Megatrends und ihre Wirkung

Megatrends sind ein Grundpfeiler der Arbeit in der Trend- und Zukunftsforschung. Sie sind langfristige Wandlungsprozesse mit enormen Ausmaßen und Auswirkungen. Megatrends sind nicht eindimensional, sondern vielfältig und vernetzt. Sie entfalten ihre Dynamik querschnittartig, zum Teil über alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche hinweg. Sie wirken nicht isoliert, sondern beeinflussen sich gegenseitig und verstärken sich so in ihrer Wirkung.

Für die Silver Society ist nicht nur der demografische Wandel ein entscheidender Treiber, sondern auch der Megatrend Gesundheit. Der Megatrend New Work, der Wandel in der Arbeitswelt, wird maßgeblich geprägt durch die zunehmende digitale Vernetzung, also den Megatrend Konnektivität. Die anhaltende Urbanisierung wiederum hat entscheidenden Einfluss auf den Megatrend Mobilität. Und weil in den wachsenden Städten die meiste Energie auf dem Planeten verbraucht wird und viele Umweltprobleme am drängendsten sind, ist Urbanisierung zugleich auch eine wesentliche Triebkraft hinter dem Megatrend Neo-Ökologie usw.

Megatrends sind nicht nur Oberflächenbewegungen, Megatrends sind die Herausforderungen, an denen die Zukunft entsteht. sondern Tiefenströmungen des Wandels. Genau genommen sind sie multidimensionale Phänomene, die aus einer Vielzahl einzelner Trends entstehen – die auch Gegentrends hervorrufen, die in ihrer Rekursion wiederum für Wechselwirkungen sorgen. Das macht Megatrends so vielschichtig und komplex, es erhöht vor allem ihren prägenden Einfluss. Daher können als Effekt von Megatrends, die sich prinzipiell langfristig entfalten, auch schnelle Durchbrüche mit disruptiven Entwicklungen entstehen. Die frühzeitige Vorbereitung darauf ist also die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen zum Gestalter ihrer eigenen Zukunft werden statt zu Getriebenen ihres vermeintlichen Schicksals.

Megatrends und „Subtrends“, die im Umfeld eines Megatrends wirken, zu kennen, richtig einzuordnen und individuell zu bewerten, ist daher unerlässlich, um sie im Management und in der Unternehmenspraxis klug zu nutzen. Denn letztlich sind diese Trends vor allem eines: die Herausforderungen, an denen die Zukunft entsteht.

Was genau sind Megatrends? 

Der Begriff der Megatrends ist mittlerweile weit verbreitet und die Basis vieler Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Sie sind die Grundlage der Evolution ganzer Wirtschaftsbereiche und werden damit vielfach zum Ausgangspunkt weitreichender Strategien. Das Zukunftsinstitut arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit seinem Modell der Megatrends. Mit ihm gelingt es, die komplexen, weltweiten Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft greifbar zu machen.

Doch die Vielschichtigkeit, die Megatrends innewohnt, mit der sie sich aufeinander beziehen und mit der sie auch scheinbare Widersprüche integrieren, erschwert mitunter das Verständnis. Daher ist es sinnvoll zu erläutern, wie das System der Megatrends funktioniert. 

Es gibt klare Kriterien, um Megatrends zu erkennen und zu definieren:

  • Dauer: Der Trend hat eine Dauer von mehreren Jahrzehnten.
  • Ubiquität: Der Trend zeigt Auswirkungen in allen gesellschaftlichen Bereichen, in der Ökonomie, im Konsum, im Wertewandel, im Zusammenleben der Menschen, in den Medien, im politischen System etc.
  • Globalität: Megatrends sind globale Phänomene. Auch wenn sie nicht überall gleichzeitig stark ausgeprägt sind, so lassen sie sich doch früher oder später überall auf der Welt beobachten.
  • Komplexität: Megatrends sind vielschichtige und mehrdimensionale Trends. Sie erzeugen ihre Dynamik und ihren evolutionären Druck auch durch ihre Wechselwirkungen.
Quelle: Zukunftsinstitut

Trend und Gegentrend: Fortschritt durch Rekursion

Wie entsteht und verläuft Wandel? Dieser Frage gehen Trend- und Zukunftsforscher nach, wenn sie über Megatrends sprechen und daraus Aussagen über die Zukunft ableiten. Es geht nicht darum, punktgenaue Vorhersagen zu treffen, sondern darum, Zusammenhänge und Entwicklungslinien zu beschreiben – ganz gleich ob für abstrakte Szenarien oder konkrete Strategien, für Visionsprozesse oder Masterpläne, Innovationsvorhaben und Investitionsentscheidungen. Was zunächst einfach klingt, wird in der Praxis jedoch nicht leichter. Die Welt menschlicher Kultur zeigt über die Jahrhunderte eine Tendenz zu höherer Komplexität durch Wandel. Dieser Wandel existiert auf vielen Ebenen und Stufen. Die meisten Veränderungsprozesse haben einen wiederkehrenden Charakter. Allerdings sind die Zyklen nicht einfach nur eine Wiederholung, sondern finden immer auf einer neuen Ebene statt.

Megatrends erzeugen in ihrer Wirkung komplexitätsgenerierende Dynamiken – inklusive fast zwangsläufiger Gegenbewegung. Rekursive Entwicklungen, die dem Megatrend auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen, erweisen sich bei näherer Betrachtung als „Retro-Trends“, die als Aufwärtsverschiebung in einer höheren Ordnung wieder in den Megatrend einmünden. 

Unterschiedliche Trendkategorien

Um zu verstehen, in welchen Dimensionen sich Entwicklungen und Veränderungsprozesse vollziehen, ist es wichtig, die verschiedenen Formen von Trends klar zu trennen. Das Zukunftsinstitut arbeitet daher mit einem hierarchischen System, in dem einzelne Trendarten hinsichtlich ihrer Bedeutung und ihres Wirkungsbereichs kategorisiert werden. Die Unterscheidung der Tragweiten ist wichtig, um mit Trends im Unternehmen richtig arbeiten zu können. Manche Trends wälzen ganze Wirtschaftssysteme um, andere wirbeln gerade mal ein Stäubchen in einer Produktnische auf. Zu diesem Zweck arbeitet das Zukunftsinstitut seit Jahren mit einem Mehrebenenmodell, in dem sich übersichtlich zeigen lässt, welche Trends welche Einflussbereiche haben. Ganz unten verlaufen die Grundregeln der Natur und evolutionären Gesetze.

Megatrends sind die langfristigen, globalen Veränderungen, deren Dimensionen von der Gesellschaft über Technologien bis hin zu ökonomischen Grundprinzipien reichen. Megatrends sind gewissermaßen die Blockbuster des Wandels, jene Trends, die einen großen, epochalen Charakter haben. Sie wirken langfristig und dauern mehrere Jahrzehnte. Das entscheidende Merkmal von Megatrends ist aber weniger ihre Dauer, sondern ihr Impact. Sie verändern nicht nur einzelne Segmente oder Bereiche des sozialen Lebens oder der Wirtschaft. Sie formen ganze Gesellschaften um. Sie sind Cluster von Trends, denn in ihnen kommen verschiedene Wandlungsbewegungen zusammen: technologische, soziale und ökonomische.

Soziokulturelle Trends sind mittelfristige Veränderungsprozesse im Bereich von zehn bis 15 Jahren, die ihren Kern in sozialen Prozessen und Organisationsformen haben. Dabei geht es vor allem um die Lebensstile und Einstellungen von Menschen, um Wertorientierungen, Bedürfnisstrukturen und Wünsche, die den sozialen Wandel prägen, sich aber auch stark in der Konsumkultur, auf den Märkten und in Produktwelten bemerkbar machen.

Technologietrends bauen auf Entwicklungen in den Basistechnologien wie der Digitalisierung auf, wie auch auf mittelfristigen oder branchenspezifischen Veränderungen: etwa selbstfahrende Autos, der Einsatz von Drohnen in der Logistik, das Smart Energy Grid etc.

Trend-Kategorien im Wellenmodell, Quelle: Zukunftsinstitut

Konsumtrends sind verbraucher- und marktbezogene Trendentwicklungen von rund fünf Jahren Dauer, die nicht zuletzt durch medialen Einfluss verstärkt werden. Typische Beispiele wären Lebensmittellieferdienste, E-Bikes oder Bio-Supermärkte. Konsumtrends sind vielfach stark von Megatrends getrieben: So ist der Zero-Waste-Trend letztlich ein Teil des Megatrends Neo-Ökologie.

Zeitgeist- und Modetrends kräuseln sich auf der Oberfläche der Gesellschaft. Sie sind kurzfristige, flüchtige, oberflächliche und marketing-gesteuerte Phänomene, die eher im Bereich einer Saison stattfinden. Mit dieser Art von Modetrends hat die moderne Trend- und Zukunftsforschung allerdings allenfalls am Rande zu tun.

Mikrotrends sind scharf umgrenzte Stil-Entwicklungen im Bereich des Designs, der Konsum- und Lebensweltphänomene. Sie sind ähnlich charakterisiert wie Zeitgeisttrends, wirken aber noch spezifischer und kurzfristiger, sie konzentrieren sich meist in Produktinnovationen oder sehr speziellen Businessmodellen.

Wie jedes Modell hat auch dieses die Eigenschaft, dass es sich um eine idealtypische Darstellung handelt. In der Praxis lassen sich die einzelnen Trendkategorien nicht immer trennscharf voneinander unterscheiden. Selbstverständlich lassen sich auch innerhalb der Trend-Ebenen Trends ganz unterschiedlicher Kraft diagnostizieren.

Mehr über die Megatrend Dokumentation

Empfehlen Sie diesen Artikel!