Arbeiten mit Megatrends

Wie aus Zukunftswissen Handlungsoptionen entstehen: Das Megatrend-System bietet einen Überblick über die Veränderungen, die unsere Welt heute und in der Zukunft beeinflussen. Unternehmen können dieses Wissen nutzen, um konkrete Fragestellungen in Zukunftsstrategien zu übersetzen

Quelle: Megatrend Dokumentation

Avantgarden, Nischenphänomene, kleine Innovationen oder Start-ups, die etwas grundlegend anders machen und damit Erfolg haben – Relevantes von Irrelevantem unterscheiden zu können ist eine der wichtigsten Fähigkeiten von Trendforschern und in der strategischen Arbeit mit Trends. Trends entstehen ja nicht im luftleeren Raum. Sie sind ja nicht plötzlich da, sondern entwickeln sich allmählich und sind oft Ausprägungen eines gesamtgesellschaftlichen Wandels. Die Aufgabe von Trend- und Zukunftsforschern besteht in der kontinuierlichen Beobachtung diverser gesellschaftlicher, kultureller, wirtschaftlicher Entwicklungen, in der Analyse von Veränderungsprozessen, in der Erkennung sozialer Muster. Es gilt den Blick zu schärfen, um zunächst einmal generelle Fragestellungen zu beantworten:

  • Was ist substanziell neu?
  • Was ist mittel- bis langfristig relevant?
  • Was ist nur ein kurzfristiger Hype?

Nicht zuletzt lassen sich aber viele Trends auch mit harten Fakten belegen: in Form von Markt- und Branchendaten, amtlichen Statistiken oder Ergebnissen aus regelmäßigen repräsentativen Umfragen. Dazu dient die Megatrend-Dokumentation. Sie bildet für alle Megatrends eine Vielzahl quantitativ-empirischer Indikatoren in Infografiken ab, erläutert die Zusammenhänge und schafft so die Kontextualisierung – die Einordnung ins große Gesamtbild.

Wachsender Bedarf an Orientierung

Die Dynamik des Wandels prägt immer mehr Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft – sämtliche Branchen, die Politik, Kultur, Medien, selbst so starre Institutionen wie die Kirche können sich ihr nicht entziehen. Dass Trendwissen heute vor allem in der Wirtschaft Anwendung findet, für Strategie- und Innovationsprozesse, im Marketing etc., hat damit zu tun, dass sich dort die Frage nach der Zukunft und der Zukunftsfähigkeit am drängendsten stellt, weil dort der ökonomische Veränderungsdruck am größten ist.

Das Megatrend-System, insbesondere mit der Megatrend-Map, bietet einen umfassenden und vielfältigen Überblick über die Veränderungen, die unsere Welt heute und in der Zukunft beeinflussen. Unternehmen können dieses Trendwissen nutzen, um konkrete Fragestellungen in Zukunftsstrategien zu übersetzen. Dabei sind Trends – auch Megatrends – letztlich nur Mittel zum Zweck. Sie sind die Leuchtspuren im Dunkeln. Durch die Beschreibung und Analyse von Trends geben wir Orientierung und mehr Sicherheit in einer sich tendenziell immer schneller wandelnden Welt. Angesichts vielfach hochdynamischer Umfeldveränderungen sind immer mehr Unternehmen gezwungen, ihre Strategien und Geschäftsmodelle, ihre Prozesse und Angebote, ihre Organisationsformen, Kommunikationsstrukturen und vieles andere mehr zu hinterfragen und neu auszurichten.

Trends geben dafür den Rahmen vor, in dem Zukunftsräume eröffnet und gestaltet werden können. Denn Trends stellen zwar gewissermaßen Entwicklungslinien dar, sie legen aber keineswegs die Zukunft fest. Auch Zukunftsforschung kann nur Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten darstellen. Sie kann Das Arbeiten an der Zukunft erfordert eine Haltung der Offenheit. hingegen kaum seriös das Endresultat einer Welt oder auch nur eines bestimmten Veränderungsprozesses in zehn, zwanzig oder gar fünfzig Jahren voraussagen. Die Zukunft ist ein offener Prozess. Megatrends fungieren als „Drifts“ in komplexen sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen Systemen. Sie geben eine Richtung vor, aber kein Ergebnis. Megatrends transformieren gesellschaftliche Zustände auf eine neue Ebene. Wie jedoch diese neuen Zustände genau aussehen werden, ist Ergebnis eines gesellschaftlichen Verhandlungs- und Verständigungsprozesses, aber auch unternehmerischer Entscheidungen und Managementstrategien.

Das Arbeiten an der Zukunft erfordert eine Haltung der Offenheit. Weil Trends keine Zwangsläufigkeit im Sinne einer deterministischen, quasi schicksalhaften Zukunft darstellen, lässt sich ihre Wirkung immer nur auf bestimmte Fragestellungen hin bewerten: Was bedeutet beispielsweise die zunehmende digitale Vernetzung für die Mobilität in Städten oder für den Umgang mit Bargeld? Welche Konsequenzen haben das steigende Gesundheitsbewusstsein oder der Wandel der Genusskultur für die Lebensmittelindustrie? Wie müssen Arbeitsumfelder, Aufgabenprofile und Unternehmenskulturen aussehen, damit sie attraktiv sind für die nächste Generation von Young Professionals, die sich ihren Arbeitgeber immer öfter aussuchen können – und schneller wechseln, wenn er nicht mehr zu ihnen passt?

Nur durch ganzheitliches und systemisches Denken werden Management, Unternehmen und Organisationen in die Lage versetzt, ihre Vitalität und Wandlungsfähigkeit zu erhöhen, indem sie ihre Rolle im Prozess gesellschaftlicher Evolution besser verstehen. Megatrends und ihre vielfältigen Einflussfaktoren, ihre Vernetzungen und Interdependenzen, ihre Abhängigkeiten, Bedingtheiten und Wechselwirkungen zu verstehen, ermöglicht neue Räume im Denken zu eröffnen. Das hilft Unternehmen dabei, innovativer und kreativer zu werden, weil es den Wechsel von Perspektiven durch überraschende Sichtweisen initiiert. Damit das gelingt, müssen Unternehmen, muss das Management sich seine jeweils ganz eigene Zukunftsfrage stellen. Erst so entstehen aus Trendwissen auch Handlungsoptionen im Hinblick auf die eigene Zukunft. Nur so können neue Perspektiven und Lösungswege gefunden werden, die auch tatsächlich zur individuellen Situation einer Organisation passen.

Andernfalls läuft man Gefahr, in die Falle eines Trend-Opportunismus zu tappen. Das ist leider inzwischen allzu oft der Fall. Die vielbeschworene „digitale Transformation“ etwa ist in der Geschäftswelt zum Buzzword avanciert, ohne dass dadurch wirklich mehr Orientierung entstanden ist, wohin sich die Wirtschaft in einer vernetzten Welt entwickelt. Eine klare Vision und eine umfassende, ganzheitliche Strategie haben die meisten Unternehmen daher bislang nicht. Stattdessen delegieren sie unter hohem Innovationsdruck das Thema an isolierte Abteilungen oder Personen, die aktionistische Digitalisierungspläne austüfteln. Zu echter Innovation führt dies aber nicht.

Wirklich konsequent umgesetzt, müssen Unternehmen sich im Zuge der Digitalisierung künftig vielfach völlig anders aufstellen: nicht nur hinsichtlich ihrer Produkte und Prozesse, sondern auch in ihren Organisationsformen. Das erfordert keineswegs nur digitale Technologien und eine Allianz von Mensch und Maschine, sondern auch neue Führungs- und Unternehmenskulturen. Egal ob Großkonzerne, Mittelständler oder kleinere Familienbetriebe – in der Netzwerkökonomie dürfen sie sich nicht länger als geschlossene Einheiten verstehen, sondern als Plattformen, als Teil offener Netzwerke und branchenübergreifender Business-Ökosysteme.

Anwendung aus der Unternehmensperspektive

Der entscheidende Schritt in der Anwendung des Megatrend-Systems ist es also, einen Bezug zum eigenen Unternehmen zu schaffen. Die Grundfrage lautet daher: Welche Auswirkungen haben bestimmte Megatrends auf die eigene Organisation? Das ist keine triviale Fragestellung, sondern oft ein komplexes Unterfangen, da es sehr viele Ebenen gibt, auf denen Megatrends Unternehmen betreffen. Es erfordert zudem einen hohen Abstraktionsgrad, die „individuelle Perspektive“ des Unternehmens einzunehmen.

Spezifischer gestellt, lautet die Frage daher: Welche systemischen Wirkungen haben Megatrends auf ein definiertes Betrachtungsfeld eines Unternehmens? Nur mit einem solchen „Framing“ lassen sich aus generellen Trendentwicklungen konkrete Konsequenzen für ein Unternehmen ableiten, das seine jeweils eigene Zukunft gestalten will.

Das Neuerfinden beginnt beim Mindset des Managements, dem Hinterfragen der eigenen Sichtweisen und Glaubenssätze, auch von klassischen Wachstumsstrategien. Neues Denken ist die Voraussetzung für neue Perspektiven und Lösungswege. Dazu wollen wir als Zukunftsinstitut mit der Megatrend-Dokumentation einen Beitrag leisten. Sie soll nicht nur das Interesse an der Zukunft befriedigen und als Lektüre dienen. Vielmehr kann die Megatrend-Dokumentation ein Future Tool bei der täglichen Arbeit an der Zukunft sein. Denn Zukunft entsteht in der Gestaltung durch Menschen, durch Gruppen, Organisationen, Unternehmen. Dafür bietet sie eine verdichtete Informationsgrundlage, mit der sich wichtige Handlungsempfehlungen – oder mehr noch Konsequenzen für kluge Entscheidungen ableiten lassen.

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