Future People: Die Zukunftsmacher

Die Menschen gestalten heute schon das Morgen: konstruktive Journalisten und Bürgermeister, die der Demokratie zu einem Comeback verhelfen. Ein gekürzter Auszug aus dem Zukunftsreport 2017.

Von Matthias Horx

Die medialen Mutmacher

Nein, die Medien sind nicht „schuld“ an der populistischen Misere, dem Klima von Hass, Angst und Zukunftsverweigerung. Dennoch besteht kein Zweifel: Mediale Übertreibungen tragen zu jener toxischen Kombination von Angst, Arroganz und Ignoranz bei, die die populistischen und hysterischen Bewegungen unserer Zeit fördert.

Gegen diesen Trend zum Pessimismus formiert sich jetzt endlich Gegenwehr. In der „Washington Post“ gibt es bereits seit einigen Jahren die Kolumne „The Optimist“, im Schweizer „Tagesanzeiger“ heißt die entsprechende die Rubrik „Die Lösung“. Selbst der stets negativ-zynische „Spiegel“ kommt nicht um eine Kolumne über das Positive herum.

Pionier dieser Entwicklung ist der dänische Fernsehchef Ulrik Haagerup, dessen Buch „Constructive News“ mit dem medialen Alarmsystem abrechnet. In Deutschland gründete sich 2016 „Perspective Daily“ als Plattform des konstruktiven Journalismus, geführt von zwei engagierten Journalisten aus Münster: Maren Urner und Han Langeslag.

In diesem Kontext der Konstruktivität spielt auch der Ökonom Max Roser mit seiner Globaltrend-Webseite “Our World in Data” eine wesentliche Rolle: Er versorgt die konstruktiven Journalisten mit harten Fakten über die Verbesserung der Welt.

Die glokalen Bürgermeister

Während die Demokratie sowohl national wie auch supranational in der Krise steckt, gewinnt sie auf kommunaler und städtischer Ebene neue Vitalität. Intelligente, ganzheitlich denkende und handelnde Bürgermeister sind die neuen Avantgardisten eines pragmatischen, kreativen, nicht-polarisierenden Politikstils. Sie sind volksnah, weil sie an ihren unmittelbaren Taten gemessen werden.

Ihr Wirken weist weit über die Räumlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde hinaus, denn im kommunalen Rahmen lässt sich realisieren, was im nationalen oder globalen Maßstab oft stecken bleibt. Stadtpolitik ist effektiver und zukunftsorientierter als Parlamentspolitik. So haben sich bereits Tausende von Städten auf der Welt zu CO2-Neutralitäts-Zielen bekannt. Die Zukunft ist urban – und die „glokalen“ Städte formen die soziale und ökologische Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts.

Avantgardisten des neuen, kreativen Bürgermeistertums sind zum Beispiel Jon Gnarr, der Punk, der Islands Hauptstadt Reykjavík durch die Finanzkrise führte. Der Künstler Edi Rama transformierte von 2000 bis 2011 als Bürgermeister von Tirana die graue Hauptstadt Albaniens durch Megatonnen von Farbe zur buntesten Kapitale der Welt. Heute ist er Premierminister Albaniens.

Sadiq Aman Khan ist der erste muslimische Bürgermeister Londons und setzt sich gegen Antisemitismus und für die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Die neue Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo musste mit schrecklichen Terrorattacken umgehen und will die Seine-Metropole aus der Herrschaft des Autos befreien. Ähnlich wie ihre Kollegin Manuela Carmena in Madrid steht sie für eine kooperative, inklusive Stadtpolitik.

Erfahren Sie mehr über die Future People im Zukunftsreport 2017:

  • Die neuen Renaissance-Künstler
  • Die Genetonautinnen
  • Die Apologeten der neuen Achtsamkeit
  • Die Zukunfts-Foodisten

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Megatrend Globalisierung

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Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Matthias Horx

Der Gründer des Zukunftsinstituts gilt heute als einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Matthias Horx ist profilierter Redner zu sozialen, technologischen, ökonomischen und politischen Trends.