Diana Kisro-Warnecke

Wie sieht unsere Zukunft aus? 10 Fragen an prominente Forscher und Denker.
Diana L. M. Kisro-Warnecke geboren Warnecke ist eine deutsche Wissenschaftlerin und Managerin. Sie ist Geschäftsführerin und Inhaberin des Beratungsunternehmens Dr. K&K ChinaConsulting und Bundesvorstandsvorsitzende der Vereinigung für Frauen im Management. China Report 2017

         1. Welcher Trend wird die Zukunft viel stärker prägen, als wir denken?

Der Trend Transparenz in allen Lebensbereichen zu etablieren wird zu spannenden Entwicklungen führen, nicht immer zu Ent-spannungen. Damit einher gehen Einsparungspotenziale und Ressourcenoptimierung – wir haben noch nicht einmal an den Möglichkeiten gekratzt, die existieren…

2. Was ist Ihrer Meinung nach ein überschätzter Trend?

Trends sind erst einmal Hinweise für eine sich andeutende Zukunftsentwicklung. Kann man die Bedeutung von Zukunft überschätzen, wenn man die Vergangenheit schätzt und die Gegenwart nicht vergisst?

 3. Was wird in unserer Gesellschaft in 20 Jahren anders sein? 

Das Miteinander wird durch die Digitalisierung anhaltend revolutioniert. Sicherlich werden wir viel stärker miteinander kommunizieren müssen, haben dann aber auch die verbesserten technischen Möglichkeiten hierzu. Der persönliche, direkte Kontakt wird einen höheren Stellenwert erhalten haben und die Qualität der Kontakte wird sich nochmals verändern. Bereits heute steuern wir auf Vollautomatisierung und den Wegfall von Arbeitskräften im volkswirtschaftlichen Primären und Sekundären Sektor zu. Was uns erwartet? Dienstleistungen, Freizeitgestaltung und persönlicher Austausch auf höchstem Niveau – wenn wir wollen. Ganz bestimmt aber werden wir unendliche Wahlmöglichkeiten haben.

 4. In welcher Form beeinflussen Trends Ihre Arbeit?

Als Unternehmensberaterin muss ich wissen, welche Trends sich entwickeln. Wo stehen wir? Was passiert um uns herum? Und wo wollen wir hin? Das sind die täglichen Fragen unserer Auftraggeber und beschäftigen uns in den Projekten. Trends und Notwendigkeiten zur Veränderung zu erkennen und Unternehmen damit nicht zu überfordern, sondern sie dort abzuholen, wo sie stehen; das ist mein Job. Und unsere Kunden erwarten zu Recht, dass wir pragmatische Handlungsoptionen aufzeigen, damit eine Organisation zukunftsfähig gestaltet werden kann. 

 5. Wann hat Sie ein Trend zum letzten Mal so richtig überrascht?

Es war mehr eine Recherche zum China Report 2017 als ein gesamter Trend: als wir zur Gen-Technik in China recherchierten, war ich bass erstaunt, welche Ergebnisse bereits vor 10 Jahren erzielt wurden. 

Generell bin ich häufig überrascht – darüber, wie wenig Beachtung wir großartigen Forschungsergebnissen schenken. Die Messung von Gravitationswellen an der Universität Hannover ist ein Beispiel dafür, welche Synergien sich durch das Zusammenspiel internationaler Teams erzielen lassen… 

 6. Welche Prognose der vergangenen Jahre lag am meisten daneben?

Ein weitsichtiger und geschätzter Geschäftspartner sagte mir vor kurzer Zeit, dass er alles, aber nicht den reißenden Absatz von SUVs erwartet hätte. Die massiven und immer dichter aufeinander folgenden Veränderungen haben einen Sog nach Schutz hervorgerufen. Sicherlich wird uns dieses Schutz- und Kontrollbedürfnis noch lange und global stärker beschäftigen.

 7. Wer ist Ihr Lieblingsdenker zum Thema Zukunft?

Prof. Dr. Peter Kruse, der leider bereits verstorben ist. Mit einer Leichtigkeit und Durchsicht hat er komplexe Sachverhalte erläutert oder die kleinsten Anzeichen von Trends zusammengefügt und in alle denkbaren Lebensbereiche transferiert. Auch mit Wolfgang Müller-Pietralla lässt es sich vorzüglich denken und visionieren. Und ich schätze die Ideen und das Unternehmertum von Elon Musk. Aber ich denke auch, dass sich offen zu halten, neue Wege zu denken und Fachgebiete zu entdecken mit Personen, die noch nicht als Zukunftsdenker identifiziert wurden, extrem bereichernd sind…

 8. Welche Innovation wünschen Sie sich?

Schule, die durchgehend Spaß macht, die relaxte Forschungsbegeisterte, reflektierte und selbst-bewusste Menschen hervorbringt mit dem Sinn für ein globales Allgemeinwohl. 

 9. Was treibt Sie zur Verzweiflung?

Für Ignoranz und Fanatismus habe ich wenig Verständnis.

 10. Was gibt Ihnen Anlass zur Hoffnung?

Das globale Bildungsniveau steigt – das finde ich, ist ein Lichtblick. Ich hoffe, dass das resultierende Bewusstsein neue Lösungsmöglichkeiten mit neuen Beteiligten offenbart. Da halte ich es ganz mit Albert Einstein: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

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Dossier: China

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