkeit: Um 17 Prozent stieg im Jahr 2006 die Nachfrage nach stillem Wasser. Weitere Beispiele:
- Wasser-Sommeliers werden in immer mehr Hotels zum Standard: Beim Stanglwirt in Going wird das Wasser neuerdings zelebriert, statt einfach eingegossen. Neben einer Wasserbar und einer Wasserkarte mit 21 Sorten hochwertigen Mineralwässern aus aller Welt, wird den Gästen mit dem 1. Tiroler Wassersommelier künftig auch eine neue Art von „Genussmanager“ angeboten (www.stanglwirt.com).
- Das Element des Lebens wird zum Luxusartikel: Das Edelwasser „Paris Pink“ von bling-h2o gibt es für 480 US-Dollar à 12 Flaschen, womit es wohl das exklusivste Wasser der Welt sein dürfte (www.blingh2o.com). Ein anderes exklusives Wasser kommt vom fernen Fujiyama. Das Wasser aus dem höchsten Berg Japans ist Ursprünglichkeit pur: Es brauchte 1000 Jahre, um durch das Vulkangestein emporzuquellen.
- Eigene Mineralwasser-Edition: Auch renommierte Privatkliniken polieren ihr Image inzwischen mit Wasser auf: Die Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken verkaufen ihr hauseigenes Mineralwasser, das aus den Schlangenbader Quellen gewonnen wird.
Fazit: Nichts ist minimaler, nichts ist basaler als Wasser. Der Hype um das Elementargetränk Wasser resultiert nicht nur aus den Megatrends Neo-Ökologie und Gesundheit. Er steht gleichermaßen für das Verlangen nach Authentizität und Reduktion auf das Wesentliche. Der postmaterielle Hedonismus kann also auch anders funktionieren: Im neuen Monopoly ist die Spielfigur ein umweltfreundlicher Toyota Prius. Die Elektrizität des „Sustainable Dance Club“ (www.sustainabledanceclub.com) im Off Corso in Rotterdam speist sich aus einem in die Tanzfläche integrierten Generator und die Toiletten werden mit Regenwasser betrieben.
Veröffentlichung:
August 2007
Autor(en):
Redaktion Zukunftsinstitut
Quelle:
Trendspot
Preis:
kostenfrei
Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Deutschland ist im Wasserrausch. Im Jahr 2006 ist der Absatz von Mineral- und Heilwasser um 7,1 Prozent gestiegen, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von 132,2 Liter entspricht. Hingegen sinkt der Bierverbrauch seit Jahren: Seit 1997 ist der Pro-Kopf-Verbrauch des ehemaligen Lieblingsgetränks der Deutschen um mehr als 15 Liter gesunken. Und für das Jahr 2010 wird den Deutschen sogar ein Pro-Kopf-Konsum an Heil- und Mineralwasser von mehr als 150 Liter vorausgesagt. Der Trend dahinter: Nicht nur das gestiegene Gesundheits- und Körperbewusstsein, sondern auch der konsequente Imagewandel des Wassers.
Thema
- Konsumverhalten, Lifestyle
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- Food & Beverage / Gastronomie
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