Coopetition statt Konkurrenz

Die Zeiten der Alleingänge sind vorbei. In Zukunft gewinnen clevere Kooperationen – auch mit der Konkurrenz.
Jörg Melzer / From Strategy to Culture (09/2015)

Die evolutionäre Idee des “Survival of the Fittest” hat nicht nur geprägt, wie wir die Natur wahrnehmen, sondern auch, wie wir uns in Businesskontexten bewegen. Intuitiv bestimmt das Konkurrenzdenken unsere individuellen Verhaltensweisen - und das Handeln von Organisationen und Unternehmen. Doch je mehr die Netzwerkökonomie Gestalt annimmt, umso deutlicher wird auch, dass diese Haltung Unternehmen in Zukunft eher schaden als nützen wird.


In der Wirtschaft sehen sich Unternehmen einem Umfeld ausgesetzt, in dem um Marktanteile und die Ausschöpfung von Wachstumspotenzialen gekämpft wird. Insbesondere die hohe Preisbedeutung für den Konsumenten als auch die zunehmende Preistransparenz, stellen für Unternehmen eine Herausforderung dar. Die teils unerbittliche Strategie ausgefahrener Ellenbogen äußert sich oftmals in einem ruinösen Preiskampf, wie die Insolvenz der Baumarktkette Praktiker und ihrer Tochtergesellschaft Max Bahr gezeigt hat.

Dabei gibt es durchaus andere Wege. Die Etablierung strategischer Allianzen, basierend auf Überlegungen des Mathematikers John von Neumann (1903-1957) und des Wirtschaftswissenschaftlers Oskar Morgenstern (1902-1977), auch “Coopetition” genannt, eröffnet eine völlig andere Vorgehensweise zur Ertragsoptimierung.

Wie sie funktionieren kann, zeigt die Zusammenarbeit der Autohersteller VW und Ford:
Auf die anfängliche Kooperation bei der Fahrzeugentwicklung folgte eine getrennte Vermarktung als VW Sharan bzw. Seat Alhambra einerseits und andererseits als Ford Galaxy. Auch die Kooperation zwischen dem Chemie- und Pharmafabrikanten Merck und dem US-Biotech-Unternehmen MedImmune zeigt, dass gerade in Marktsegmenten, in denen der Bedarf an Kapazitäten starken Schwankungen unterworfen ist, taktvolle Zusammenarbeit eine effiziente Lösung darstellt. MedImmune darf Mercks Ausstattung zur Entwicklung mikrobieller Komponenten verwenden. Im Gegenzug hat Merck das Recht, MedImmunes Biotechnologie zu nutzen. Eine Win-Win-Situation, die auf 15 Jahre angelegt ist.

Auch um Patentrechte zu realisieren, können Kooperationen äußert nützlich sein, wie die Zusammenarbeit des Mischkonzerns General Electric und des Innovationsunternehmen Quirky zeigt. Während GE die Mittel zur Konzipierung neuer Produkte zur Verfügung stellt, liefert die Quirky-Community neue Innovationsideen.

Ein kooperatives Mindset zahlt sich in der Netzwerkgesellschaft immer öfter aus. Das “Survival of the Fittest”-Denken ist dem Zeitalter der Konnektivität nicht mehr angemessen. Im Gegenteil: Beim Umgang mit der Konkurrenz ist viel Feingefühl gefragt - für die richtige Balance aus Competition und Cooperation. 

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