Das 3xM-Konzept für die Zukunft der Stadt

Inzwischen ist das Mikrohaus zu einem festen Begriff in der Architektur und die Massenproduktion zu einer immer attraktiveren, gesellschaftlich akzeptablen und technisch ausgereiften Methode des Bauens geworden. Ein gekürzter Auszug aus 50 Insights – Zukunft Des Wohnens.

 Von Oona Horx-Strathern

© Kasita, LLC

Die aus drei Pfeilern (Modular + Mikro + Masse) bestehende „3xM-Methode“ wird ein besonders wichtiger Ansatz sein, um die Immobilienkrise zu bewältigen, mit der die europäischen Städte konfrontiert sind. Das Wohnungsamt der Stadt Frankfurt hat gemeldet, dass es im Dezember 2016 mehr Haushalte gibt als Wohnungen – es fehlen rund 40.000 Wohnungen. Berlin, Wien und München sind mit ähnlichen Zunahmen und einem entsprechenden Druck konfrontiert. Die Massenproduktion ist zwar der Schlüssel, um in schnell wachsenden Städten in der Bautätigkeit Schritt zu halten, aber der fehlende Raum verlangt mehr Micro-Living-Lösungen und die Modularität kann den Bedarf in Sachen Flexibilität und Individualität decken.

Das erste bekannte 3xM-Haus wurde für einen Mann mit Heimweh gebaut, der 1837 nach Australien emigrierte. Sein Vater stellte einen flach gepackten Bausatz für ein Mikrohaus aus Holz zusammen, dessen Einzelteile leicht transportiert (zur damaligen Zeit von einem Esel) und mit einem einfachen Werkzeug auch leicht zusammengebaut werden konnten. Aus dieser Idee entstand die Manning Portable Cottage Company – es wurden Dutzende von Häusern aus Großbritannien geliefert, einige von ihnen stehen auch heute noch, 180 Jahre später. Im 20. Jahrhundert wurden von Architekten wie Corbusier und Mies van der Rohe viele verschiedene Formen von massenproduzierten modularen Mikrohäusern entwickelt. Ihr Ziel war, in der Nachkriegszeit billige, vorgefertigte Bungalows für Arbeiter in Amerika und Europa zu produzieren; mit einer ähnlichen Herausforderung sind wir heute in Anbetracht der Flüchtlingskrise wieder konfrontiert – sei es in den Flüchtlingslagern selbst oder sei es die Aufgabe, in den Gastgeberländern Unterkünfte zur Verfügung zu stellen.

Während viele dieser Pläne im letzten Jahrhundert wegen hoher Kosten und vielleicht auch allzu hochfliegender architektonischer Ambitionen fehlschlugen, bringt die heutige Technik im Bereich der Material- und Planungssysteme wie BIM (Building Information Modelling – Gebäudedatenmodellierung) mit sich, dass neue und kreative Lösungen viel billiger und energieeffizienter sind. Außerdem haben Lösungen von „Stararchitekten“ dazu beigetragen, dass mit vorgefertigten Häusern verbundene Stigma zu überwinden. Das Unternehmen Revolution Precrafted nennt sie „vorgestaltete“ und nicht „vorgefertigte“ Häuser, und es hat namhafte Architekten wie Jean Nouvel, Ron Arad und Marcel Wanders mit dem Entwurf einer Limited Edition von vorgefertigten Pavillons und Häusern in der Preiskategorie zwischen 50.000 und 500.000 US-Dollar beauftragt. Firmengründer Robbie Antonio plant, alle paar Monate ein neues vorgestaltetes Design vorzustellen. Über das Konzept sagt er: „Ich wollte die Spielregeln in der Immobilienindustrie neu schreiben.“ Er behauptet: „Das ist, was Prêt-à-porter für die Haute Couture ist“, und mit den niedrigen Baukosten und den kurzen Bauzeiten hofft er, größere Käuferkreise für Designer-Häuser zu erschließen und eine ehrgeizige Architektur bezahlbarer und erschwinglicher zu machen.

Neben der Tatsache, dass die Zeit ein entscheidender Faktor auf den Baustellen in der Stadt ist, gibt es ein weiteres unterschätztes Problem: Lärmbelastung. Wegen des Zeit- und Kostendrucks wird dieser Faktor im Allgemeinen unterschätzt oder vernachlässigt, aber er ist im Zusammenhang mit der Bautätigkeit das Problem, das von Anwohnern und Arbeitern am intensivsten wahrgenommen Mikrohaus-Baustellen sind sauber, ruhig und trocken wird. Andrew Waugh, Gründungsgesellschafter des Londoner Architekturbüros Waugh Thistleton, arbeitet seit 15 Jahren mit vorgefertigten CLT-Brettern, und er ist davon überzeugt, dass dies in Bezug auf die Störung des urbanen Umfelds unerreichte Vorteile hat. „CLT-Baustellen sind sauber, ruhig und trocken, und es gibt keine Baustellenabfälle, Zementmischer, Bohrhämmer oder LKWs, die ständig auf der Baustelle unterwegs sind.“

Noch viel wichtiger wäre – falls die Städte in Deutschland auf die Erkenntnisse einer Studie der TU Darmstadt hin handeln würden –, dass man in Deutschland 1,5 Millionen Wohnungen schaffen könnte, wenn man einfach oben auf bereits bestehenden Gebäuden bauen würde.

Ganz gleich, ob oben auf bestehenden Gebäuden oder an neuen Baustellen gebaut wird, ob vorgefertigtes CLT, Fertigbauweise, Beton aus dem 3D-Drucker oder, wie bei Urban Space Management (Container City) Ltd., Schiffscontainer verwendet werden – das Potenzial und das Prinzip des 3M-Bauens wird in Kombination mit dem Prinzip der Co-Living Spaces der Schlüssel zum Bauen in der Zukunft der Städte sein.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Wohnen

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Weltweit steht die Bauwirtschaft vor Jahrzehnten spannender Aufgaben. Wir benötigen neue Mobilitäts-Infrastrukturen und Energie-Landschaften, Lösungen für partikulareres und gemeinschaftliches Wohnen - viel Raum für Planer und Verwirklicher.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Oona Horx-Strathern

Ihr Spezialgebiet ist die Zukunft des Wohnens. Als erfahrene Trendberaterin für große Unternehmen liefert Oona Horx-Strathern wertvolle Inspirationen – ebenso charmant wie visionär.