Futopolis und der „Moderne Nomade“

Die Urbanisierung wird vor allem von jenen Menschen vorangetrieben, die anderen – ganz im Sinne einer globalen Gesellschaft – weltoffen und vorurteilsfrei begegnen. Dieser Text verknüpft die Trendstudie Futopolis mit den Erkenntnissen der Lebensstile Workbox.

Von Philipp Hofstätter

Niemand steht so sehr für das urbane Mindset wie der „Moderne Nomade“. Er genießt diese Ungezwungenheit, gestaltet die Dynamik großer Städte aber auch ganz entscheidend mit. Moderne Nomaden wollen die kulturellen und lokalen Eigenheiten der Regionen aufsaugen, in denen sie sich bewegen. Das wiederum führt dazu, dass sich in Städten und Gemeinden verstärkt Wirtschaftszweige herausbilden, die genau das liefern: Authentizität, soziale Verbindungen und regionale bzw. lokal gebundene Erlebnisse.

Ihr Nomadentum äußert sich aber nicht nur in ihrem Reisedurst zwischen verschiedenen Städten, sondern ebenso in ihrer Beweglichkeit innerhalb von urbanen Räumen. Eine klare Trennung von Orten und Räumen in die Kategorien „privat“ und „öffentlich“ Ich will in meinem Leben so viel wie möglich von der Welt entdecken – und mich dadurch auch selbst immer besser kennenlernen oder auch „Arbeiten“ und „Wohnen/Leben“ kennt der moderne Nomade nicht mehr. Er lebt im wahrsten Sinne des Wortes im „Third Home“. Die dritten Orte, die Räume des Dazwischen, sind Orte der Begegnung. Third Places können öffentliche Räume im Stadtraum sein, aber auch halböffentliche Orte wie Bahnhöfe, Bildungseinrichtungen, Sport- oder Kulturstätten sowie Geschäfte und Gastronomie. Dadurch bekommen diese Orte neue Bedeutungen, neue Dynamik und neues Leben. Das Cafe wird zum Arbeitsplatz und die Straße wird zum sozialen Treffpunkt.

Das soziale Element ist für den Modernen Nomaden überhaupt zentral. Wenn er auf Reisen ist, dann steigt er gerne in familiären Hostels ab, ist zu Gast bei der lokalen Hippie-Community oder sucht sich eine Wohnung mitten in der Stadt via Couchsurfing oder Airbnb. Denn Städte prägen Erlebnisse nicht nur durch ihre Architektur, sondern vor allem durch die Kultur und die Menschen.

Die folgenden Lebensstile Neo-Hippie und Urban Matcha sind im Vergleich zum Modernen Nomaden als eher passiv zu bewerten.  

Neo-Hippie

Ein anderer Lebensstil treibt die Urbanisierung auf eine ganz andere Art und Weise voran: Der Neo-Hippie. Seine Grundüberzeugung ist, dass großartige Erfahrungen und Erlebnisse erst richtig wertvoll werden, wenn man sie mit anderen teilt. So lebt der Neo-Hippie, wie kein anderer, in engen sozialen Verbindungen, die seinen Alltag prägen. Die Gemeinschaften sind häufig werteorientiert, jedoch nicht mehr an große Kollektive wie Religion oder Nationalität geknüpft. Die Neo-Hippies gibt es daher quasi nur im Plural. Man trifft sie in Urban-Gardening-Projekten, auf Straßenfesten, Food Festivals, beim gemeinsamen Yoga im Park und im Uni-Café an.

Neo-Hippies sind wertorientiert, wollen aber auch das Leben in vollen Zügen genießen. Die Stadt ist für Neo-Hippies der ideale Ort. Hier gibt es genug öffentliche Räume, die sie in der Gruppe entdecken und gestalten können. Außerdem ist der urbane Raum der beste Ort für ihre größte Schwäche: Das Event. Neo-Hippies sind entscheidende Treiber der Eventkultur, sie lieben Festivals, Happenings, Konzerte und Clubs. Denn auf Events werden Erinnerungen gemacht, aus gemeinschaftlichen Erfahrungen, die der Neo-Hippie so sehr schätzt.

Der Urban Matcha

Der Urban Matcha genießt aktuell viel Aufmerksamkeit, prägt er doch durch seinen Kleidungsstil und sein Konsumverhalten das Erscheinungsbild unserer Städte. Seine Experimentierfreudigkeit führt dazu, dass er überall dort zu finden sind, wo Neues entsteht. Urban Matchas feiern die regionale Einzigartigkeit ihrer Heimatstädte und dienen als „early Adopter“ für alle möglichen kulinarischen und kulturellen Trends. Die Stadt ist ihre Spielwiese, auf der sie sich mit ihren meist großen Freundeskreisen austoben können. Diese Freundeskreise führen auch dazu, dass sich Neuigkeiten schnell herumsprechen können. Auch wenn sich der Urban Matcha gerne in kleinen Projekten wie etwa Maker Spaces einbringt, um sein Wohnzimmer mit einem selbst designten Weinkistenregal aufzuwerten, so ist er aber letztlich primär dankbarer Konsument der neuen Urbanisierung. Ohne die „Fan-Base“ der Urban Matchas wären viele Entwicklungen, die man in den dynamischsten Städten beobachten kann, gar nicht denkbar. Sie dienen als Trendsensoren und tragen die Entwicklungen, welche etwa von Modernen Nomaden oder Neo-Hippies angestoßen werden, in den Mainstream.


Die Grundlage dieses Artikels bildet die Lebensstile Workbox. Erhältlich in unserem Onlineshop.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Megatrend Urbanisierung

Megatrend Urbanisierung

Städte sind die Staaten von morgen. Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten und machen sie zu den mächtigsten Akteuren und wichtigsten Problemlösern einer globalisierten Welt. Doch Städte sind mehr als Orte, Urbanisierung beinhaltet mehr als den Wandel von (Lebens-)Räumen. Durch neue Formen der Vernetzung und Mobilität wird Urbanität vor allem zu einer neuen Lebens- und Denkweise.

 

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