Green Packaging: Nachhaltiger verpacken

Immer mehr Menschen realisieren: Plastik und seine Verpackungskollegen sind schlecht für die Umwelt. So langsam denkt auch die Industrie um – genau darin liegt ihre Chance.
Daniel Anthes / Retail Revolution (04/2016)

Die gemeine Verpackung ist ein fundamental wichtiges Gut: Sie begleitet unsere Konsumgegenstände auf der Reise vom Ort der Erzeugung zu uns nach Hause. Doch die Verpackung hat ein Image-Problem: ihre Ökobilanz. In keinem anderen Land der EU erzeugen die Menschen pro Kopf so viel Verpackungsmüll wie in Deutschland. Allein 2013 waren es insgesamt 17,1 Millionen Tonnen.

Mit fast zwei Dritteln fällt der Löwenanteil der Verpackungsmengen bei den Fast Moving Consumer Goods (den sogenannten „Schnelldrehern“) an. Das sind jene Warengüter, die schnell im Verkaufsregal wechseln, beispielsweise unsere Lebensmittel und Kosmetikprodukte. Heute findet sich in Super- und Drogeriemärkten kaum ein Produkt, das nicht verpackt ist. Sogar die Bio-Gurke hüllt sich in einen Plastik-Schleier.

Mit steigendem Druck seitens der Verbraucher stellt sich für die Produzenten immer häufiger die Frage: Wie können Verpackungen umweltfreundlicher gestaltet werden – bei mindestens gleich bleibenden Kosten?



Kunststoff, Glas, Metall, Pappe oder Papier sind stetige Begleiter der Dinge unseres täglichen Bedarfs. Sie schützen bei Transport und Lagerung, bewahren vor Verderb und Verunreinigungen und bieten Platz für Werbung und Kennzeichnung. In Zeiten eines steigenden E-Commerce-Aufkommens und einer ausufernden „To Go“-Mentalität (320.000 Kaffeebecher landen bundesweit jede Stunde im Müll) scheinen wir unweigerlich auf dem Weg zu einer Wegwerfgesellschaft zu sein.

Zudem finden sich unsere hiesigen Konsumgewohnheiten zunehmend in den stark wachsenden Mittelschichten aufsteigender Schwellenländer wieder, vor allem in Asien. Prognosen zufolge lassen Wachstumsraten von jährlich rund vier Prozent den globalen Verpackungsmarkt bis 2020 auf knapp eine Billion US-Dollar anschwellen. Was die Verpackungsindustrie in Feierstimmung versetzt, bringt Umweltschützer an den Rande der Verzweiflung.

Doch die wachsende gesellschaftliche Sensibilisierung hinsichtlich Klimawandel und Ressourcenverknappung lässt das Thema immer mehr an Bedeutung gewinnen. Längst ist es dabei nicht mehr nur der Aufschrei einer kleinen Gruppe romantischer Ökos: Jeder zweite Verbraucher bevorzugt mittlerweile nachhaltige Verpackungen und jeder Fünfte hiervon ist auch dazu bereit, mehr dafür zu bezahlen. Bei Getränkeverpackungen wünschen sich laut Emnid sogar drei Viertel aller Kunden nachhaltigere Lösungen.

Eine Reihe von Unternehmen konnte in der jüngeren Vergangenheit bereits mit innovativen Ideen aufwarten, um das Geschäft mit Verpackungen nachhaltiger zu gestalten. So zum Beispiel der Bierkonzern Carlsberg, der mit seiner „Green Fiber Bottle“ aus recyceltem Zeitungspapier alte Bierflaschen künftig auf den Kompost befördern möchte. Oder das Start-up RePack, das durch die Nutzung einer Mehrwegverpackung dem Käufer beim Onlinehandel finanzielle Vergünstigungen bietet. Ardagh schaffte es, sich als erstes Verpackungsunternehmen Cradle-to-Cradle (C2C) zertifizieren zu lassen, da es 100 Prozent upcycelfähige Metallkonservendosen produziert.

Doch ganz gleich ob Produktion, Verbrauch, Entsorgung oder Wiederverwertung: Letztlich braucht es ein ganzheitlich integriertes Handeln, um wirklich etwas zu verändern. Und erst wenn die Verpackung nicht mehr bloß nur als Schutz, Beschreibung oder Schmuck unserer Konsumgegenstände, sondern selbst als wertvoller Rohstoff angesehen wird, braucht man sich wirklich keine Sorgen mehr um ihre Existenz zu machen.

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