Slow Architecture

Die Zukunft des Bauens wird immer öfter von einer Architektur geprägt, die Schritt für Schritt entsteht und organisch wächst. Slow Architecture realisiert erfolgreiche Gegenentwürfe zu konventionellen Gebäuden und setzt auf starke Nachhaltigkeitsmerkmale.
Von Christiane Varga

Wikimedia / Kazunori Fujimoto / Therme Vals / CC-BY-SA 3.0

Der Begriff Slow Architecture hat sich aus der Slow-Food-Bewegung Mitte der 1980er-Jahre heraus entwickelt. Er bezeichnet eine Architektur, die schrittweise und organisch entsteht. Slow Architecture setzt damit einen Kontrapunkt zu Gebäuden, die schnell errichtet werden und in ihrem Konzept keine nachhaltigen Komponenten berücksichtigen. Neben der Nutzung natürlicher Materialien wie Holz oder Naturstein spielt bei der Grundidee der „generischen Architektur“ auch die Einbettung von Gebäuden in ihre jeweilige Umgebung eine entscheidende Rolle. Die Architektur sollte sich bestenfalls in die Landschaft einfügen, unterstützt durch Materialien oder baukulturelle Spezifika der Region. 

Sensory Branding: die Identität von Gebäuden, Städten und Regionen

Dazu ist es wichtig, Orte als das wahrzunehmen, was sie sind: eine einzigartige Kombination aus Natur, Architektur und Kultur. Entsprechend wird die Wahrnehmung geprägt durch:

  • den Ort und die Umgebung an sich.
  • die Architektur, die einen Ort feierlich inszeniert oder zerstört.
  • die Rituale, die sich an einem Ort abspielen.

Alle drei Aspekte eines Ortes zusammen führen zu Erlebnissen oder lassen Erlebnisse zu. Dies unterstreicht, dass es in Zukunft vor allem darum geht, sich in der Raumplanung ebenso wie in der Gestaltung von Gebäuden mit den Themen Ursprung, Authentizität, Eigenheiten, Vielfalt und letztlich Region auseinanderzusetzen. Slow Architecture vereint genau diese Komponenten. Kombiniert man diese mit einer global-vernetzten Sichtweise, entstehen konkrete örtliche, sinnliche Erfahrungsräume. Wird die Eigenheit einer Region über ihre Gebäude sinnlich nachvollziehbar gemacht, ist die öffentliche Aufmerksamkeit so gut wie garantiert. In der Fachsprache wird dieser Fokus auch als Sensory Branding von Gebäuden, gar Städten oder Regionen bezeichnet. Slow Architecture erreicht das sehr erfolgreich vor allem durch den Einsatz von natürlichen und häufig regionalen Baumaterialien.

Holz revolutioniert den Urbanen Raum

Holz als Baustoff wird auch für Großprojekte (wieder-)entdeckt. Die Modelle der Zukunft setzen in den Metropolen auf bis zu 24-stöckige Hochhäuser mit Holz als zentralem Baumaterial. Dabei wird bewusst auf die positiven Eigenschaften von Holz gesetzt: Es ist leichter, hat ein höheres Dämmniveau und ist gleichzeitig genauso tragfähig wie Stahl oder Beton. Die moderne Holzarchitektur steht für einen neuen Stil des Wohnens, mit der in den Großstädten demonstrativ Naturverbundenheit zelebriert wird. Der nachwachsende Rohstoff wird künftig das Material für urbane Landmark-Projekte sein.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

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Christiane Varga

Die Soziologin und Germanistin leitet im Zukunftsinstitut Forschungsprojekte für Unternehmen. Ihr Fokus liegt auf den Themen New Living, New Work, Geschlechterrollen und Tourismus.