Ethereum: Das Web 3.0 ist dezentral

Ein Projekt macht Bitcoin Konkurrenz: Ethereum soll als neue Cyber-Währung Daten und Programme sicherer machen, indem es sie dezentralisiert.
Sarah Natalie Rieger / Cyber (In)Security (11/2015)

Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, war der 30. Juli 2015 von der Cyber-Community lange herbeigesehnt worden: An diesem Tag ging mit Ethereum eines der vielversprechendsten Cyber-Projekte aller Zeiten live. Die mit der Plattform verbundenen Hoffnungen sind enorm: Bildet Ethereum ein völlig neuartiges Kommunikations- und Datensystem? Re-demokratisiert es das Internet? Wird es sich sogar als erste global erfolgreiche Cyberwährung durchsetzen?

Das Projekt wurde via Crowdfunding finanziert – mit 18 Millionen Dollar Startkapital. Damit ist es das zweitgrößte Crowdfunding-Projekt aller Zeiten. Als Erfinder gilt der junge Russe Vitalik Buterin, ein Programmierer und Autor des Bitcoin Magazine. Es existieren bereits sechs Ethereum-Zentralen: in New York, Berlin, Amsterdam, Toronto, London und Baar (Schweiz). Dazu kommen die Ethereum-Meetups auf der ganzen Welt.

Ziel von Ethereum ist die Dezentralisierung persönlicher Daten, basierend auf der Blockchain-Technologie von Bitcoin, die alle Transaktionen dezentral speichert. Die Währung des Systems ist Ether. Doch im Unterschied zu Bitcoin umfassen Ethereum-Transaktionen nicht nur Beträge, sondern komplette Programme, die dezentral ausgeführt werden.

Schon lange bevor die Plattform offiziell existierte, florierte der Ether-Pre-Sale. So konnte sich Ethereum eine Infrastruktur aufbauen, deren Umfang für Kryptowährungen selten ist. Genau wie Bitcoin wird sich aber auch Ethereum zunächst in der Praxis beweisen müssen. Erst wenn die ersten Projekte zeigen, dass Ethereum verlässlich funktioniert und einen Mehrwert für die Nutzer bietet, wird es seinen möglichen Siegeszug antreten können.

Fest steht jedoch: Die Blockchain-Technologie, auf der Bitcoin basiert, hat eine Grundlage für dezentrale Systeme geschaffen, die künftig stark an Bedeutung gewinnen wird, auch über den virtuellen Raum hinaus. Erst mit zunehmender Vernetzung und dem sukzessiven Zusammenwachsen von digitaler und physischer Welt werden Konzepte wie Ethereum ihre Wirkung erst richtig entfalten.

Diverse Unternehmen haben diesen Trend erkannt und nutzen Ethereum bereits für ihre Projekte, etwa MakerDigix Global oder IBM und Samsung (“Internet of Things Project”). Auch der Computergigant Microsoft führte bereits für seine Businesskunden ein Ethereum Toolkit ein. 

Ethereum-Experte Angelo Milanetti hat keine Zweifel an der Wirkung, die Ethereum entfalten wird: “2022 wird Ethereum seinem Namen gerecht werden: Für den Großteil der Weltbevölkerung wird es immer noch unsichtbar sein. Es wird nicht in den Nachrichten sein. Aber im Stillen wird es die Transaktionen jeder Großbank auf diesem Planeten antreiben und sich ständig den sich ändernden Umständen anpassen.”

Mit The DAO (Decentralized Autonomous Organisation) – eine Art Kickstarter auf Ethereum-Basis, dass gerade gestartet ist – zeigt sich, wie groß das Potenzial der Ethereum-Technologie ist. The DAO hat bereits zwei Wochen vor Ende der Finanzierungsphase mehr als 140 Millionen US-Dollar gesammelt und ist somit das mit Abstand größte Crowdfundingprojekt aller Zeiten

Das revolutionäre an der Plattform: Sie funktioniert selbstorganisiert durch Smart Contracts. Welche Proposals unterstützt werden, entscheidet die Community – ganz ohne Mittelsmänner. In Deutschland blieb der Start von The DAO weitgehend unbeachtet. Dabei ist eines seiner ersten eingereichten Projekte ein deutsches Start-up: Slock.it willdurch die Verbindung der Blockchain und des Internet of Things die nötige Infrastruktur für eine echte Sharing Economy schaffen. Mit Slock.it wären Formate wie Airbnb möglich, völlig ohne ein dahinterstehendes Unternehmen, das die Prozesse des Sharing steuert und kommerzialisiert. 

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