Die neue Kultur
der Mit-Arbeiter

Weniger Hierarchie, mehr Eigenverantwortung: Neue partizipative Führungs- und Organisationsstrukturen behaupten sich in der Wirtschaft.
Simon Henkel / From Strategy to Culture (09/2015)

Immer mehr Unternehmen brechen starre Führungs- und Organisationsstrukturen auf, um sie durch flache, temporäre und offenere Alternativen zu ersetzen. Im Extremfall kann das so aussehen wie beim Startup elbdudler: Die Hamburger Agentur hat gleich jede Form von Hierarchie abgeschafft, frei nach dem Leitsatz “Kompetenz schlägt Hierarchie”. Zugleich können die Mitarbeiter die Gehaltsfrage selbst beantworten. Verantworten müssen sie sich nur vor sich selbst – und vor ihrem Team. Der Erfolg gibt dem Konzept recht: Die 34 kreativen Köpfe gründen in regelmäßigen Abständen weitere Startups, um ihre Geschäftsideen zu verwirklichen. 


Natürlich muss nicht gleich die ganze Führungsebene abgeschafft werden, um eine Organisation partizipativer zu strukturieren. Die 120 Mitarbeiter des Schweizer Softwareherstellers Haufe Umantis etwa entscheiden durch demokratische Wahlen, wer ins Management befördert wird – und wer als Führungskraft abgesetzt wird.

Auch große Konzerne können von einer Öffnung der Strukturen profitieren. Das Technologieunternehmen W. L. Gore & Associates teilt seine mehr als 10.000 Mitarbeiter in lediglich drei Hierarchie-Ebenen auf: einen demokratisch gewählten Geschäftsführer, wenige Abteilungsleiter und den Rest der Belegschaft. Die Mitarbeiter arbeiten in Teams von acht bis zwölf Personen, in denen sie sämtliche Entscheidungen eigenverantwortlich fällen können. So kann beispielsweise jedes Team festlegen, welche Projekte bearbeitet werden oder welche Neueinstellungen erfolgen.

Google pflegt ebenfalls eine offene Unternehmenskultur, die Mitarbeiter motivieren soll, ihre Ideen und Ansichten aktiv einzubringen. Die wöchentlichen TGIF-Treffen ("Thank God it’s Friday") dienen dabei als Dialogplattform. Wer möchte, kann sich mit seinen Anregungen auch auf direktem Weg an die beiden Unternehmensgründer Larry Page und Sergey Brin wenden. Diese transparente Kultur ist ein Grund dafür, dass Google laut dem Beratungsunternehmen Universum von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften als weltweit attraktivster Arbeitgeber gesehen wird.

Neue partizipative Organisationskonzepte können nur gedeihen, wenn alle Mitarbeiter verantwortungsvoll mit ihren Aufgaben umgehen. Das wiederum funktioniert nur, wenn sie sich mit dem Unternehmen identifizieren. Entscheidend ist deshalb eine Unternehmenskultur, in der das Vertrauen jedes Einzelnen unterstützt wird, in sich selbst wie in den Arbeitgeber. Eine solche Kultur erhöht die intrinsische Motivation – und schafft Raum für Produktivität, Kreativität und Innovation. 

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