Wearables, Tracking Devices und Big Data

Für viele Branchen eröffnen Wearables und Tracking Devices ganz neue Möglichkeiten, Daten zu gewinnen. Doch das Sammeln der Daten ist nicht die eigentliche Herausforderung.

Von Patrick Wienecke (11/2015)

Suche Daten, biete Smartwatch-Zuzahlung: Nach diesem Motto versuchte die gesetzliche Krankenkasse AOK Nordost, an umfassende Kundenprofile zu gelangen. Andere Versicherer wie die TK sind bereit, bis zu 250 Euro beim Kauf eines Wearables, etwa eines Fitnessarmbands, beizusteuern. Wer besonders gesund lebt und das per Tracking Device belegt, kann schon heute von Bonusprogrammen profitieren – ein Trend, der sich mit zunehmender Vernetzung noch verstärken wird.

Das belegen auch Entwicklungen in der Branche der Kfz-Versicherer: Wer seinen Fahrstil überwachen lässt, erhält von seiner Versicherung Rabatte und kann so sparen. „Ein Einstieg in eine neue Ära”, meint Per-Johan Horgby, Vorstand der Autoversicherung VHV Allgemeine AG. „Bisher haben wir den Autofahrer gefragt: Wer bist du? Jetzt fragen wir: Wie, wo und wann fährst du? Aus Risikosicht ist das eine gerechte Tarifierung.“ Apps wie AppDrive (Sijox, Signal Iduna) oder Axa DriveCheck (Axa) sollen Autofahrern einen Anreiz für eine zurückhaltendere, sichere Fahrweise bieten. Erfasst wird dabei unter anderem das Beschleunigungs-, Brems- und Kurvenfahrverhalten des Versicherten. Wer unfallfrei bleibt, dem winken Rabatte von bis zu 40 Prozent im Jahr. Die Gegenleistung für die Versicherer: Daten. 

Das Sammeln von Daten ist aber nur der erste Schritt. Angesichts der Menge der Daten stehen viele Unternehmen zunächst einmal ratlos vor der Frage, wie sie diese auswerten, geschweige denn mit ihnen arbeiten sollen.

Wie und wo soll mit der Analyse der Daten begonnen werden? Wonach macht es Sinn, die Daten zu filtern? Welche Daten sind wirklich relevant? Und wie generiere ich aus den Daten nachhaltige Erkenntnisse? Brian Hopkins und Ted Schadler von Forrester Research kommen in ihrer Studie zu dem Schluss: „Unternehmen ertrinken in Daten, aber sie dürsten nach Erkenntnissen.”

Die Lösung besteht darin, nicht einfach nur Daten zu sammeln, sondern mit Daten gezielte Problemstellungen zu lösen. So untersucht ein Salzburger Forschungsteam die Empfindungen von Radfahrern mittels Tracking Devices und sozialen Netzwerken und zieht daraus Rückschlüsse auf das Radfahren innerhalb einer Stadt. Aus den Daten lassen sich Hotspots extrapolieren, an denen die Gefahren für Radfahrer zunehmen, etwa falsche Ampelschaltungen an Kreuzungen oder fehlende Radwege an hochfrequentierten Straßen. 

Die Potenziale von Wearables und Tracking Devices umfassen also sehr viel mehr als das Aufzeichnen von Laufrouten oder das Abspielen der neuesten Nachrichten: Ärzte erhalten die Möglichkeit, individuell auf Diabetes-Patienten einzugehen, Eltern können ihre Babys beim Schlafen überwachen, Privatpersonen und Haushalte werden ermächtigt, ihren CO2-Ausstoß zu regulieren

Smarte Devices liefern wertvolle Daten – ob als Grundlage smarter Systeme für urbane Räume oder als Parameter für faire Tarifberechnungen. Noch fehlt vielen Unternehmen allerdings die richtige Strategie im Umgang mit Daten: Das bloße Datensammeln in großem Maßstab durch Tracking Devices und Wearables ist noch kein Erfolgsgarant. Der tatsächliche Nutzen und Erkenntnisgewinn muss für jede Branche und jedes Unternehmen individuell abgewogen werden – und zwar bevor riesige Datenberge angehäuft werden. Erst diese Relevanz-Reflexion offenbart das eigentliche Potenzial der smarten Devices.

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