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Megatrend Frauen – die nächste Runde


Warum die Krise die Feminisierung vorantreibt. Editorial von Dr. Eike Wenzel und Matthias Horx



Was hat „die Krise“ mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber der große Sturz des Finanzwesens war nicht zuletzt ein Produkt männlichen Risikoverhaltens – und dessen grandiosen Scheiterns. Mehrere Studien haben aufgezeigt, wie die Testosterondosis, also der Level des männlichen Hormons, bei den Brokern der Wallsteet und des Londoner Finanzdistrikts zu fatalen Entscheidungen führte. Das schöne Wort vom „Bullenmarkt“, mit dem man steigende Börsenkurse bezeichnet, weist auf eine tiefere Wahrheit hin.

In ihrer auch als Buch erschienenen Studie Women Want More haben die Boston-Consulter Michael Silverstein und Kate Sayre alle Erkenntnisse, die wir über die Markt-Macht (und die Markt-Frustration) des weiblichen Geschlechts haben, auf den Punkt gebracht. Frauen investieren – oder würden(!) gerne investieren, wenn sie die richtigen Angebote hätten – in Gesundheit, Balance, Lebensumfeld, Wohnen, Services, Zukunft. Aber die Konsum- und Servicewelt sperrt sich über weite Strecken den Wünschen weiblicher Konsumenten. Deutsche Frauen kontrollieren trotzdem 78(!) % des Haushaltseinkommens. Sie entscheiden damit nicht nur über Socken, Lampen oder Möbel, sondern längst auch über das Auto, die Urlaubsinvestitionen und die Finanzanlagen.

Gerade bei Letzterem wird jedoch die Frustration der Frauen deutlich. 47 % aller Konsumentinnen finden, dass die Finanzbranche den Frauen keine realistischen und attraktiven Angebote macht. Technologie und Autos bringen es zu ähnlich schlechten Werten. Ist es Zufall, dass die besonders männlich und technisch geprägten Industrien – Autos, Banken, Handys – tiefer in die Krise gerutscht sind als andere? Könnte es sein (ich frage ja nur), dass die hartnäckige Absatzkrise bei schnellen, schweren, männlich „gebrandeten“ Automobilen etwas mit einem dauerhaften Wandel zu weiblich(er)en Werten tun hat? Ohne Frauen- Power wird die neue Regierung ihr riskantes Wachstumsspiel niemals gewinnen können. Denn diese Krise markiert ja auch den Abschied einer alten, vom Maschinenbau und den Exportsektoren dominierten Wirtschaftswelt. Frauen haben überall auf der Welt steigende Einkommen, und wo sie besser verdienen als bei uns (etwa in Skandinavien), ist die Konjunktur robuster und der Konsummarkt stabiler. Nur wenn die Frauen ihren Siegeszug auf dem Arbeitsmarkt fortsetzen, könnte sich die Konjunktur dauerhaft erholen. Männer alleine schaffen das nicht.

Ist es Zufall, dass nach Norwegen, wo 40 % Frauen in den Aufsichtsräten der großen Unternehmen inzwischen gesetzliche Quoten-Pflicht sind, nun auch Holland und Frankreich eine solche Quotenregelung diskutieren? Wenn wir nicht aufpassen, geht es uns so wie Island. Dort scheint die totale Frauenherrschaft ausgebrochen zu sein. Jóhanna Sigurðardóttir, eine ehemalige Bürokraft und Stewardess, führt eisern das neue Kabinett. Die 2 größten isländischen Banken haben inzwischen weibliche CEOs – vielleicht auch deshalb, weil kein Mann diesen Job mehr machen wollte. So geht das also. Man muss nur warten, bis die Männer ein Land zersägt haben. Dann müssen die Frauen die Trümmer aufräumen. Hatten wir das nicht schon einmal?

Herzlich,

Matthias Horx und Dr. Eike Wenzel


Veröffentlichung:
Dezember 2009

Autor(en):
Autoren-Pool Zukunftsinstitut

Quelle:
Zukunftsletter 12/2009
S. 1

Preis:
kostenfrei

Schlagwörter / Kurzbeschreibung:
Was hat „die Krise“ mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber der große Sturz des Finanzwesens war nicht zuletzt ein Produkt männlichen Risikoverhaltens – und dessen grandiosen Scheiterns. Mehrere Studien haben aufgezeigt, wie die Testosterondosis, also der Level des männlichen Hormons, bei den Brokern der Wallsteet und des Londoner Finanzdistrikts zu fatalen Entscheidungen führte. Das schöne Wort vom „Bullenmarkt“, mit dem man steigende Börsenkurse bezeichnet, weist auf eine tiefere Wahrheit hin.

Thema
  • Ökonomie und Arbeitswelt

Megatrends
  • Neue Frauen
  • New Work

Branchen
keine Spezifizierung



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