Future People: Die Zukunftsmacher

Von Gutnetz-Pionieren und Faktivisten bis zu Business-Poeten: Über die Menschen, die schon heute das Morgen gestalten. Ein gekürzter Auszug aus dem Zukunftsreport 2018.

Von Matthias Horx

Illustration: Benedikt Eisenhardt

1. Die Gutnetz-Pioniere

Internet, quo vadis? Das Netz hat inzwischen seine Fähigkeit bewiesen, Bösartigkeit zuzüchten und soziale Verzerrungen zu verstärken. Die digitale Aggression – von Hasspropaganda und Cybermobbing bis zu Ghosting und Phishing – ist zu einer wahren Epidemie unserer Zeit geworden. Ein Grund dafür ist die absolute Übermacht von Facebook, Google und Co. Der sogenannte Plattformeffekt zieht alle User irgendwann auf das dominante Portal – und schließt gesunde Konkurrenz aus. Doch jetzt entwickeln sich plötzlich erfolgreiche Alternativplattformen, die auch den Internetgiganten Paroli zu bieten beginnen.

  • Christian Kroll: Im Netz suchen und gleichzeitig der Umwelt helfen, das ermöglicht der gelernte Betriebswirt mit seinem Social Business Ecosia – einer Suchmaschine, die Bäume pflanzt. Bis 2020 sollen es 1 Milliarde sein.
  • Jo Edwardes: Sein Social Network Good Connection ist eine Art Anti-Facebook, eine Alternative zum Shitstorm. Oder wie sich die Plattform selbst beschreibt: “The truly Social Network”. Ziel ist es, das Engagement für Dinge zu fördern, die die Welt besser machen – auch für die User selbst, die 50 Prozent der Einnahmen erhalten.
  • Dinis Guarda: Mehr als 2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Bankdienstleistungen, mehr als 3 Milliarden müssen mit weniger als 2,50 Dollar pro Tag leben. Guardas Startup Humaniq nutzt die Blockchain-Technologie, um diesen Menschen einen Bankzugang zu ermöglichen und sie aus der Armut zu befreien.

2. Die Faktivisten

Fakten haben in der neuen Emotokratie – so nennen wir die Herrschaft der Gefühle in der Erregungsdemokratie – wenig Bedeutung. Man kann die Dinge ja so oder so sehen, oder? Gegen diese resignative Haltung entwickelt sich eine neue Form des faktenbasierten Kommunikationsaktionismus, der mit Big Data und neuen Narrativen versucht, die Zukunft neu zu codieren. Daten sind nicht nur Schall und Rauch, sie können uns dabei helfen, die Zukunft besser zu verstehen!

  • David Mikkelson: Seine Webseite snopes.com überprüft schon seit 1995 den Wahrheitsgehalt von Urban Legends und Gerüchten im Internet – eine Arbeit, deren Wert sich erst im heutigen “postfaktischen” Zeitalter wirklich offenbart.
  • Anna und Ola Rosling: Das Paar führt das Lebenswerk von Olas Vater Hans Rosling weiter, der im Februar 2017 verstarb. Mit Gapminder schuf Rosling den größten Datenpool für die globalen Trends – und machte weltweite Entwicklungen zentraler Themen wie Lebensstandard, Geburtenrate oder CO 2 -Ausstoß so verständlich und lebendig, dass er damit den reaktionären Pessimismus bekämpfen konnte. Das Nachlass-Buch von Hans Rosling, “Factfulness”, erscheint im April 2018.
  • David Schraven: 2014 gründete der Journalist das gemeinnützige Recherchebüro correctiv.org. Inzwischen arbeitet das Netzwerk mit Facebook zusammen, um gegen Fake News vorzugehen.

3. Die neuen Business-Poeten

Poesie und Business – das scheint so weit entfernt voneinander wie die Erde von der Galaxis Andromeda. Aber jedes zukunftsfähige Unternehmen braucht eine “innere Poesie”. Viele Unternehmen und Manager scheitern an einem Übermaß von Rationalität, das keine seelischen Qualitäten mehr zulässt. Doch jetzt entwickelt sich eine neue Form des Management-Coachings, das seine Kraft aus dem Poetischen selbst bezieht: Die Dichter, Denker und poetischen Philosophen erobern den Konferenzraum.

  • Tim Leberecht: Er ist Vordenker für einen neuen Humanismus in einer digitalisierten und automatisierten Wirtschaft und Gesellschaft. In seinem Bestseller “Business- Romantiker” geht er der Frage nach, ob und wie sich unsere “Sehnsucht nach einem anderen Wirtschaftsleben” erfüllen lässt.
  • David Whyte: Der englische Dichter ist ein Poet der Vorstandsetagen. In seinem Buch “The Three Marriages” erkundete er den Zusammenhang von Liebe, Arbeit und Selbst. 2014 gründete er das “Institute for Conversational Leadership”.
  • Natalie Knapp: Als poetische Business-Beraterin macht die promovierte Philosophin und Autorin Unternehmen fit für den Umgang mit Unwägbarkeiten. Der Untertitel ihres Buches “Der unendliche Augenblick” bringt es auf den Punkt: “Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind.”

Dieser Text ist ein gekürzter Auszug aus dem Zukunftsreport 2018.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Zukunftsforschung

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Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Matthias Horx

Der Gründer des Zukunftsinstituts gilt heute als einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Matthias Horx ist profilierter Redner zu sozialen, technologischen, ökonomischen und politischen Trends.