Corona macht die Welt. Nein! Ich mach mir die Welt — gerade jetzt!

Unsere Vorstellung der Zukunft ist von Emotionen geprägt. In Ausnahmezuständen — wie in der Corona Krise — ist das auch so. Dort, wo heftige Emotionen dominieren, steht die Zukunft auf dem Spiel. Daher gilt es jetzt, klug mit Emotionen umzugehen.

Ein Beitrag von Harry Gatterer

Unser soziales Miteinander wird gerade radikal erschüttert. Unser Alltag ist — auf unbestimmte Zeit — abgeschafft. Wir befinden uns im Ausnahmezustand. Das haben die meisten Menschen spätestens mit dem beginnenden Shutdown in Italien erkannt. Jetzt ist es auch in Österreich und in Deutschland zur erlebten Wirklichkeit geworden. Der Ausnahmezustand ist bei uns angekommen.

Meine Idee: Wir gehen in den Vor-Sicht-Modus

Zuerst reagieren wir emotional – das ist völlig klar. Die einen werden hypernervös, die anderen sind verärgert. Man macht sich Sorgen und hat Ängste. Diese Einschnitte wirken durch ihre Radikalität aber nicht nur auf die Gegenwart ein. Nein, vielmehr verändern sie unsere Zukunft. Was wir Zukunft nennen, ist nichts anderes als eine Vorstellung. Was wir Zukunft nennen, hat nichts „Reales“ an sich — außer, dass wir Bilder und Gedanken dazu in unseren Köpfen haben. Diese Bilder sind von unserer Gegenwart und unseren Erinnerungen geprägt. Durch Corona ändern sich unsere Vorstellungen. Was wichtig und gut ist, gerät nun auf den Prüfstand. Und wir entwickeln neue Muster von unserer Zukunft.

Prognosen sind nicht die Zukunft

Üblicherweise wird unsere Zukunft durch Prognosen geprägt. Vom Wetter bis zu medizinischen Risikoeinschätzungen, vom Aktienkurs bis zur Routenberechnung. Prognosen überall. Dabei sind Prognosen schlichtweg statistische Aussagen. In Prognosen werden die zur Verfügung stehenden Daten verwendet, um daraus — per Modell und Algorithmus — eine Aussage über wahrscheinliche Ereignisse zu treffen. Unser Alltag war schon vor Corona voll mit diesen Wahrscheinlichkeiten. Jetzt gerade erleben wir via Corona-Live-Ticker eine neue Lawine von prognostischen Szenarien — jeden Tag anders. Wir wissen viel mehr nicht, als wir wissen. Prognosen helfen uns also nicht, die Zukunft vorwegzunehmen. Aber: Sie helfen uns zu verstehen, welche Themen und Fragestellungen jetzt im Raum stehen.

Unsere Zukunft steht auf dem Spiel

Viel bedeutender als Prognosen zu glauben, ist unser Umgang mit unseren Möglichkeiten. Wenn Prognosen uns darüber informieren, was gerade an Daten vorhanden ist, sind Möglichkeiten unser innerer Zukunftskompass. Was halten wir für möglich — weil, oder auch trotz der Prognosen. Ob wir in einer Krise beispielsweise eine Chance sehen, oder nicht, hängt nicht von Prognosen ab. Vielmehr hängt es davon ob, wie wir mit dieser Krise und dem vorhandenen Wissen umgehen. Somit ist für die Entwicklung von Zukunft die Prognose ein Werkzeug der Orientierung. Und was wir für möglich halten, ist der wahre Spielraum.

Wenn wir nun durch den Coronavirus völlig unklare Prognosen über die Zukunft haben — zumindest für einige Monate —, so ändert das sowohl unseren Alltag wie auch die generelle Vorstellung von Zukunft. Ein Beispiel: Wenn durch den Virus viele Meetings nur mehr Online stattfinden, und das über Wochen, wird das unsere Meetingkultur nachhaltig verändern. Wenn wir nun erleben, dass Nachbarschaftshilfe vielerorts gelebt wird, werden Nachbarschaften neu entdeckt. Es ist also klar: Eine objektive Zukunft gibt es nicht. Es kommt — mehr denn je — drauf an, was wir daraus machen.

Zukunft ist möglich

In der ersten Schockphase geht es darum, klar zu kommen. Eine neue Gegenwart bricht an. In dieser sind wir gut beraten, wenn wir nicht nur durchhalten und hoffen, dass es nachher einfach weiter gehen wird. Vielmehr müssen wir diese Zwangspause nutzen, um unsere Zukunft neu zu zeichnen. Alle Prognosen der Welt helfen uns gar nichts, wenn wir nicht sehen, was darin für uns möglich ist. Zukunft ist nichts Objektives. Zukunft ist nicht schon geschrieben. Wir schreiben sie. Wir alle zusammen. Und jede und jeder für sich. Denn Zukunft ist eine Vorstellung, die durch kollektive Kommunikation über Bedeutung entsteht. Am Ende ist aber jede Vorstellung wieder individuell. Die Frage ist: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor? Diese Zukunft ist nämlich die einzige, die es für Sie gibt.

Mein neues Buch „Ich mach mir die Welt. Wie wir mehr Leben in unsere Zukunft bringen behandelt genau diese Fragen. Es hilft Ihnen dabei, sich eine umfassende und qualitative Vorstellung der Zukunft zu gestalten. Ich ermutige Sie: „Wann, wenn nicht jetzt. Wer, wenn nicht Sie.“


Bücher von Harry Gatterer