Die Pioniere der neuen Arbeitswelt

In der Arbeitswelt scheint kein Stein auf dem anderen zu bleiben. Wie, wo, wann und selbst warum wir unseren Job ausüben, wandelt sich dramatisch. Digitalisierung spielt dabei zwar eine große Rolle, im Zentrum der neuen Arbeitswelt steht aber der Mensch. Dieser Text verknüpft den Work Report 2019 mit den Erkenntnissen der Lebensstile Workbox.

Von Online Redaktion

Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.

Vor diesem Hintergrund verändert sich vor allem die individuelle Einstellung gegenüber Arbeit. Dass der eigene Job Spaß macht und erfüllend ist, war noch nie so wichtig wie heute. Monetäre Zwänge und Ambitionen sind natürlich bei der Jobwahl weiterhin hoch angesiedelte Parameter, die Bedeutung der höchstmöglichen Entlohnung als entscheidendes Kriterium schwindet aber. Betrachtet man jene Lebensstile, die maßgeblich mit dem Megatrend New Work in Verbindung stehen, wird deutlich, dass beim Thema Arbeit vor allem Selbstwirksamkeit und persönlichen Erfüllung eine wachsende Rolle spielen.

Vorwärtsmacher

Der Vorwärtsmacher wirkt wie ein klassischer Karrieretyp, tatsächlich nutzt er seine Durchsetzungskraft und sein gestalterisches Wissen aber auch dafür, etwas für seine Mitmenschen und die Umwelt zu tun. Seine Eigensinnigkeit macht es Unternehmen nicht gerade leicht. Doch der gut ausgebildete Vorwärtsmacher ist nicht zuletzt wegen seiner sozialen Skills als Führungskraft attraktiv und unabkömmlich für proaktive Unternehmen. Menschen dieses Lebensstils haben ehrgeizige Pläne: Sie wollen im Leben weiterkommen. Erfolg im Beruf steht auf der Prioritätenliste ganz oben. Dabei scheuen sie sich nicht vor Verantwortung oder vor neuen Herausforderungen. Die Basis dafür sehen sie in einer guten und vielseitigen Bildung.

Bei seinem Streben nach beruflichem Erfolg geht es dem Vorwärtsmacher jedoch nicht um sich selbst, sondern um die Gesellschaft und eine gesunde Umwelt: Er hat an sich den Anspruch, sich aktiv für die Veränderung der Gesellschaft einzusetzen, und engagiert sich dafür auch sozial und politisch, z.B. um Unterdrückung und Ausbeutung in unserer Gesellschaft zu bekämpfen. Seine optimistische Grundeinstellung hilft ihm dabei, seine ehrgeizigen Pläne Realität werden zu lassen und sich gleichzeitig Spaß und Freude an vielen Erlebnissen im Leben zu gönnen, die er trotz seines überdurchschnittlichen Gehalts mehr schätzt, als Luxusgüter. Der Vorwärtsmacher sieht die Arbeit nicht als Pflicht, sondern als ein Instrument zur Selbstentfaltung und zur Umsetzung der eigenen Werte.

Dem Vorwärtsmacher gehört die Zukunft - er legt immense Führungskompetenz und Durchsetzungskraft gepaart mit sozialem Einfühlungsvermögen an den Tag. Diese Eigenschaften und Fähigkeiten bringen ihn schnell in die absoluten Spitzenpositionen in Wirtschaft und Gesellschaft. Sein Einfluss wird künftig wachsen und zu einer Verbesserung der globalen Verhältnisse führen. Das hohe Selbstvertrauen wird ihm vor allem dann zugutekommen, wenn es mit Resilienz einhergeht. Das beinhaltet auch eine gewisse Flexibilität und die Bereitschaft, von den großen Zukunftsplänen abzuweichen und offen zu sein für das, was kommt. Der Idealismus dieser Menschen wird sich sicherlich verändern, und sie werden auch Rückschläge einstecken müssen, doch bringen sie vor allem ihr unerschrockener Mut, ihr unerschütterlicher Optimismus und ihr Bedürfnis nach produktivem Wandel voran.

Self Balancer  

Wer sich dem Lebensstil Self Balancer zugehörig fühlt, möchte sich selbst verwirklichen und dabei viel erleben. Er legt sehr viel Wert auf Erfolg im Beruf, doch das bedeutet nicht, dass er einen gestressten Lebensstil führt - ganz im Gegenteil, der Self Balancer nimmt die Dinge gleichzeitig relativ locker und möchte das Leben genießen. Deshalb verzichtet er auch auf Selbstausbeutung und wählt alternative Arten des Arbeitens und Lebens, bei dem weniger Arbeit und mehr freie Zeit für Arbeitnehmer nicht ein Verlust, sondern ein Gewinn sein kann. Mit dem zunehmenden Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit wird sich der Wunsch nach Balance, Fokus und Konzentration immer mehr in der Gesellschaft festigen.

Der Self Balancer hat das Prinzip verstanden, sich in dieser schnelllebigen „Ich möchte mich beruflich verwirklichen und gleichzeitig mit mir selbst im Reinen sein und niemals meine Lebensenergie durch Stress oder Kummer verlieren“ Welt einen Hafen und eine gewisse Beständigkeit zu schaffen, ohne dabei stehen zu bleiben. Auch wenn er kein Typus von weitreichendem Einfluss ist, wird sich diese Lebensweise zunehmend - vor allem in den Städten - etablieren. Vor allem Arbeitgeber müssen sich zunehmend auf die Bedürfnisse des Self Balancers einstellen. Sie profitieren vor allem durch ein Geben und Nehmen, da Menschen wie diese in der Wissenskultur und Kreativ-Ökonomie genau die Hauptfiguren sind, die auf subtile, aber beständige Art und Weise die Arbeitswelt von morgen schaffen.

Multi Performer

Für den Multi Performer steht der Beruf im Lebensmittelpunkt. Sowieso ist er der Meinung, dass Freizeit und Beruf sich heute gar nicht mehr so deutlich voneinander trennen lassen. Erfolg im Beruf ist ihm sehr wichtig, und wenn jemand sich anstrengt, so ist er überzeugt, kann sich jeder hocharbeiten. Gute, vielseitige Bildung sieht er als essenzielle Bedingung für ein erfolgreiches Leben. Er ist leistungsorientiert, diszipliniert und pflichtbewusst. Er hat Spaß bei seiner Arbeit, übernimmt gerne Verantwortung und hat ehrgeizige Pläne und Ziele, um im Leben weiterzukommen. Er ist immer offen für neue Chancen und Herausforderungen, dennoch schätzt er aber einen sicheren Arbeitsplatz. Der Multi Performer definiert sich über seine Leistung im Arbeitsleben und lebt die Werte der gut verdienenden Mitte der Gesellschaft: Individualität und Selbstverwirklichung sind hier Pflicht.

Das auf Einzelleistung orientierte Arbeitsethos des Multi Performers ist allerdings ein Wert der scheidenden Industriegesellschaft und erscheint in der Kreativökonomie wenig zukunftsfähig. In einigen Wirtschaftsbereichen wird der Multi Performer auch in den kommenden Jahren mit seiner Leistungsfokussierung erfolgreich sein, jedoch langfristig und gesamtgesellschaftlich gesehen wird dieser Lebensstil nach und nach uninteressant für Menschen. Sein Einfluss wird zurückgehen unter den aktuell bereits sichtbaren Vorzeichen neuer, sinn- und gemeinschaftsorientierter Wertewelten im Arbeits- und Wirtschaftsbereich.


Die Grundlage dieses Artikels bildet die Lebensstile Workbox. Erhältlich in unserem Onlineshop.

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Dossier: Lebensstile

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Der Megatrend Individualisierung hat dazu geführt, dass sich Menschen nicht mehr an Cluster-Codes halten: Im 21. Jahrhundert wechseln sie zwischen Clustern nach situativen Anlässen, mehrmals pro Tag. Heutige Lebensstile definieren sich deshalb nicht mehr nach äußeren Zuschreibungen, sondern nach Wünschen und Werten.

Megatrend New Work

Megatrend New Work

Die Digitalisierung wirft den Menschen auf sein Menschsein zurück – vor allem im Arbeitsleben. Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. New Work stellt die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Denn Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.

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