Smart Home Services

Welche Services bieten der wachsenden Zahl mobiler Menschen, die in immer dichteren Städten, in kleineren Räumen und in Co-Living Spaces leben, eine bessere Lebensqualität? Wirklich smarte Lösungen sind optimal an die neuen persönlichen Bedürfnisse angepasst.

Von Oona Horx-Strathern

Revival des fahrenden Händlers

Einer der innovativsten Home Services, der aktuell auf dem Markt für Furore sorgt, basiert auf der uralten Idee des Milchlieferwagens. Schon vor langer Zeit konnte man sich in vielen Ländern die Milch bis an die Haustür liefern lassen und gleichzeitig auch noch ein paar Grundnahrungsmittel wie Brot, Eier oder Butter bei dem freundlichen Milchmann erstehen. In Deutschland wurden diese Lebensmittelhändler „Eiermann“ genannt. Zwar sind die traditionellen Berufe längst ausgestorben, doch ein neuer, rasant wachsender und kostenloser Lieferservice namens Picnic hat diese Idee wieder aufleben lassen.

Im Unterschied zu den meisten Lebensmittellieferanten fährt Picnic nicht kreuz und quer durch die Stadt, um zur gewünschten Zeit die Ware auszuliefern, sondern befährt mit kleinen, speziell angefertigten und seitlich beladbaren E-Transportern festgelegte Routen zu festen Zeiten. So wissen die Kunden immer, wann sie mit den frischen Produkten rechnen können. Der Co-Gründer Michiel Muller weist im Interview mit dem Supermarkt.Blog auf zwei entscheidende Gründe hin, warum Menschen Lebensmittel nicht gerne online bestellen: Zum einen möchten sie keine Lieferkosten bezahlen und zum anderen möchten sie für die Lieferung nicht zwei oder drei Stunden zu Hause auf die Ware warten. Aus diesem Grund hat das niederländische Unternehmen dieses Problem mit einem Zeitfenster von 20 Minuten für die kostenlose Lieferung gelöst. In Amersfoort holte Picnic im Pilottest 80 Prozent der Lebensmittellieferungen bei den angeschlossenen Supermärkten der Region ab. Jetzt will man die Idee aus den Niederlanden auch nach Deutschland bringen. Ein weiterer überraschender Erfolgsfaktor ist, dass dieser Service quer durch alle Altersklassen und sozialen Gruppen für Begeisterung sorgt, frei nach der Devise: „Picnic works everywhere and for everybody“.

Community Manager – die gute Seele des Co-Living

Eine ebenso alte Idee, der wieder neues Leben eingehaucht wird, ist die Funktion des realen Concierge – aber heute weit über das Luxussegment hinaus. Traf man ihn früher nur in schicken Privathäusern und Hotels, so findet sich der Concierge heute in vielen Co-Living und Co-Working Spaces, wenngleich auch oft etwas demokratischer „Community Manager“ genannt. Er ist nicht nur das freundliche Gesicht in der Hausgemeinschaft, sondern ihm kommt die wichtige Rolle zu, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen und zu wahren. Während der Concierge früher zum Beispiel Kleidung zur Reinigung brachte, den Hund ausführte, Pakete annahm und das Auto parkte, organisieren die heutigen Community Manager eher DJs für Willkommenspartys, Carsharing und Skireisen.

Der Community Manager in den modernen Lifestyle-Apartments von i Live in Heidelberg macht all das. Zudem ist er darüber hinaus hauptsächlich mit der Annahme und Verteilung von Bestellungen für die frischen Bio-Eier der Hühner beschäftigt, die im Innenhof der Campus Gardens leben. Zu den Zukunftsplänen von i Live gehört auch ein Dogsharing für die Silver Living Community.

Der Londoner Co-Living-Anbieter The Collective ist sehr stolz auf seine Community Manager, die sich um eine lebendige Kultur und ein authentisches Gemeinschaftsgefühl kümmern. Sie werden aufgrund ihrer herausragenden Persönlichkeit und Kompetenz ausgewählt. Zu den Jobanforderungen zählt eine „charismatische, offenherzige, jederzeit präsente, empathische Führungsqualität, verbunden mit der außergewöhnlichen Fähigkeit, sich authentisch einzubringen und Menschen zu vernetzen“; zudem müsse die Person „Zuversicht und Vertrauen ausstrahlen und […] so einen geschützten Raum für das Entstehen authentischer Beziehungen“ schaffen. The Collective bietet Serviced Living auf höchstem Niveau, bei dem alle Leistungen von der Reinigung bis hin zu 24/7-Concierge über eine einzige monatliche Aufstellung abgerechnet werden. Der Claim lautet: „You can do the living, and leave the rest to us“.

Flexibler Storage-Service statt Keller

Ein gewisser Stauraum ist zwar in vielen Co-Living Spaces vorhanden, doch ist ein smarter Lager-Service umso wichtiger für Menschen in anderen Wohnformen, die entweder keinen Platz für all ihre Besitztümer haben oder in hohem Maße mobil und unbelastet von materiellen Dingen leben möchten. Die Mehrzahl der gängigsten Selfstorages erfordert jedoch die Fahrt zu einem düsteren und tristen Lager, verbunden mit der beschwerlichen Aufgabe, Kisten hin und her zu schleppen. Das Unternehmen Blue Crates aus Chicago hat das Geschäft für Einlagerungen mit einem Komplettlagerservice auf Abruf revolutioniert. Blue Crates liefert beim Kunden umweltfreundliche blaue Boxen an, die dieser bepackt und anschließend kostenlos abholen und einlagern lässt. Im Unterschied zu anderen Anbietern ist ein Austausch im Monat kostenfrei; demnach kann man seine Winter- bzw. Sommerbekleidung oder Sportgeräte bequem ein- und auslagern.

Der mobile Tankwart der Zukunft

Die Zahl der privaten und geschäftlichen Nutzer von E-Autos steigt, und Wohngemeinschaften bieten E-Carsharing an. Doch was passiert, wenn zu Hause oder unterwegs der Akku plötzlich leer ist? Das Berliner Start-up Chargery hat eine smarte und gleichzeitig ökologische Möglichkeit gefunden, Strom aus erneuerbarer Energie per Fahrrad anzuliefern. Geordert wird über die App, und schon wird die Batterie zum Fahrzeug gebracht. Während man auf das Aufladen wartet, wird auf Wunsch das Auto gewaschen, der Reifendruck kontrolliert und Scheibenwaschwasser nachgefüllt.

Smart Home Services sind menschlich und empathisch

All diese Dienstleistungen sollten eigentlich unter den Oberbegriff Smart Services fallen. Doch sie sind nicht deshalb smart, weil sie über eine App funktionieren – was die Voraussetzung ist –, sondern weil sie den Bedürfnissen der Menschen nach persönlichen Services durch einen realen Menschen statt über eine personalisierte App Rechnung tragen. Im Fall „Diese Services sind nicht deshalb smart, weil sie über eine App funktionieren, sondern weil sie den Bedürfnissen der Menschen nach persönlichen Services durch einen realen Menschen Rechnung tragen.“ des modernen Milchmanns schätzen die Leute daran die menschliche Seite der Dienstleistung – das kurze Gespräch mit dem vertrauten Lieferanten, der von dem einen oder anderen Stammkunden auch mal eine heiße Suppe bekommt, damit er die Runde bei Schnee und Eis besser durchsteht. Und dann ist da das Engagement des Community Managers, der über das i Live-Netzwerk versucht hat, innerhalb der Community einen passenden Stammzellenspender für eine junge Frau zu finden. Oder die Person, die an einem kalten Regentag zu dem Akku für Ihren Wagen auch gleich noch einen äußerst willkommenen heißen Kaffee mitgebracht hat. So wird aus einer smarten Dienstleistung ein smarter und persönlicher Service.

Fazit

  • Bei Smart Home Services ist nicht die Technologie ausschlaggebend für die Smartness, sondern die auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Lösung steht im Mittelpunkt. Die Technologie dient zwar unterstützend, doch geht es bei diesen innovativen Home Services um schlaue Lösungen von Mensch zu Mensch.
  • Häufig sind es Dienstleistungen, die wir aus früheren Zeiten kennen, wie Concierge-Services, fahrende Händler etc., die in den modernen Zeiten der Self-Service-Gesellschaft in den Hintergrund traten und nun ein Revival erleben.
  • Durch den Einsatz von Technologien werden sie kostengünstiger, und der Mensch kann sich voll und ganz auf die Service-Tätigkeit – die Beratung, das persönliche Gespräch oder das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse – konzentrieren.

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Oona Horx-Strathern

Ihr Spezialgebiet ist die Zukunft des Wohnens. Als erfahrene Trendberaterin für große Unternehmen liefert Oona Horx-Strathern wertvolle Inspirationen – ebenso charmant wie visionär.