Ich bin kein Roboter!

Sie sind aus dem digitalen Alltag nicht mehr wegzudenken, die Captchas. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die vielsagende Bezeichnung „Completely Automated Public Turing Test to Tell Computers and Humans Apart“. Damit sollen wir Menschen bestätigen, dass wir keine Maschinen sind – warum eigentlich?

Ein Kommentar von Franz Kühmayer

Am 1. Mai gedenken wir der Solidarisierung der Arbeitnehmer und betonen ihre Forderungen nach einer sinnvolleren und gerechteren Gestaltung der Arbeitswelt. Einer Arbeitswelt, die unter dem zunehmend gravierenden Eindruck der Digitalisierung steht. Die Roboter kommen, und sie rütteln längst nicht mehr nur am Förderband in der Fabrikhalle, sondern auch an den Bürostühlen und sogar am Chefsessel. 

Dass uns schon morgen Kollege Roboter als intelligente Maschine gegenüber sitzt, ist keine ferne Zukunftsmusik mehr, sondern eine sehr realistische Perspektive und mancherorts bereits Wirklichkeit. Abgesehen von der Frage, ob uns Menschen damit die Arbeit ausgeht – und noch viel wichtiger: ob das eine gute oder schlechte Nachricht wäre – stellen sich damit im Alltag ganz pragmatische Fragen:

Soll man mit dem Künstlichen-Intelligenz-Kollegen eigentlich auch Smalltalk führen? Wenn der Drucker oder Kopierer im Büro einen Papierstau produziert, dann fluchen wir, und ab und zu schubsen wir das Gerät dann auch — darf man das auch mit einem intelligenten Roboter tun? Wenn es eine neue Software für den PC gibt, dann spielen wir ein Update ein — machen wir das bei einem Roboter auch, und wenn ja, sollten wir ihn vorher fragen, ob ihm das recht ist? 

Der Einwand, es handle sich dabei um abstrakte Fragen, zielt ins Leere. Denn wie wir mit den intelligenten Maschinen umgehen, sagt mehr über uns selbst aus, als über Maschinen. Die wirklich entscheidenden Themen der Digitalisierung sind zu tiefgreifend, um sie den Informatikern und Technikern zu überlassen. Wenn die Maschinen immer bessere Maschinen werden, dann müssen wir Menschen immer bessere Menschen werden. 

Schon heute sind Maschinen smart genug, um unsere Arbeit zu erledigen. In den nächsten Jahren werden sie vielleicht am 1. Mai ebenso wie ihre menschlichen Kollegen danach fragen, warum und unter welchen Bedingungen sie das tun sollten. Es liegt an uns, ob wir darauf eine kluge Antwort haben – schon in unserem eigenen Interesse.

Über den Autor

Franz Kühmayer beschäftigt sich als Trendforscher, Autor und Speaker intensiv mit den Themen Leadership und New Work. Der studierte Physiker und Informatiker verbindet dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit seinen Erfahrungen als Top-Manager, u. a. aus seiner Zeit als Director of Business Management Europe, Middle East & Africa bei Microsoft. Als Vordenker der neuen Arbeitswelt lehrt der Experte des Zukunftsinstiuts an der Fachhochschule Wiener Neustadt sowie der Ferdinand Porsche FernFH. Kürzlich veröffentlichte Kühmayer die vierte Auflage seines Leadership Reports.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Megatrend New Work

Megatrend New Work

Die Digitalisierung wirft den Menschen auf sein Menschsein zurück – vor allem im Arbeitsleben. Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. New Work stellt die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Denn Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Franz Kühmayer

Der langjährige Top-Manager ist Experte für die Zukunft der Arbeit. Aus der Verbindung von Trendforschung und Unternehmensberatung liefert er facettenreiche, praxisnahe Lösungen und charmante Inspiration.