Future Products: 6 gute Beispiele für zukunftsfähige Produkte

Tech-Hypes produzieren reihenweise Lösungen, für die es eigentlich gar keine Probleme gibt. Vermeintliche Innovationen überschwemmen den Markt. Was wirklich zukunftsfähige Produkte ausmacht, zeigen die 91 echten Innovationen in der Trendstudie Future Products. 6 davon präsentieren wir Ihnen hier exemplarisch.

Foto: Allbirds

Allbirds SweetFoam: Süßes für die Füße

Der ökologische Fußabdruck der Schuhindustrie ist gigantisch. Das liegt vor allem daran, dass viele Bestandteile wie Schuhsohlen, Marken-Logos und Schnürsenkel-Spitzen aus rohölbasiertem Plastik bestehen. Mit SweetFoam möchte das Start-up Allbirds aus San Francisco eine umweltfreundliche Alternative bieten. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Material, das aus brasilianischem Zuckerrohr gewonnen wird, welches ansonsten als Abfall entsorgt würde. Die bei der Verarbeitung anfallenden Nebenprodukte werden als Dünger für das Zuckerrohr der nächsten Ernte verwertet. Nachdem Allbirds schon Sneaker aus Merinowolle und Eukalyptusfasern auf den Markt gebracht hat, produziert die Firma seit Anfang 2018 farbenfrohe und bequeme FlipFlops aus SweetFoam. Für Unternehmen, die sich für das technische Verfahren hinter dem revolutionären Zuckerrohr-Material interessieren, bietet Mitgründer Joey Zwillinger an, das Know-how jederzeit mit ihnen zu teilen. Als nächstes soll SweetFoam als Materialgrundlage für die gesamte Produktpalette von Allbirds erweitert werden.  

IRL Glasses: Ad-Blocker fürs echte Leben

Was wie ein Science-Fiction-Tool klingt, lassen die IRL Glasses (von In Real Life) Realität werden: eine Brille, die das Licht von LCD- und LED-Monitoren blockiert und so jeden Monitor für den Betrachter verdunkelt. Mit Hilfe von NASA-Ingenieuren wird bereits daran gearbeitet, auch Geräte mit OLED-Technologie (organische Leuchtdioden) auszublenden. Die Sonnenbrille, die ab April zum Preis von 49 Dollar erhältlich sein soll und auch Schutz vor UV-Strahlung bietet, funktioniert ähnlich wie polarisierte Brillen, die in einem bestimmten Winkel Handyscreens abdunkeln. Das Resultat: Die Bildschirme bleiben schwarz – und die Welt wirkt wieder ein bisschen analoger. 

„Ich bin süchtig nach Technik“, sagt CEO Scott Blew, „aber wir versuchen alle, mehr Gleichgewicht in unserem Leben zu finden.“ Und dazu zählt auch: sich weniger von Werbung ablenken zu lassen und die Unmengen an Sinneseindrücken zu reduzieren, die über Screens im öffentlichen Raum auf uns einprasseln. Die IRL Glasses reduzieren den Information Overflow – und bringen uns ein Stück Realität wieder.

Foto: IRL Glasses/Jonathan Chu

Token Ring: Der eine Ring, alles Vernetzte zu meistern

Mit einer einfachen Handbewegung den Laptop oder das Auto entsperren, die Haustür abschließen oder an der Kasse bezahlen? Der Token Ring, der mit nur 0,9 Zentimetern Breite kaum von einem herkömmlichen Schmuckstück zu unterscheiden ist, erfüllt insgesamt sechs Alltagsfunktionen, die ansonsten einen Schlüssel oder eine Karte benötigen würden: Haustürschlüssel, Autoschlüssel, Zugangsberechtigung, Kreditkartenzahlung, Reisetickets, Computerzugang. In dem Ring sind eine Bluetooth- und eine NFC-Funktion verbaut. Um zu bezahlen, fährt man einfach mit der Hand über das Lesegerät. Sind Bluetooth-Informationen gefragt, reicht es, zweimal auf den Ring zu tippen. Ein integrierter Fingerabdrucksensor stellt sicher, dass tatsächlich nur die Person, die auf den jeweiligen Token angemeldet ist, ihn auch nutzen kann. Bei erstmaligem Anziehen des Rings wird die Hautstruktur erkannt – und jedes Mal, wenn der Ring bewegt wird, erneut gescannt. Mit seinen Qualitäten im Alltag ein Komplexitätsreduzierer in Reinkultur.

Zahn-Sensor: Vollautomatisches Food-Tracking 

Wissenschaftler der US-amerikanischen Tufts School of Engineering entwickeln momentan einen unsichtbaren Ernährungsberater: Ein zwei Millimeter großer Sensor, der direkt am Zahn angebracht wird und sich an dessen Oberfläche anpasst. Das diskrete Wearable besteht aus drei Gold-Schichten, die bei der Nahrungsaufnahme auf chemische Inhaltsstoffe reagieren und die Informationen dann über Radiowellen an ein mobiles Gerät senden, wo sie ausgewertet werden.

Im Vergleich zu bereits existierenden Ernährungs-Trackern wäre der Zahn-Sensor eine Revolution. Apps wie MyFitnessPal oder Yazio sind auf das manuelle, präzise und ehrliche Protokollieren von Mahlzeiten angewiesen – der Zahn-Sensor lässt darauf hoffen, dass Ernährungspläne und mühsames Kalorienzählen bald der Vergangenheit angehören. Auch die medizinische Begleitung chronischer Krankheiten und Unverträglichkeiten könnte auf diese Weise erheblich erleichtert werden. Einziger Haken: Derzeit ist der Prototyp noch nicht präzise genug, was die Menge der aufgenommenen Nahrung angeht, und der Sensor kann bislang lediglich drei Inhaltsstoffe erkennen – Glukose, Salz und Alkohol.

ZOZOSUIT: Nie wieder die falsche Kleidergröße 

Der japanische Hersteller ZOZO sorgt dafür, dass sich Kleidung dem Menschen anpasst – nicht umgekehrt. Möglich macht dies der ZOZOSUIT: ein hautenger, dehnbarer schwarzer Anzug mit weißen Punkten, die einen exakten 3D-Scan des Körpers ermöglichen. Die dazugehörige App scannt und wertet die individuellen Körpermaße aus, sodass sich der Nutzer anschließend maßgeschneiderte Kleidung im Shop des Unternehmens bestellen kann. Die virtuelle Kleideranprobe kann also ganz bequem von zu Hause aus erfolgen.

„So musst du dir nie wieder Gedanken über Kleidergrößen machen“, verkündet ZOZO auf der Website. ZOZO-Gründer und -CEO Yusaku Maezawa will mit seiner Innovation eine neue Fashion-Ära einläuten: weg von standardisierten Größen, die viele Körperformen automatisch ausgrenzen, hin zur hyperindividualisierten Kleidung für den schmalen Geldbeutel. Künftig will ZOZO die Maßanfertigungs-Technologie auch auf die Schuhproduktion ausweiten. Es lebe die Individualität.

Foto: ZOZO

O-Wind: Jedermann-Windturbine für die Stadt

Energie aus Wind zu generieren, ist keine Neuigkeit. Wie aber lässt sich der kräftige, aus allen Richtungen kommende Zugwind nutzen, der durch städtische Hochhäuserschluchten strömt und bislang gänzlich ungenutzt blieb? Dieser Frage gingen zwei Studenten von der englischen Universität Lancaster nach – und gewannen mit dem Ergebnis den renommierten James Dyson Award 2018 für innovative Designlösungen. Der Chilene Nicolas Orellana und der aus Kenia stammende Yaseen Noorani haben mit O-Wind eine sphärisch geformte Windturbine aus Karton entwickelt, mit der sich Strom im urbanen Raum generieren lässt. 

„Die Turbine erlaubt es Menschen in den Apartments und Wohnungen, ihre eigene Energie zu gewinnen“, kommentiert Orellana. Das Besondere: Die Turbine passt sich wechselnden Windrichtungen an, indem sie sich um die eigene Achse dreht, und soll außerdem aus nachhaltigen Ökomaterialien produziert werden. Abzuwarten bleibt, zu welchem Preis das Energiewunder auf den Markt kommt. Denkbar ist auch die Vermarktung des Bauplans, mit dem sich die Stadtbevölkerung künftig ihre eigene Turbine am 3D-Drucker ausdrucken kann.


Was zukunftsfähige Produkte ausmacht:


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