Future Bias: Die psychologischen Ursachen von Fehlprognosen

Die Weiterentwicklung prognostischer Systeme setzt eine Analyse vergangener Irrtürmer voraus – und der bewussten wie unbewussten Methoden, mit denen Prognosen erstellt werden.

Von Matthias Horx (12/2016)

Der Psychologe Daniel Gilbert unterscheidet in seinem Buch "Stumbling on Happiness" zwischen zwei grundsätzlichen Varianten der Zukunfts-Vorausschau:

  1. Die instinktive Verknüpfung von Erfahrungen und Sinneseindrücken im Gedächtnisspeicher, wie sie auch Tiere haben können: "Wenn es so riecht, werde ich gleich gefressen!"
  2. Die Bildung mentaler Modelle für die Zukunft. Diese wird vom frontalen Stirnlappen (präfrontaler Cortex) koordiniert. Der Verlust dieses Gehirnteils führt zur absoluten Gegenwarts-Zentrierung. Menschen, die ohne "Zukunftsgehirn" existieren, können logische Aufgaben lösen und haben einen fast normalen IQ. Sie verlieren jedoch ihre Fähigkeit zur Planung.

Viele Prognosen tragen (unbewusst) beide Aspekte in sich. Prognosen haben, jenseits der professionellen Ausübung, Intentionen. In diesen Intentionen sind die "Verzerrungen" (Bias) bereits implizit vorhanden.

"Der wichtigste Grund, warum unser Hirn darauf besteht, die Zukunft zu simulieren, selbst wenn wir lieber in der Gegenwart sein sollten, besteht darin, dass es die zukünftigen Erfahrungen kontrollieren will." (Gilbert 2008, S. 51)

Gilbert führt u.a. folgende Gründe für die Alltäglichkeit von Fehlprognosen auf:

  • Emotionale Gegenwarts-Übertragung: Wir schließen von der Gegenwart auf die Zukunft, denn "Denken" ist ein körperlich-seelischer Prozess, der eng mit unserem momentanen Gefühls-Zustand zusammenhängt. Wer satt ist, kann sich Hunger kaum vorstellen, wer gerade das Steigen seiner Aktien erlebt, dessen emotionales System ist auf Euphorie geprägt, er kann sich den Crash nicht vorstellen. Vor-Fühlen und Vor-Denken sind nicht dasselbe, werden aber ständig verwechselt.
  • Ignorieren von Nicht-Ereignissen: Menschliche Wahrnehmung ist an die sinnliche Phänomenologie gebunden – wir "sortieren" die Umwelt nach Ereignissen und Geschehnissen mit Evidenz-Charakter. Dabei ignorieren wir, was nicht sichtbar wird, obwohl dies gerade für den Zukunftsverlauf entscheidend sein kann: "Wir haben die besorgniserregende Tendenz, zukünftige Ereignisse, die wir uns nicht vorstellen, so zu behandeln, als würden sie nicht eintreten." (Gilbert, S. 175f.)
  • Vergangenheits-Fälschung: Menschen fälschen Erinnerungen, um eine positive Bewertung der Gegenwart oder ein bestimmtes Bild der Zukunft zu bewahren.
  • Falsche Kausalität: Wir neigen dazu, einseitige kausale Zusammenhänge zu vermuten. Diese Vermutungen haben oft entlastenden Charakter, weil sie die Verantwortung für eine Entwicklung auf ferne (nicht beeinflussbare) oder abstrakte Kategorien verschieben. So glauben viele Menschen, dass Ereignisse und Prozesse von "Werten" gesteuert werden. Werte sind aber primär (mental-psychologische) Ergebnisse von Prozessen und gesellschaftlichen Verhältnissen und nicht deren Ursachen.

Scheinlinearität und Unterkomplexität

Der häufigste Prognosefehler entsteht durch die Tendenz zur linearen Modellbildung, mit der wir Entwicklungen von Vergangenheit zur Gegenwart "nach vorn verlängern". Menschen neigen zu linearen Verlängerungen von Trends im Sinne eindeutiger mathematischer Reihen. Wenn der (lineare) Verlauf von A nach B bekannt ist, neigt man automatisch zu C als wahrscheinlichstem Zukunfts-Zustand.

Ausgeblendet werden die systemischen Reaktionen auf dem Weg von B nach C. Diese bestehen in Reaktion und Adaption, die auf dem Weg von B nach C entstehen – ökonomischen, sozialen, politischen Veränderungen, Handlungs-Aktivierungen, neuen Erkenntnissen und/oder Veränderungen des Umfelds, in dem der (scheinlineare) Trend stattfindet. Die Wahrscheinlichkeit "that the trend will bend" wird ignoriert. Das Modell wird dadurch unterkomplex.

Der "Urvater" dieses Prognosefehlers findet sich in der alten Prognose von Malthus, der Ende des 18. Jahrhunderts eine unvermeidliche Bevölkerungs-Explosion mit nachfolgenden weltweiten Hungerkatastrophen mit Millionen Toten voraussagte. Malthus konnte sich eine Veränderung der Parameter, auf denen sein Modell basierte, nicht vorstellen: Die Produktivitäts-Steigerung der Landwirtschaft, den Rückgang der Geburtenraten, die Veränderung der Produktionen durch die Industrielle Revolution.

In veränderter Form finden sich diese "Eskalations-Fehler" bis heute in den meisten ökologisch besorgten Prognosen zur "Zukunft der Menschheit". Die Szenarien des "Club of Rome" waren "malthusianisch" inspiriert, die meisten Katastrophen-Szenarien sind es bis heute.

Prä-Selektion der Angst und Risk Bias

Nehmen wir an, Sie sind nachts um drei in einer Großstadt unterwegs. Es ist zwar Ihre Heimatstadt, aber man kann ja nicht wissen, man liest so viel in der Zeitung. Am anderen Ecke einer schlecht beleuchteten Straße nehmen sie eine Bewegung wahr. Eine Katze? Dann taucht eine Gestalt auf. Erst ist sie nur ein undeutlicher Schatten. Dann erscheint eine Silhouette. Im Licht der Straßenlaternen werden die Konturen, die Gangart sichtbar. Die Gestalt kommt näher. Formen sich da Muskeln aus einem Schulterteil? Ist das eine Lederjacke? Ist das nicht eine Waffe, ein Knüppel unter der Jacke trägt? Wie ist der Gang? Forsch? Betrunken? Aggressiv? Wo habe ich meine Brieftasche versteckt? Funktioniert mein Handy? – Ach nein, es ist nur Tante Edith, fröhlich auf dem Heimweg von ihrem Bridge-Stammtisch, die ihre Handtasche unter den Arm geklemmt hat!

Unser antizipierendes Hirn funktioniert nach dem Prinzip der Prä-Selektion: Wir schalten Informationen in einer bestimmten Reihenfolge frei. Dies entspricht einem Schichten-Modell, das die evolutionären Entwicklungsstufen der Organismen repräsentiert: Ganz unten, in den limbischen Systemen, sitzt unser altes Reflex-Zentrum, das uns zur sofortigen Flucht oder entschiedenem Kampf zwingt. Darüber gruppieren sich die Säugetier-Funktionen, die uns erweiterte Optionen der Kommunikation und Moderation zur Verfügung stellen.

Erst in einer weiteren Stufe stehen die rationalen Funktionen zur Verfügung. Menschliche Wahrnehmung selektiert Umwelt-Wahrnehmungen entlang dieser aufsteigenden Achse und schaltet nun relevante Informationen nach einer strikten Reihenfolge frei: Zunächst kommen die Signale, die auf existentielle Bedrohungen hinweisen. Dann, irgendwann, mit meist großer Verzögerung, werden spezifische Informationen über das Phänomen selbst verarbeitet.

Da Prognosen immer auch Kommunikationen sind (siehe Prognosen als Kommunikationen) werden in der öffentlichen Wahrnehmung Angst-Prognosen besonders aufmerksam wahrgenommen (prä-selektiert). Durch den Konformitätsdruck kommt es dann zur allgemeinen Zustimmung zu Bedrohungs-Szenarien, die nicht besonders wahrscheinlich sind.

Aberglaube, Religion, Angst, Paranoia, Panik, Alarmismus, Skandalisierung sind wichtige Bestandteile menschlichen Reaktionsvermögens. Oder wir Daniel Gilbert sagt: "Forecasts can be fearcasts."

Verzerrtes Denken: Erkenntnisse der Wirtschaftspsychologie

Daniel Kahnemann und Amos Tversky, Verhaltens-Psychologen und Nobelpreisträger, haben in ihren Experimenten das "verzerrte Denken" in allen Varianten empirisch erforscht. Hier die zentralen Erkenntnisse:

  • Vermessenheitsverzerrung: Wir überschätzen ständig unsere eigenen Fähigkeiten und unseren Mut. Viele Menschen neigen auch zu einer Art positivistischen Aberglauben, imdem sie ihre Fähigkeiten, eine Situation zu beeinflussen, überbewerten. Sie glauben, mit bestimmten symbolischen Handlungen Realität beeinflussen zu können (Tragen eines T-Shirts beim Fußballspiel der eigenen Mannschaft, magische Rituale etc.). Für die Zukunftsprognostik bietet diese Eigenschaft ein Einfallstor für die prognostische Heroik. Zukunftsbilder werden oft in Hinsicht auf eine Kontroll-Phantasie entworfen, z.B. bei überbetont technischen Visionen.
  • Ankereffekt: Eine einmal getroffene Vergleichs-Aussage wird zur Norm für alle weiteren Definitionen. Selbst wenn sie falsch ist und aus einer sehr fragwürdigen Quelle stammt – aus dem Massenmedium oder aus einer "Urban Myth" – bildet sie den Maßstab für spätere Einschätzungen und Entscheidungen. Hier findet sich ein weiterer Grund für die Linearität, aber auch die ideologische Anfälligkeit der meisten Prognosen.
  • Nähe-Verzerrung: Wenn wir eine bestimmte Problematik allzu sehr "von innen" beurteilen, neigen wir gerade deshalb zu Fehleinschätzungen. Wir können das Phänomen nicht mehr im größeren Kontext sehen. Deshalb irren sich ausgerechnet Fachleute und Spezialisten, wenn sie Prognosen über ihr eigenes Genre aufstellen sollen.
  • Status-quo-Fanatismus: Menschen werden sehr aktiv, wenn es gilt, ihren einmal erreichten Status zu bewahren. Das führt zu den aus "der Krise" bekannten Phänomenen des Klammerns an falschen Strategien: Ein Bankmanager, der hohe Gewinne erzielt hat, ist praktisch unfähig zu sehen, dass die Strategie so nicht mehr funktioniert. Er wird eher Denunziation von Kollegen, Mobbing, Lügen, Bilanzfälschung versuchen, als einen neuen Anfang zu wagen. Viele Phänomene wie Burn-out und allgemeines Lebensunglück haben mit diesem panischen "Drang zur Bewahrung des einmal Erreichten" zu tun. Aber auch viele verbreitete Prognosefehler lassen sich auf das "An-einmal-etablierten-und-nützlichen-Irrtümern-Hängen" zurückführen.

Wissenschaftliche "Bias-Blasen"

Auch wissenschaftliche Erkenntnisse können, wie Börsenkurse, "Blasen" bilden, die später zerplatzen können. Jede wissenschaftliche Modellbildung entspringt einem bestimmten Vereinbarungs-Hintergrund: Wissenschaft ist immer auch ein Kultursystem, das auf bestimmten hermeneutischen (interpretatorischen) Übereinkünften basiert. Demnach ist auch das Wissenschaftssystem selbst einem "Bias"-Effekt ausgesetzt. John Ioannidis, ein griechischer Epidemiologe und Wissenschaftstheoretiker, hat sich mit dem "Bias"-Effekt der modernen Wissenschaften systemisch auseinandergesetzt.

Seine These lautet, dass vor allem das Publizierungs-System der heutigen Wissenschaft zu Fehl-Ergebnissen führt. Durch den Publizierungs-Zwang und die einseitige Orientierung an der Zahl der Zitate wird Opportunismus gefördert. Durch "Cross-Referencing" driften Ergebnisse immer in eine bestimmte, von "Wissenschaftsmoden" oder bestimmten "Stars" dominierte Richtung. So entsteht ein "hermetisches Illusions-System", in dem Ergebnis-Fälschungen regelrecht gezüchtet werden.

In einer Untersuchung über 49 Papiere, die in renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften wie "Nature" oder "Science" publiziert wurden, und die in 1000 späteren Studien zitiert und als Grundlage genutzt wurden, stellte sich heraus, dass etwa ein Drittel der veröffentlichten Erkenntnisse innerhalb weniger Jahre falsifiziert wurden. Für unser wissenschaftliches Weltbild sowie die Haltbarkeit bestimmter allgemeingültiger Prognosen hat diese Erkenntnis weitreichende Konsequenzen. Auch große "Prognose-Wahrheiten", etwa im Bereich der Klimaentwicklung, könnten sich demnächst als Produkte von "Bias-Blasen" herausstellen.

Der Konformitäts-Faktor

Zukunftsbilder sind Produkt eines kollektiven Kommunikationsprozesses, in denen die hier geschilderten Irrtümer und "Biases" eingehen. Dabei spielen Massenmedien eine Rolle, aber auch selbstorganisierende, psychologische Prozesse der Meinungsbildung.

Das Muzafer-Sherif-Experiment bildet bis heute einen Standard für die Synchronisation von Meinungen. Der türkische Sozialpsychologe ließ in zahllosen Experiment-Reihen Versuchspersonen in einen dunklen Raum führen und bat sie darum, die Bewegungen eines Lichtpunktes zu beschreiben, der in etwa zehn Meter Entfernung auf eine dunkle Wand projiziert wurde. Dabei erwies sich, dass jede Person diese Bewegungen in einer individuellen Weise wahrnimmt. Bei einigen flackert oder flimmert er, bei anderen macht er kreisförmige Bewegungen oder pulsiert – Effekte der individuellen und unkontrollierbaren Vibrationen des Augapfels, die bei jedem Menschen völlig verschieden sind.

Bei allen Versuchsabläufen ergab sich das gleiche Bild. Sobald sich mehrere Personen im Raum befanden und über ihre Wahrnehmungen kommunizierten, bildete sich schnell eine Mehrheitsmeinung, eine Gruppennorm. "Der Punkt zittert" oder "der Punkt pulsiert!" – irgendeiner Mehrheitsmeinung schlossen sich immer mehr der Probanden an, je länger die Session dauerte und je mehr Menschen sich im Raum befanden. Am Schluss sahen bis zu 90 Prozent die gleiche Bewegung des Punktes! Die Urteile der anderen bestätigen dann die eigene Abweichung von der ursprünglichen Wahrnehmung, die als "anfängliche Täuschung" definiert wurde. Bei späteren Befragungen behaupteten alle Versuchsteilnehmer trotzdem, ihr Urteil völlig eigenständig getroffen zu haben.

Die "selbstregulierende Konsensbildung" macht soziale Beziehungen und kommunikative Systeme einfacher. In der langen Geschichte der Menschheit bot sie unschätzbare Überlebens-Vorteile, weil sie Menschengruppen zu schneller Handlungsfähigkeit und besseren "Synchronleistungen" brachte. Konsensbildung dient auch als eine "Heuristik der Gefahr": Wenn alle in eine Richtung rennen, ist es besser, dies auch zu tun – Die Wahrscheinlichkeit, dass es für das Rennen einen guten Grund gibt, ist relativ hoch. "Animal Spirits" nennt der Verhaltensökonom Robert Shiller diesen Herdentrieb in seinem gleichnamigen Buch – und erklärt damit unter anderem die Finanzkrise.

Interessen-Korruption von Prognosen

Unter Interessens-Korruption verstehen wir die verzerrende Einwirkung von kommerziellen oder weltanschaulichen Interessen auf den Prognose-Prozess und seine Ergebnisse. Der Hintergrund ist die Tatsache, dass ein großer Teil – rund 75 Prozent – aller veröffentlichten Prognosen direkten Zwecken dient.

Ihre Aussage ist im Kontext von Marketing-Intentionen oder Meinungsbildungen intendiert.

Studien mit Vorhersage oder Voraussage-Elementen sind oft teuer und aufwendig. Finanziert werden sie durch Interessensgruppen aus der Wirtschaft oder, teilweise, der Politik. Dass "ein Trend zu..." oder "ein Ergebnis x" festgelegt wird, ist die kommunikative Intention, die sehr oft bereits vor der Studienerstellung feststeht.

Beispiele:

  • Der angestellte Zukunftsforscher bei einem großen europäischen Telekommunikationskonzern veröffentlicht ständig neue Studien, in denen der "Always-Online"-Lebensstil vorhergesagt wird, bis hin zu Hirnimplantaten, mit denen die Menschen in Zukunft kommunizieren werden.
  • Die Studie "Zukunft der Diabetes" prognostiziert zehn Millionen Diabetesfälle in Deutschland 2020.
  • Auftraggeber ist die "Deutsche Stiftung Diabetesvorsorge", die wiederum vom Verband der forschen Pharmaindustrie unterstützt wird.
  • Der Bundessozialverband prognostiziert 15 Millionen verarmte Kinder bis zum Jahr 2015.

Prognosen sind käuflich. Aber selbst, wenn kein unmittelbares geldliches Interesse dahinter steckt, werden sie leicht zweckentfremdet. In der kommunikativen "Übernutzung" von Prognosen geht ihr kognitiver Wert gegen Null, weil es sich entweder für den durchschaubaren Versuch einer sich selbst (im Sinne des Markterfolges) erfüllenden Prophezeiung handelt oder um schlichte werbliche Kommunikationsversuche.

Diese Entwertung wird durch einen Hang zum Trend-Opportunismus verstärkt – die Tendenz, sich opportunistisch nach "Trend-Verkündungen" zu richten. Bezeichnend ist die Frage auf Marketing-Kongressen und anderen Business-Veranstaltungen, "was denn ganz besonders im Trend liegt”. Mit dieser Frage kommt man garantiert nicht zu Markt-Erfolgen, denn es rennen ja nun alle in Richtung auf eine bestimmte Marktnische.

In den klugen Worten der Kollegen von Z-Punkt:

"Ein neuer Hype wird ausgerufen und alle springen auf den anfahrenden Zug – bis er aus dem Gleis springt. Allein ‘auf Trends zu surfen’ bringt keinen langfristigen Wettbewerbsvorteil. Unternehmen müssen wieder lernen, selbst Attraktor zu sein und Märkte offensiv mitzuprägen, anstatt immer nur Anschluss zu suchen. Dazu reicht es nicht, die ‘angesagten’ Trends zu kennen, vielmehr ist es notwendig, in einer Tiefenanalyse ein klares Bild von den Konturen des Wandels und seinen Treibern zu erlangen."

Zusammenfassung

Prognosefehler entstehen immer in einem Wechselspiel von "Bias"-Prozessen, also psychologischen "Ablenkungen", in Tateinheit mit fundamentalen Modellfehlern. Die häufigsten sind:

  • Ideologische Komplexitätsreduzierung: Der Welt wird ein bestimmtes (binäres) Modell aufoktroyiert, dessen mentale Funktion die der Einordnung und Feindbestimmung ist.
  • Die eigenen Befindlichkeiten werden als Maßstab für Zukunftsentwürfe genommen.
  • Wunsch- oder Angstvorstellungen dominieren den System-Aufbau.
  • Aktuelle Werte werden überbewertet und in Relation zu längerfristigen Prozessen untergewichtet.
  • Eigene Interessen oder Auftrags-Interessen werden weder erkannt noch gewichtet.
  • Vertraute Muster werden bereitwillig in die Zukunft fortgezeichnet. Bifurkationspunkte werden nicht geortet.
  • Was derzeit populär/Konsens ist, wird als einziger Maßstab verwendet.
  • Prognosen werden nicht an Systemen, sondern an "Events" orientiert.

Literatur:
Ronald Brech: Britain 1984. Unilevers Forecast – an Experiment in the Economic History of the Future London. Longman & Todd Ltd, Darton 1963
William Gibson: Mustererkennung. Klett-Cotta, Stuttgart 2004
Daniel Gilbert: Ins Glück stolpern. Goldmann, München 2008
Matthias Horx: Anleitung zum Zukunfts-Optimismus. Campus, Frankfurt a.M. 2007
Bertrand de Jouvenel: Die Kunst der Vorausschau. Hermann Luchterhand Verlag, München 1967
John Naisbitt: Mind Set! Wie wir die Zukunft entschlüsseln. Carl Hanser Verlag, München 2007

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