Vision und Mission: Unterschiede und Umgang

Illustration: Benedikt Eisenhardt

In der Unternehmenskommunikation spielen Visionen und Missionen schon seit langem eine wichtige Rolle. Was der Unterschied zwischen Mission und Vision ist, bleibt aber oft unklar – und wird in der Praxis vielfacht vermischt. Die wichtigsten Grundsätze und Tipps zum Thema aus Sicht der Zukunftsforschung:

  • Die Vision beschreibt ein Zielbild, ein Szenario in der Zukunft. Sie muss nicht explizit auf die Zielsetzungen der Organisation eingehen oder diese ausformulieren. Dieses Bild ist in erster Linie eine Form, die Wirklichkeit zu beschreiben.
  • Die Zielsetzungen ergeben sich erst in der Folge aus der Vision und werden zum Auftrag der Organisation, zur Mission.
  • Die Formulierung der Unternehmensvision ist keinerlei formalen Regeln unterworfen. Sie muss nicht in gängiger Wirtschaftssprache gehalten sein, sondern kann durchaus zum Beispiel nach Science-Fiction oder einer Szene in einem Spielfilm klingen. Wichtig ist, dass im Mittelpunkt dieses Szenarios die Organisation und ihr Angebot stehen.

  • Sobald eine klare Vorstellung der Vision existiert, am besten in einfachen Sätzen formuliert – zu empfehlen ist eine Länge von höchstens einer A4-Seite –, beginnt die Umsetzung.
  • Die Absicht, die eigene Vision wahr zu machen, verwandelt sich jetzt in einen Auftrag. Dieser Auftrag ist die Mission. Sie regelt, was hier und jetzt zu tun ist, um das Zielbild zu erreichen.
  • Zu diesem Zweck formuliert die Mission Leit- und Glaubenssätze. Diese haben die Aufgabe, die Organisation und ihre Mitarbeiter auf ihrem Weg zu leiten und sicherzustellen, dass das Zielbild erreicht werden kann.
  • Die Mission ist zielgerichtet, in der Formulierung sind vier bis acht Sätze zu empfehlen: kurz, knackig und klar.
  • Je fundierter die Vision, umso klarer die Mission, umso einfacher auch deren Formulierung. Die große Herausforderung besteht somit zunächst in der Entwicklung einer gut begründeten Vision.


Wichtig: Es ist nicht sinnvoll, beide Schritte miteinander zu verquicken, das führt zu
Unklarheiten. Die Begriffe „Vision“ und „Mission“ können auch anders verstanden werden. Die Mission kann zum Beispiel das Verhältnis der Organisation zum Markt definieren oder auch einen Nutzen formulieren. Diese Lesart findet man in vielen Mission Statements, vor allem im anglo-amerikanischen Raum. Aus der Perspektive der Zukunftsforschung ist es jedoch wichtig, eine Vision ein Zukunftsbild sein zu lassen und sie mit sozioökonomischen Entwicklungen zu verknüpfen.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Innovation und Neugier

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Wie entstehen Produkte und Dienstleistungen? In der komplexen Netzwerköonomie wird Innovation immer wichtiger: die Fähigkeit, neue Sichtweisen einzunehmen, neue Ideen zu entwickeln und neue Zukunftsperspektiven für Organisationen zu entwerfen.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Harry Gatterer

Harry Gatterer ist Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. Sein Spezialgebiet ist die Integration von Trends in unternehmerische Entscheidungsprozesse. Er berät Unternehmen dabei, relevante Trends zu erkennen und zu nutzen.