Stadt mit allen Sinnen – Fünf sinnliche Beispiele für mehr Lebensqualität

Städte sind mehr als ihr visueller Eindruck. Ihre Bewohner und Besucherinnen nehmen sie mit allen Sinnen wahr. So tragen auch der Sound oder der Geruch einer Stadt zur emotionalen Stimmung bei und prägen das Zusammenleben der Menschen.

Von Oona Horx-Strathern

Foto: Unsplash

Wie mit diesem Wissen über die enorme Bedeutung der unterschiedlichen Sinneseindrücke das menschliche Handeln positiv beeinflusst werden kann, zeigen diese Best-Practice-Beispiele:

Soundscaping the City

Untersuchungen von urbanen Sounds konzentrieren sich in der Regel auf die negativen Aspekte. Mit dem wachsenden Interesse an der urbanen Klanglandschaft verschiebt sich der Fokus aber zunehmend auch auf die Förderung und Verbesserung der angenehmen Geräusche. Die Forscher von Chatty Maps konstruieren zum Beispiel neue Soundmaps von Stadtgebieten auf Basis von getaggten Social-Media-Inhalten und untersuchen in ihrem Urban Sound Dictionary den Zusammenhang zwischen urbanen Klängen und Emotionen. Ihr Ziel ist es, Stadtplaner und Forscherinnen zu ermutigen, Lösungen für einen ökologisch ausgewogenen Soundscape zu finden, in dem das Verhältnis zwischen der menschlichen Gemeinschaft und ihrer akustischen Umgebung im Einklang steht.

Lärm gegen Lärm

Die Vision hinter Recalm: Lärm ohne Kopfhörer und per Knopfdruck ausblenden. Recalm ist ein System zur aktiven Lärmminderung, welches Lärm wiederum mit Anti-Lärm neutralisiert. Spezialisiert auf Baulärm, ist die Active-Noise-Cancelling-Technologie in der Lage, bis zu 75 Prozent der Umgebungsgeräusche einzudämmen. Es werden ausschließlich schädliche Umgebungsgeräusche ausgeblendet, während akustische Signale wie das Mobiltelefon nach wie vor hörbar sind. In Zukunft soll die Technologie auch in Büros, Flugzeugen und in Schlafzimmern zur Anwendung kommen.

Sound-Steuerung fürs Pendeln

Wer kennt sie nicht, die Hintergrundmusik im Kaufhaus, das Gedudel im Aufzug oder die Melodien, die den Wartenden in der Telefon-Hotline geduldig machen sollen? In Tokio hört der Pendler auf der Yamanote-Linie nun für jede Metrostation typische Melodien. Anstelle von Warnsignalen und Hupen, die signalisieren, dass die U-Bahn ein- oder abfährt, kommen elektronische Soundmelodien zum Einsatz, um die Rushhour erträglicher und weniger anstrengend zu gestalten.

Das versenkbare Urinal

Wer durch eine Stadt spaziert, begegnet auch immer wieder unangenehmen Gerüchen – oft verursacht durch das Urinieren im Freien. Die Pop-up Toilet Company, gegründet von Marco Schimmel, nahm sich dieses Problems an und entwickelte mit dem UriLift ein im Boden versenkbares Urinal. Das Besondere daran: Es ist, wenn es nicht benötigt wird, durch seine Versenkbarkeit vollkommen unsichtbar und beeinträchtigt somit das Stadtbild nicht. Nachts können die UriLifts ausgefahren werden, um dem Urinieren im Freien vorzubeugen.

Landkarte der Hot Spots in der Stadt

Die Klimaerwärmung hat bereits heute einen großen Einfluss darauf, wie und vor allem wo wir wohnen. Besonders für Kinder und alte Menschen kann enorme Hitze gesundheitlich belastend sein. Deshalb erstellte die Stadt Wien gemeinsam mit dem tschechischen Start-up Ecoten eine Urban Heat Vulnerability Map. Die Visualisierung der „Hot Spots“ dient dazu, konkrete stadtplanerische Handlungen anzustoßen, die sich nach den gesundheitlichen Bedürfnissen der ansässigen Menschen richten. So kann in Vierteln, in denen besonders viele alte Menschen wohnen, für mehr Beschattung und Bänke gesorgt werden – wohingegen dort, wo viele Familien mit Kindern wohnen, etwa Wasserspielbereiche der Überhitzung entgegenwirken könnten.

Der Home Report von Oona Horx-Strathern liefert mit profunden Analysen, Trendprognosen und prägnanten Facts & Figures die Basis für zukunftsfähige Entscheidungen in den Feldern Architektur, Bauen und Immobilien. Eine Reihe von Best Practices zeigt, wie Unternehmerinnen und Unternehmer bereits heute auf Wohntrends der Zukunft reagieren.


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