Die Technologie-Transformation

Metaverse is coming. Können wir es uns leisten, nicht Teil davon zu sein? – Harry Gatterer über Europas Übergang ins Metaversum-Zeitalter.

Die gute, alte Digitalisierung bin ich fast schon verleitet zu sagen, so lange, wie sie uns nun mittlerweile begleitet. Ja, wir rennen ihr in Europa immer noch an vielen Stellen hinterher, auch weil wir sie hier nie so ganz verstanden haben.

Wir sehen Digitalisierung immer noch vielfach im Sinne, alte Prozesse digital abzubilden, sie zu automatisieren, effizienter zu machen. Bei all dem Gerede von der Digitalisierung haben wir verschlafen, dass wir diesen Übergang schon gemacht haben – oder besser gesagt: er wurde für uns gemacht. Wir hatten bereits den Übergang von analog zu digital, wir leben mittlerweile tatsächlich real-digital und mit dem Metaversum beschreiten wir gerade den nächsten Übergang.

Digitalisierung vs. digitale Lebensweise

Wir müssen konstatieren: Europa ist technologisch rückständig, vor allem im Kopf. Beispiele wie das gerne als E-Estonia betitelte Estland dürfen dabei als die obligatorische Ausnahmen angesehen werden, welche die Regel bestätigen. Wir haben uns in Europa das Leben über Jahrzehnte schwer gemacht. So wie wir beim Öl an Russland hängen, haben wir bei Technologien eine extreme US-Abhängigkeit aufgebaut. China etwa hat diese nicht, es hat sich seine eigenen technologischen Strukturen, eine eigene Technologie-Base geschaffen. Insgesamt ist in Asien und auch in Afrika eine ausgeprägtere Offenheit Technologie gegenüber zu beobachten.

Es gibt gute Grüde dafür, dass in Europa genauer hingesehen wird, wenn es etwa um Datenschutz, Überwachung und Sicherheit im digitalen Raum geht. Es ist allerdings nicht zu bestreiten, dass eine grundsätzliche Technologieskepsis, fehlende Investitionsbereitschaft und teils überdimensionierte Bürokratie die technologische Entwicklung Europas im Vergleich bremsen. Es lässt sich vieles daran kritisieren, doch Fakt ist: Die technologische Wucht, welche unsere Wirtschaft und Gesellschaft bestimmt, wird nicht aus Europa, sondern aus den USA getrieben und dominiert. Die Frage ist: Reicht es uns, abhängige Bezieher zu sein oder wollen wir in Europa aktiv an diesem Spiel teilnehmen.

Metaversum: Sind wir dabei oder nicht?

Während wir vielleicht darüber grübeln, ob wir mitspielen wollen, entwickelt sich mit dem Metaversum gerade schon wieder ein völlig neues Level in diesem Game.

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Die Geld-Transformation: Übergang zur digitalen Währung

Kryptowährungen werden gehypt, aber der große Wurf wird CBDC – der Wechsel der Notenbanken zur Central Bank Digital Currency, zur digitalen Währung.

Mit dem Metaversum drehen sich die Dinge nicht mehr darum, das Ist durch Technologie immer weiter zu verbessern, sondern es macht eine komplett neue Form des digitalen Lebens und Wirtschaftens auf. In diesem Übergang müssen wir uns in Europa entscheiden, welche Rolle wir dabei spielen wollen, was unser Part in diesem Spiel sein kann.

Das Metaversum kommt, das ist nicht mehr die Frage. Vielleicht als amerikanisch dominiertes Metaverse. Vielleicht in Form mehrerer regionaler Metaversen. Vielleicht als gemeinsames globales Metaverse. Das ist noch völlig offen, aber „ob“ ist nicht die Frage. Dazu kann man stehen wie man will, doch am Ende werden die, die nicht mit von der Partie sind, von vielen Entwicklungen abgeschnitten sein. Die Frage, die sich stellt, lautet also: Sind wir als Europa, als europäische Unternehmen drinnen oder draußen?

Im Moment müssen wir davon ausgehen, dass wir nicht dabei sind, zumindest sind wir nicht von Anfang an involviert. Werden wir also abwarten, am Ende wieder ins amerikanische Boot springen und es so nehmen müssen, wie es ist? Die Herausforderung in unserer tendenziell technologieskeptischen Umgebung wird sein, schnel in diese Art der Technologieentwicklung zu pushen. Es geht dabei gar nicht darum, selbst ein Metaversum oder dergleichen zu bauen, sondern überhaupt die Power aufzubauen, Teil des Ganzen sein zu können.