Ozeanmüll: Vom Problem zum Businessmodell

Allein in Europa werden jährlich 750.000 Tonnen an Plastiktüten produziert. Plastikmüll ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt – und ein umher treibender Rohstoff.

Von Lena Papasabbas und Jörg Melzer (09/2015)

Die Mengen an Plastik, die Jahr für Jahr in den Umweltkreislauf gelangen, sind ein seit Jahren bekanntes Problem. Weltweit gelangen pro Jahr 8 Millionen Tonnen an Plastik in unsere Ozeane. Neben den Millionen von Seevögeln, die den herumtreibenden Kunststoff mit Futter verwechseln und daran sterben, gelangen kleinste Plastikpartikel in die Nahrungskette – und landen durch den Verzehr von Meerestieren schließlich auch auf dem Speiseplan des Menschen. Abgesehen vom immensen ökologischen Schaden, entstehen dadurch für die betroffenen Industriezweige wie Fischerei oder Tourismus jährliche direkte und indirekte Kosten von mindestens 13 Billionen US Dollar.

Umweltorganisationen beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit dem Problem des Ozeanplastiks, doch jetzt nehmen sich auch Unternehmen den schwimmenden Müllbergen an. Um die Lösung dieses Problems entstehen kreative Lösungansätze, Crowdfunding-Kampagnen und neue, innovative Produktlinien.

Ein Konzept, um einer unachtsamen Entsorgung des Mülls vorzubeugen, sind die sogenannten Plastic Bank Recycling Stations. Basierend auf einer Idee des erfolgreichen Entrepreneurs David Katz, werden Plastikabfälle dabei zu einer Art Währung, indem die Kunden für den abgegeben Müll statt Geld Telefonminuten, Essen oder andere Waren bekommen. Das Plastik wird anschließend zersetzt und erhält mithilfe von 3D-Druckern ein zweites Leben.

Um den Müll im Nordpazifischen Meeresstrudel (“Great Pacific Garbage Patch”) zu sammeln, hat der junge Holländer Boyan Slat per Crowdfunding das Projekt “The Ocean Cleanup” ins Leben gerufen. Mit Hilfe schwimmender Barrieren, die am Meeresgrund befestigt sind, sollen so Plastikteile aufgehalten und gesammelt werden. Eine Barriere mit einer Länge von 100km könnte schätzungsweise in zehn Jahren den zirkulierenden Plastikmüll um 42 Prozent verringern.

Ozeanmüll Ocean Cleanup

Und wenn umhertreibende Stücke erst einmal aufgefangen werden, lassen sie sich auch weiterverarbeiten, wie es das Recycling-Modelabel Bionic Yarn des Musikers und Produzenten Pharell Williams in Kooperation mit der Modemarke G-Star vormacht – und dabei ganz nebenbei beweist, wie stylisch Recycling sein kann. Auch Adidas bedient sich des recycelten Ozeanplastiks, um eine neue Schuhkollektion zu kreieren, wobei jedoch abzuwarten bleibt, ob die Kollektion auch im Handel erhältlich sein wird.

Wie Recycling und stilvolles Design zusammengeen können, zeigt auch das belgische Unternehmen Ecover. Seine Plastikflaschen aus recyceltem Kunstsoff – darunter 10 Prozent Ozeanplastik – wurden jüngst mit dem begehrten Red Dot Design Award ausgezeichnet. 

Die Beispiele zeigen, wie mit dem Umweltproblem “Plastikmüll im Meer” kreativ und innovativ umgegangen werden kann. Umweltbewussten Unternehmen bietet die Thematik sowohl die Möglichkeit zur Einführung nachhaltiger Produktlinien als auch die Chance zur Neu-Positionierung. Der konventionelle Umgang mit Plastik wird überdacht, und Recycling wird zu einer Frage ästhetischen Produktdesigns. So können echte Beiträge zum Umweltschutz und die Entwicklung erfolgreicher Businessmodelle eine produktive Symbiose eingehen.

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