Happy Work: Arbeitszeit ist Lebenszeit

Glückliche Mitarbeiter sind der beste Garant für Produktivität, Teamfähigkeit, Kreativität – und Loyalität. Und: Glückliche Mitarbeiter fühlen sich auch gesünder. Ein Auszug aus unserer neuen Studie "Health Trends".

Von Lena Papasabbas

Snapwire Snaps / Zak Suhar / Colored Socks / CC0

Wenn es um Gesundheit am Arbeitsplatz geht, spielt das psychische Wohl der Mitarbeiter eine immer größere Rolle. Stress, Überforderung und Überarbeitetsein sind inzwischen einerseits gesellschaftsfähige Themen geworden: Wer nicht jammert, weckt unter Umständen sogar Misstrauen, nicht genug zu tun zu haben. Andererseits sind Burnout, Depression und Schlafstörungen keine seltenen Diagnosen mehr und schlagen sich genauso auf das Leistungsniveau nieder wie rein körperliche Beschwerden. Krankschreibungen wegen psychischer Leiden haben ein neues Rekordniveau erreicht (DAK-Psychoreport). Im Altersvergleich treten sie aktuell am häufigsten bei den Menschen in der Rush Hour des Lebens zwischen 35 und 44 Jahren auf. Psychische Erkrankungen begründen mittlerweile auch 43 Prozent sämtlicher Fälle von Frühverrentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

Der Stress geht dabei nicht von der Familie oder anderen privaten Angelegenheiten aus, sondern primär vom Beruf (TK-Studie zur Stresslage der Nation 2013). Arbeitsbedingte psychische Belastung entsteht im Arbeitsalltag vor allem durch ständigen Termindruck (bei 38 Prozent der Arbeitnehmer der Fall), schlechtes Arbeitsklima (37 Prozent), emotionalen Stress (36 Prozent) und Überstunden (34 Prozent). Stressfaktoren gehören also bei vielen deutschen Arbeitnehmern zum Berufsalltag und üben einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus. Eine Atmosphäre, gegen die gesundheitsbewusste Mitarbeiter immer mehr Strategien entwickeln, aber auch entwickeln müssen.

Wo viele jedoch noch an sich selbst scheitern und sich anders verhalten, als sie es sich vornehmen, ist die jüngere Generation konsequenter: Ohne Urlaub durcharbeiten oder trotz Krankheit am Schreibtisch sitzen – das ist das hartnäckige Überbleibsel einer Arbeitswelt, mit der die Generation Y nichts zu tun haben will. Der Achtsamkeitstrend und die rasant wachsende Popularität von Meditation, Yoga und anderen Techniken zur Förderung der mentalen Gesundheit verändern das Bewusstsein für und die Akzeptanz von Stress. In Zukunft wird Stress nicht mehr als Zeichen gedeutet, dass jemand viel leistet, In Zukunft wird Stress nicht mehr als Zeichen gedeutet, dass jemand viel leistet, sondern als Unvermögen, eine Balance herzustellen. sondern als Unvermögen oder Unmöglichkeit, eine Balance herzustellen.

Dieser Wertewandel wird das Paradox, das heute bereits zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Menschen besteht, auflösen und dafür sorgen, dass immer weniger Menschen dazu bereit sind, einem Job nachzugehen, der sie krank macht, oder sich in eine Arbeitskultur zu begeben, die selbst auferlegte ungesunde Verhaltensweisen und Stress fördert. Für Arbeitgeber heißt das, Stressfaktoren innerhalb des eigenen Unternehmens ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter in gesunden Rahmenbedingungen bewegen können. Wo Arbeitszeit als Teil von Lebenszeit gilt und daher ebenso wertvoll empfunden wird, muss der Job in Zukunft noch stärker einen Mehrwert über das Monetäre hinaus bieten: Spaß, Selbstentfaltung, Sinn.

Dieses ganzheitliche Verständnis von Arbeit integriert sich in das holistische Verständnis von Gesundheit. Arbeit wird zu einem Teil eines umfassenden Strebens nach mehr Lebensqualität.

BEST PRACTICE: Job-Description "Wohlfühlatmosphäre schaffen"

Adnymics, ein Münchner Startup für individualisierte Flyer und Broschüren, stellte im vergangenen Jahr die erste Feel-Good-Omi ein. Die Idee dahinter: Eine Wohlfühlmanagerin, die im Gegensatz zu den jüngeren Mitarbeitern deutlich mehr Lebenserfahrung hat, als Ansprechpartnerin für Themen auch jenseits des Jobs dient, gemeinsame gesunde Mittagessen organisiert, für Heimeligkeit im Büro sorgt und einen Ruhepol im Unternehmen darstellt. Damit soll eine ideale Atmosphäre am Arbeitsplatz entstehen, in der die Bedürfnisse jedes Mitarbeiters gehört werden und die Qualität des Miteinanders steigt.
adnymics.com

Dieser Text ist ein Auszug aus der im Oktober 2016 erschienenen Studie "Health Trends".

Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Unternehmenskultur

Dossier: Unternehmenskultur

Was macht Unternehmen fit für den digitalen Wandel? Im Kern der "Digitalisierung" steht nicht die digitale Vernetzung, sondern neue kulturelle Qualitäten. Erst eine organische und vertrauensvolle Kultur des Miteinanders ermächtigt Unternehmen, die Herausforderungen der digitalen Welt zu meistern und mitzugestalten.

Megatrend Gesundheit

Megatrend Gesundheit

Gesundheit ist nicht mehr das Gegenteil von Krankheit, sondern ein Bewusstsein für die Balance der individuellen Lebensenergie. Die Medizin verwandelt sich daher vom spezialisierten Reparaturbetrieb in einen gewaltigen Sektor im Dienste des Gesundheits-Prosumenten. Der Gesundheitsmarkt ist und bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Eckpfeiler der Wirtschaft.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Lena Papasabbas

Lena Papasabbas ist Kulturanthropologin und begleitet seit 2014 für das Zukunftsinstitut Projekte im Research-Bereich. Ihr Schwerpunkt ist die redaktionelle Arbeit bei Auftragsstudien.